KITZINGEN

Sie wollen etwas bewegen

Katholischer Frauenbund? Klingt nach vorgestern. Ist aber modern.
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Sie stehen für Werte: Jutta Kempf, Monika Krämer, Rita Pfister von Döllen und Karin Post-Ochel vom Katholischen Frauenbund in Kitzingen. Foto: Foto: R. Dieter

Ihr Bund ist alt. Aber nicht veraltet. Davon sind die vier Frauen überzeugt. Mit vereinten Kräften und möglichst vielen Mitstreiterinnen wollen sie dafür sorgen, dass es noch viele Jahre so bleibt. Der Katholische Frauenbund St. Johannes in Kitzingen ist vor 95 Jahren gegründet worden. Der in St. Vinzenz in der Kitzinger Siedlung vor 65 Jahren. Seit drei Jahren kooperieren die Vereinigungen, im Jahr 2021 steht die Fusion an. „Die Zusammenarbeit lief von Anfang an sehr gut“, erinnert sich Jutta Kempf und Karin Post-Ochel ergänzt: „Besser als in manchen Pfarreiengemeinschaften.“ Rund 180.000 Mitglieder hat der Katholische Frauenbund in Deutschland, die absolute Mehrheit ist in Bayern beheimatet. In Kitzingen sind es etwas mehr als 150. „Unsere Stimme hat Gewicht“, sagt Karin Post-Ochel und gesteht: „Das erfüllt mich schon mit Stolz.“

Mit ihren Stimmen wollen die Frauen unter anderem auf Missstände innerhalb und außerhalb der Kirche hinweisen. Sie wollen sich politisch, sozial und seelsorgerisch engagieren, Verantwortung übernehmen.

„Unsere Stimme hat Gewicht.“
Karin Post-Ochel, Katholischer Frauenbund

„Eigentlich haben sich unsere Themen in den letzten Jahrzehnten nicht groß verändert“, bekennt Rita Pfister von Döllen. „Aber unsere Herangehensweise“, ergänzt Post-Ochel.

Ihr soziales Engagement stellen die Frauen beispielsweise bei der Flüchtlingsarbeit oder im Kitzinger Notwohngebiet unter Beweis, besuchen kranke Menschen in der Klinik oder organisieren Fahrdienste für Angehörige. Verantwortung für die Schöpfung übernehmen sie in ihrem Alltag, bilden Fahrgemeinschaften, reduzieren ihren Plastik-Verbrauch, organisieren Vorträge über Themen wie faire Kleidung oder nachhaltige Ernährung.

Die meiste Energie stecken sie derzeit in das Projekt „Maria 2.0“ und den Protest gegen eine männerdominierte Kirche. Ihr Wunsch: Frauen sollen endlich einen Zugang zu den Weiheämtern in der Kirche erhalten. „Wir erklären immer wieder neu, worum es uns geht, organisieren kleine Andachten oder andere Begegnungsmöglichkeiten und suchen das Gespräch“, erklärt Monika Krämer. Den Schwung, den das Thema in den letzten Wochen deutschlandweit gewonnen hat, gelte es mitzunehmen, wünscht sich Karin Post-Ochel und betont, dass gerade viele Männer in der Kirche diese Forderungen unterstützen. „Eine neue Frau als Mitglied haben wir deshalb aber noch nicht gewonnen“, bedauert sie.

Die Mitgliedszahlen bereiten den vier Frauen vom Vorstandsteam Sorgen. Wie andere Vereinigungen und Vereine kämpft auch der Frauenbund mit Nachwuchssorgen. „Bei unserer Gründung im Jahr 1924 waren es 324 Frauen“, berichtet Post-Ochel. Jetzt sind es in St. Johannes nur noch 80. In St. Vinzenz ist ebenfalls ein kontinuierlicher Rückgang zu beklagen, von 121 im Jahr 1955 auf aktuell 76. Gründe dafür gibt es genug: Berufsalltag, Familie und Freizeit binden genug Zeit. „Da bleibt vielen Frauen wenig Raum für ein kirchliches Engagement“, weiß Monika Krämer. Zumal sich spirituelle Impulse mittlerweile auch woanders finden lassen. In Klöstern, bei Fortbildungen, in Seminaren. „Und dann haben wir schon immer mit einem Vorurteil zu kämpfen“, weiß Rita Pfister von Döllen. „Viele denken, dass bei uns nur ältere Frauen aktiv sind. Dass wir nicht mit der Zeit gehen.“ Tatsächlich ist es den vier Frauen wichtig, dass sie ihre Aktionen immer wieder dem veränderten Zeitgeist anpassen.

„Das Selbstbewusstsein der Frauen hat sich in den letzten Jahren verändert“, sagt Post-Ochel. „Und das ist auch gut so.“ Für die katholische Kirche heißt das: Auch dort wollen sich die meisten Frauen nicht mehr einspannen lassen für Dienste, die angeblich typisch weiblich sind. Blumenschmuck binden, Kuchen backen, im Hintergrund Termine organisieren: Die Zeiten sollen vorbei sein. „Wir wollen etwas bewegen“, formuliert es Monika Krämer. Dafür müsse sich aber auch die Kirche bewegen und die Frauen viel mehr einbinden als das in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus bewege sich etwas in diese Richtung, freut sie sich. Ein kleiner Aufwind sei zu spüren. „Aber es tut sich noch nicht genug“, bedauert Post-Ochel. Das will der Katholische Frauenbund ändern. Ein bis zwei Termine pro Monat bietet die Vereinigung in Kitzingen an. Vom Cafe-Plausch im Bürgerzentrum über einen Flohmarkt in der Rathaushalle, dessen Erlös für soziale Zwecke gespendet wird, bis hin zum Frauenfrühstück oder Veranstaltungen zum Weltgebetstag.

„Wir wollen keinesfalls missionieren.“
Monika Krämer, Katholischer Frauenbund

„Wir wollen keinesfalls missionieren“, betont Monika Krämer. Niemand sei beispielsweise verpflichtet, an Gottesdiensten teilzunehmen. „Es geht uns viel mehr um die Umsetzung christlicher Werte im Alltag“, erklärt sie. Und so engagieren sich die Frauen im sozialen Bereich, mischen sich in die (Kirchen-)Politik ein und kämpfen für eine echte Gleichberechtigung in allen Bereichen. „Viele Frauen werden immer noch ungerecht behandelt“, bedauert Rita Pfister von Döllen und erinnert an die unterschiedlichen Lohnniveaus von Männern und Frauen in Deutschland. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Aufgabe. Der Katholische Frauenbund wird auch weiterhin seine Berechtigung haben und seine Stimme erheben. Davon sind die vier Frauen vom Vorstandsteam überzeugt. „Frauen haben nun mal einen anderen Blick auf die Dinge“, sagt Monika Krämer. Für Karin Post-Ochel steht die Zielrichtung für die kommenden Jahre damit auch fest: Mit gleichgesinnten Frauen weiterhin etwas verändern und bewirken.

Frauenbund-Jubiläum

Feier zum Jubiläum: Am Sonntag, 22. September, laden die Zweigvereine St. Johannes und St. Vinzenz zum Festgottesdienst mit anschließender Feierstunde ein.

10.30 Uhr: Festgottesdienst in St. Johannes. Anschließend Feierstunde im Dekanatszentrum mit Mittagessen, Grußworten, Ehrungen, Kaffee und Kuchen.

Um Anmeldung wird gebeten: Tel. 09321/6882 oder Mail: erika.michelsen@web.de

Kabarett: Am Samstag, 12. Oktober, lädt der Katholische Frauenbund um 19 Uhr ins Dekenatszentrum zum Kabarettabend mit „Inge und Rita“ ein. Vorverkaufsstellen: Eine Weltladen und Buchladen am Markt in Kitzingen.

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