LANDKREIS KITZINGEN

Die Vorfreude auf das erste deutsche WM-Spiel steigt.

Gastronome und Gewerbetreibende hoffen auf steigende Umsätze. Public-Viewing am Bleichwasen.
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Zeit für einen kleinen Spaß ist auch noch: Frank Gimperlein und Michael Kleinschroth „verschaukeln“ drei Mitarbeiter. Am gestrigen Freitag bauten die Helfer die Bühne für das Public-Viewing am Etwashäuser Mainufer auf. Jedes Spiel mit deutscher Beteiligung wird übertragen. Am Sonntag, 17 Uhr, geht es mit der Partie gegen Mexiko los. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Frank Gimperlein schaut zufrieden drein. Die Aufbauarbeiten laufen und auch der Wetterbericht macht Hoffnung. Die Fußball-WM kann für die deutschen Fans und die Gewerbetreibenden endlich starten.

Gimperlein veranstaltet bereits zum vierten Mal ein Public-Viewing am Kitzinger Bleichwasen. Diesmal steht die zehn Quadratmeter große Leinwand wieder auf der Wiese zwischen Spielplatz und Skate-Anlage. „Der Standort hat sich bewährt“, sagt der 30-Jährige, der selbst ein großer Fußball-Fan ist und beim TSV Albertshofen gespielt hat. Das Gelände sei wie gemacht fürs Public-Viewing: Open-air, mit genug Platz für Groß und Klein. „Natürlich sind auch Kinder wieder willkommen“, sagt Gimperlein.

Mit bis zu 1000 Fans rechnet er zum Auftakt am morgigen Sonntag gegen Mexiko. Die Anstoßzeit am späten Nachmittag ist für ihn kein Problem. Die LED-Wall, die Michael Kleinschroth 2012 für rund 50 000 Euro gekauft hat, leistet auch bei Sonnenschein gute Dienste. „Dafür sorgen die 28 Module“, erklärt Kleinschroth, der mit seinen Helfern am Freitag die Anlage aufgebaut hat.

„Einen ganzen Tag müssen wir für die Aufbauarbeiten einrechnen“, sagt er. Bis die Bühne steht und die Technik installiert ist, vergehen locker sieben bis acht Stunden.

Alle Spiele mit deutscher Beteiligung will Gimperlein auf jeden Fall zeigen. Und natürlich hofft er auf ein möglichst spätes Ausscheiden der deutschen Mannschaft. „Bis ins Halbfinale werden sie auf jeden Fall kommen“, prophezeit er.

17 Uhr; 20 Uhr; 16 Uhr: Etwas spätere Anstoßzeiten hätte sich Thomas Dauenhauer für die deutschen Mannschaften in der Vorrunde durchaus gewünscht. Der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Kitzingen freut sich vor allem auf die K.O.-Spiele mit deutscher Beteiligung. Und das nicht nur aus sportlicher Sicht. „Da kommen erfahrungsgemäß mehr Leute zum Schauen“, sagt er.

„Die Fußball WM ist auf jeden Fall eine Chance für die Gastronomie. Aber nur, wenn die Deutschen weit kommen.“
Thomas Dauenhauer Vorsitzender Gaststättenverband

In seinem Biergarten wird Dauenhauer die deutschen Spiele ebenfalls auf Leinwand übertragen. „Das zieht die Leute aus der Umgebung an und ist für die Hotelgäste ein Zusatzangebot, gemeinsam was zu erleben und länger sitzen zu bleiben“, freut er sich.

Die Fußball-WM sei auf jeden Fall eine Chance für die Gastronomie, meint er. „Aber nur, wenn die Deutschen auch weit kommen.“

Bier und Fußball. Das gehört irgendwie zusammen. Ein großes Umsatzplus bewirkt die Fußball-WM aber nicht, meint Jakob Pritzl, Assistent der Geschäftsführung bei Kauzen-Bräu in Ochsenfurt. „Wir merken es ein bisschen“, sagt er. Ein paar Veranstalter von Public-Viewings seien auf die Brauerei zugekommen, einige Vereinsvertreter, die die Spiele in ihren Gaststätten zeigen, ebenso. „Aber der Umsatz steigt eher marginal.“

Und die Einzelhändler? Freuen die sich auf riesige Umsatzzuwächse? Volker Wedde schüttelt bei dieser Frage langsam den Kopf. Natürlich sei ein Zusatzgeschäft zu erwarten, beispielsweise bei den Sportartikelverkäufern. Trikots und Fußbälle seien in diesen Zeiten allemal gefragt. Auch der eine oder andere neue Fernseher könne aus Anlass der WM über den Ladentisch gehen. Und für den obligatorischen Grillabend fallen auch extra Ausgaben an. „Aber es sind keine riesen großen Impulse zu erwarten“, prophezeit der Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern.

Mit einem Weihnachts- oder Ostergeschäft sei eine Fußball-WM jedenfalls nicht zu vergleichen. Ähnlich wie Thomas Dauenhauer macht auch Wedde die Höhe des Umsatzes vom Abschneiden der deutschen Mannschaft abhängig. „Je weiter sie kommt, desto mehr Trikots und Fan-Artikel werden verkauft“, weiß er.

Letztendlich ließen sich die Umsatzzuwächse in den kommenden Wochen aus den Statistiken der letzten Fußballweltmeisterschaften zumindest grob errechnen. Um ein halbes Prozent des Jahresumsatzes ist der Umsatz in dieser Zeit erfahrungsgemäß gestiegen.

Für die Einzelhändler in Bayern bedeutet das erwartbare Mehreinnahmen in Höhe von rund 200 Millionen Euro. Im Landkreis Kitzingen können die Gewerbetreibenden in den entsprechenden Branchen von einem Umsatzzuwachs von rund zwei Millionen Euro ausgehen. „Statistisch gesehen“, wie Wedde betont.

Seinen Mitgliedern legt er ans Herz, die FIFA-Richtlinien im Auge zu behalten. Die Logos seien beispielsweise markenrechtlich geschützt, auch der besondere Schriftzug, der an die kyrillische Schrift angelehnt ist, darf nicht einfach übernommen werden. Bestimmte Dinge sind eben nur den offiziellen Lizenzpartnern der FIFA vorbehalten. Und bei Zuwiderhandlung drohen Strafen.

Public-Viewing am Bleichwasen: Einlass immer eine Stunde vor Spielbeginn. Die Vorberichterstattung wird dann schon übertragen. Eintritt: „Ein kleiner Betrag“, wie Organisator Frank Gimperlein meint. „Maximal zwei Euro.“ Natürlich werden die Spiele auch in etlichen Kneipen und Vereinsheimen im Landkreis Kitzingen zu sehen sein.

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