LANDKREIS KT

Sie wollen den Boden bereiten

Drei Landwirte aus dem Kreis Kitzingen haben genug von der öffentlichen Diskussion über ihre Arbeitsweise und verteidigen einen minimalen Einsatz von Glyphosat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Reinhold Mader, Karl-Friedrich Friedlein und Horst Schmidt fühlen sich von der Öffentlichkeit missverstanden. Ihr Anliegen: Die Natur schützen – und wirtschaftlich arbeiten. Foto: Foto: Ralf dieter
+1 Bild

Sie haben lange gewartet. Jetzt wollen sie nicht mehr schweigen. Drei Landwirte ärgern sich über die Beschlüsse der Politik und die Berichterstattung der Medien. Sie wollen einiges klar stellen. Ein Treffen auf dem Hof von Karl-Friedrich Friedlein, etwas außerhalb von Obernbreit.

„Die Verbraucher und die Landwirtschaft haben sich auseinandergelebt“, bedauert Reinhold Mader und berichtet von einem zufälligen Treffen. Ein paar Radfahrer sind kürzlich an seinem Acker bei Unterickelsheim vorbeigekommen. Mader hatte gerade ein Fungizid ausgebracht, um einen möglichen Pilzbefall in seinem Getreide zu bekämpfen. „Die haben mich so komisch angeschaut“, erzählt er. Also hat er seinen Traktor abgestellt und das Gespräch gesucht. Der Verdacht der Radfahrer: Mader bringt großflächig Glyphosat auf seinem Feld aus. „So ein Quatsch“, sagt Horst Schmidt und schüttelt den Kopf. „Wieso sollten wir unsere Bestände kaputt machen?“

Fünf Liter Glyphosat pro Jahr

Reinhold Mader, Horst Schmidt und Karl-Friedrich Friedlein verwenden alle Glyphosat. Aber in geringen Mengen. Und nur an den Rändern ihrer Äcker. Etwa einen bis eineinhalb Meter breit ist dieser Streifen. „Die Wegränder betrifft das nicht“, versichert Schmidt. Rund 100 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet er. Im Jahr verbraucht er dafür rund fünf Liter Glyphosat. „Und das wird keinesfalls in den Boden eingearbeitet“, versichert Reinhold Mader. „Es wird direkt auf die Pflanze aufgebracht.“ Vor allem die Quecke wird mit dem umstrittenen Mittel bekämpft. „Ein Wurzelunkraut, dem wir anders gar nicht beikommen“, sagt Schmidt. Einen Weg gäbe es allerdings: Die so genannte Winterbegrünung – Zwischenfrüchte, die nach der Ernte im Herbst eingesät werden, um den Boden vor Erosion und Nährstoffaustrag zu schützen – darf in Bayern erst ab dem 15. Februar wieder beseitigt werden. „Warum legt man den Termin nicht vier Wochen nach vorne?“, fragt Reinhold Mader. Dann wäre der Unkrautdruck noch nicht so hoch. „Und dann könnten wir auf Glyphosat größtenteils verzichten.“

Berührungspunkte fehlen

Die drei Landwirte fühlen sich missverstanden. Seit Jahren schon. Ein Grund dafür: Die Landwirtschaft und die Bevölkerung entfernen sich immer weiter voneinander. Vor 50 Jahren sei das Leben der Landwirte noch ganz eng mit dem Leben ihrer Kunden verknüpft gewesen. Kuhställe gab es direkt im Ort, wer Milch oder Kartoffeln kaufen wollte, der hatte in nächster Nähe mehrere Anlaufpunkte. „Heute fehlen diese Berührungspunkte und damit vielfach auch das Wissen“, bedauert Friedlein. Und so würden Begrifflichkeiten miteinander vermischt, Vorurteile verschärft. Herbizide, Fungizide und Insektizide seien nun mal keine Pestizide. „Und Pflanzenschutz hat nichts mit Pestiziden zu tun“, betont Schmidt. Seit Jahren habe er keine Insektizide mehr gespritzt. „Ich will doch auch Marienkäfer auf meinem Arm krabbeln sehen und meinen Nachfahren einen möglichst gesunden Boden übergeben.“ Wenn er Pflanzenschutz betreibt, dann greift er keinesfalls auf Glyphosat zurück, betont Friedlein.

Die drei Landwirte wollen nicht mehr für alles verantwortlich gemacht werden, was derzeit schief läuft. Beispiel Insektensterben. „Daran ist doch vor allem die Klimaerwärmung schuld“, sagt Reinhold Mader. Die meisten Insekten würden sterben, weil es im Winter nicht mehr kalt genug ist. Und den größten CO2-Ausstoß hätten die Verbraucher selbst zu verantworten – mit ihren Flugreisen oder den Kreuzfahrten auf immer größeren Schiffen. „Unser Beitrag ist im Vergleich dazu ganz gering.“

Letztendlich treffe das auch auf den Glyphosat-Verbrauch in Deutschland zu. Die größte Menge bringt laut Horst Schmidt die Deutsche Bahn aus, um das Unkraut neben den Gleisen damit zu bekämpfen. Das sei für die Umwelt deutlich schädlicher als der Einsatz in der Landwirtschaft. „Über den Schotter an den Gleisen läuft das Mittel ins Grundwasser“, sagt Schmidt. Auf den landwirtschaftlichen Feldern werde es dagegen nur auf die Pflanze aufgebracht und von der Sonne gleich abgebaut. „Wir Landwirte dürfen Glyphosat nicht auf befestigten Flächen verwenden“, erinnert er. Viele Hobbygärtner würden mit ihrem Verhalten das Grundwasser eher bedrohen als Landwirte – weil sie beim Glyphosat-Einsatz die falsche Dosis verwenden.

Für die drei Landwirte ist es höchste Zeit, die Entwicklungen der letzten Wochen umzukehren. „Wir befinden uns jetzt in einer sehr gefährliche Phase“, warnt Reinhold Mader. Mehrere Mittel sollen verboten werden – Mittel, die seiner Meinung nach nicht zu ersetzen sind. Ohne Glyphosat würde auf die Bauern in etwa das Zehnfache an Kosten für die Bewirtschaftung ihrer Flächen zukommen. Das Grubbern mit den Maschinen und die Mengen an Sprit müsste man in die Berechnung einer Umweltverträglichkeit mit einrechnen.

Gegen Totalverbot

Die Folgen eines Glyphosat-Verbots in Deutschland hätten letztendlich die Verbraucher zu tragen: Entweder das Getreide wird künftig aus dem Ausland geliefert, wo der Einsatz von Glyphosat auch weiterhin erlaubt ist. „Dann bleiben wir auf unserer Ware sitzen und die Preise steigen“, sagt Horst Schmidt. Gleichzeitig könnte die heimische Ware künftig viel häufiger mit Pilzbefall angeliefert werden. Für die Gesundheit der Kunden wäre das keine gute Nachricht.

Die drei Landwirte stellen sich auf gravierende Veränderungen ein. „Ein Totalverbot von Glyphosat wird kommen“, prophezeit Friedlein und kritisiert: „Es geht in der Diskussion ja nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die Ideologie.“ Danach, so befürchtet er, kommen andere Mittel dran. Ungerecht sei das, schließlich würde jeder Biowinzer Kupfer verwenden. Ein Schwermetall, das erst recht schlecht für den Boden sei. „Aber da fragt niemand danach.“ Auch der Einsatz eines Unkrautstriegels, den viele ökologisch wirtschaftenden Betriebe verwenden, sei für die Natur bedenklich. „Bodenbrüter wie der Ortolan, die Wiesenweihe oder junge Hasen sterben deswegen“, sagt Schmidt. Mit Hilfe von Pflanzenschutzmitteln werde dagegen nur das Unkraut bekämpft. „Und die Tiere überleben.“ Schmidts Wunsch an die Öffentlichkeit: Nicht jedes Mittel, das in der Landwirtschaft verwendet wird, systematisch ablehnen. „Alle eingesetzten Mittel werden von der biologischen Bundesanstalt überprüft, bevor sie auf den Markt kommen“, erinnert er und bittet darum, mehr Vertrauen in staatliche Stellen zu haben und sich nicht einseitig zu informieren. Eine Alternative zum Einsatz von Glyphosat sieht er derzeit nicht. „Natürlich sollten wir es nicht großflächig anwenden, sondern als Feuerwehr nutzen“, betont er.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren