Kitzingen

Sie sorgen für den passenden Ton

Organisten, Chöre und Kirchenmusiker bereichern die Advents- und Weihnachtszeit
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Eine schöne Tradition in der Adventszeit: Die Rorate-Messen werden nur im Schein von Kerzenlicht gefeiert.
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Am Sonntag nehmen sie am Spieltisch Platz, so wie immer. Aber am Montag schon wieder, und vielleicht sogar am Dienstag noch mal. In der Adventszeit und an den Weihnachtstagen haben Organisten und Kirchenmusiker viel zu tun. Ohne die tragenden Klänge des riesigen Instrumentes, ohne Chöre und Posaunen wäre das Fest kaum vorstellbar.

Wenn am Sonntag zum Abschluss der Christmette vielstimmig „Stille Nacht“ in den abgedunkelten Kirchenräumen erklingt, ist das für viele der Inbegriff von Weihnachten. Das 1818 erstmals aufgeführte Lied ist Statistiken zufolge mit großem Vorsprung das beliebteste Weihnachtslied der Deutschen. „In einem Tiroler Dorf kam am Heiligen Abend vormittags der Dorfpfarrer zum Organisten, der zugleich Dorflehrer war. Er hatte einen Text dabei und wollte ihn am gleichen Abend noch vertont haben“, erzählt Christian Stegmann, Kantor der Kitzinger Pfarrei St. Johannes. Eine zum Gedicht passende Melodie für zwei Solostimmen samt Chor und Gitarrenbegleitung sollte es sein. Organist Franz Gruber hat das tatsächlich geschafft und so erklang noch am gleichen Abend in der Christmette erstmals eines der berühmtesten Weihnachtslieder überhaupt. „Dass das geklappt hat, kann man sich kaum vorstellen“, sagt Stegmann. Er kennt sich mit Kirchenmusik aus, ist nicht nur in Kitzingen tätig, sondern zugleich Regionalkantor und Orgelsachverständiger des Bistums Würzburg für die Dekanate Kitzingen und Ochsenfurt.

Wenn Christian Stegmann auf dem Orgelbock sitzt oder einen Chor leitet, geht er seinem Beruf nach. Die allermeisten Organisten aber sind Laien, fünf sind in seinem Team in St. Johannes und übernehmen die musikalische Umrahmung der Gottesdienste. Stegmann teilt nicht nur sie ein, sondern auch die Organisten für St. Vinzenz und Hoheim. Dass immer nur der gleiche Organist spielt, wie es früher meist der Fall war, ist längst nicht mehr in allen Gemeinden der Fall. Man wechselt sich ab.

In der Advents- und Weihnachtszeit gibt es für Organisten und Kirchenmusiker traditionell viel zu tun. Weil es zusätzliche Gottesdienste gibt, aber auch musikalische Veranstaltungen. Eine Besonderheit sind beispielsweise die Rorate-Gottesdienste, die vom 5. Dezember bis zum 16. Dezember in der Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig gefeiert wurden. Wenn sich die Gläubigen um 6 Uhr in St. Johannes, St. Vinzenz oder Sulzfeld trafen, blieb die Kirche im Halbdunkel, einzig Kerzenschein diente als Lichtquelle. In der Woche vor Weihnachten, vom 18. bis zum 21. Dezember, wurden dann Lichtfeiern in Biebelried, St. Johannes und Sulzfeld gefeiert.

Mit dem großen Kitzinger Weihnachtskonzert wechseln sich die Katholische und die Evangelische Kirche ab. In diesem Jahr brachte die Paul-Eber-Kantorei gemeinsam mit Solisten am dritten Adventswochenende das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zu Gehör.

Arbeitslos blieben und bleiben die Sänger und Musiker der Pfarrei St. Johannes in der Weihnachtszeit 2017 trotzdem nicht. So fällt die Orgelmusik zur Marktzeit am Samstag, 23. Dezember, um 11 Uhr deutlich größer aus als an anderen Samstagen. Christian Stegmann musiziert nicht alleine, der Kammerchor singt an diesem Vormittag vierstimmig Weihnachtschoräle. Zu hören sind unter anderem Stücke von Bach und Mendelssohn. „Das sind alles erfahrene Sänger“, sagt Christan Stegmann über die Mitglieder dieses Projektchores. Gezielte Proben sind deshalb vor dem Auftritt nicht angesetzt.

Ähnlich sieht es bei den anderen Chören aus. Sie treten zwar in Gottesdiensten und Andachten auf, das Üben dafür baut der Kantor aber in die normalen wöchentlichen Proben mit ein. So haben sich die Mitglieder des Kinderchores in den letzten Wochen mittwochs auf das musikalische Krippenspiel vorbereitet, das sie an Heiligabend in der Kinderkrippenfeier darstellen werden. „Das ist schon spannend für die Kinder“, weiß der Kantor aus Erfahrung – und er erlebt es selbst direkt mit, denn sein Sohn Sebastian ist heuer zum zweiten Mal beim Krippenspiel dabei. Alle Kinder im Chor, zwischen fünf und etwa elf Jahre alt, sind mit Begeisterung bei der Sache, so Stegmann, und lernen die Lieder problemlos und schnell auswendig. „Das müssen sie auch, denn sie schauspielern ja dabei.“

„Es gibt eine Unmenge an tollen Weihnachtsliedern. Die Zeit ist fast zu kurz, um sie alle unterzubringen.“
Christian Stegmann, Kantor

Auch bei den Stegmanns zuhause wird an Heiligabend gesungen, und da singt selbst die zweieinhalbjährige Anna schon fleißig mit. „Ich kenne das aus meiner Kindheit“, blickt der Kantor zurück: Vor der Bescherung singen alle gemeinsam. Diese Tradition gehört in vielen Familien dazu – ebenso wie der Gang zum Gottesdienst.

In der Christmette in St. Johannes ist die Frauenschola für den musikalischen Part zuständig. Auch das ist ein Projektchor, der jedes Jahr im nächtlichen Heilig-Abend-Gottesdienst singt. Der Kirchenchor mit seinen etwa 45 Mitgliedern, das Orchester und Solisten sind dann am 1. Weihnachtsfeiertag an der Reihe. Zu hören sein wird die Messe in G-Dur von Franz Schubert.

Christian Stegmann hat nicht nur die Leitung dieser Auftritte in St. Johannes oder sitzt an der dortigen Vleugels-Orgel, sondern ist am Weihnachtsfest auch in Wiesentheid im Einsatz. Am 2. Feiertag gestaltet er den Gottesdienst mit und spielt Orgel, Bernhard Eckl Tompete. „Das ist mein regionaler Beitrag zum Weihnachtsfest“, sagt der Kantor lächelnd.

Verschiedene Stücke aussuchen, proben und aufführen, mit vielen Sängern und Musikern, als Solist oder Chorleiter, an verschiedenen Instrumenten sitzen – ist das nicht schwierig? Christan Stegmann verneint. „Weihnachten ist eine schöne Routine.“ Und geht einem die „Stille Nacht“ nicht irgendwann auf die Nerven? Auch hier schüttelt der Kantor den Kopf. Natürlich gibt es Lieder und Stücke, die ihm besser gefallen als andere. Alles, was kommerzialisiert ist, kommt bei ihm nicht so gut an. „In dulci jubilo“ findet er sehr schön, oder die Praetorius-Christmette, die er im vergangenen Jahr mit Chor, Orchester und Solisten beim Weihnachtskonzert aufgeführt hat. Insgesamt aber, so findet Christian Stegmann, gibt es eine Unmenge an schönen Weihnachtsliedern. „Um sie alle unterzubringen, ist die Zeit fast zu kurz.“

Wenn die Feiertage vorbei sind, gehen die Gedanken schon zum nächsten kirchenmusikalischen Höhepunkt. Am 28. Januar steht ein gemeinsames Konzert mit dem symphonischen Blasorchester Volkach an. Die musikalische Leitung hat Bundesdirigent Ernst Oestreicher, Christian Stegmann spielt Orgel. Danach ist Ostern nicht weit und auch was Weihnachten 2018 kommt, weiß Christian Stegmann schon jetzt. Dann nämlich ist St. Johannes wieder mit dem Weihnachtskonzert an der Reihe. Aufgeführt wird das Weihnachtsoratorium von Christoph Graupner. Wie heißt es so schön: Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Das gilt auch für Kirchenmusiker.

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