Kitzingen

Serie Kitzinger Brautradition: die Brauerei Gaßner

Die Ausstellung Hopfen & Malz – Kitzinger Brautradition ist zu Ende gegangen. Mit der Vorstellung der Gaßner-Braurei endet auch die kleine Serie zur Ausstellung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Gaßner-Brauerei im Jahr 1986 in der Oberen Bachgasse in Kitzingen. Die Gaststätte Himmelsleiter und die Mälzerei waren lange ein gewohnter Anblick, bis Mitte der 90er Jahre beide aus dem Stadtbild verschwanden.
+4 Bilder

Die Ausstellung Hopfen & Malz – Kitzinger Brautradition in der Rathaushalle ist am Sonntag zu Ende gegangen. Rund 8000 Besucher haben sie sich angeschaut und gestaunt, wie viele Brauereien die Weinhandelsstadt einst ausmachten.

Am Ende die Gaßner-Brauerei

Parallel zur Ausstellung haben wir in einer kleinen Serie bisher die großen Brauerein wie Bürgerbräu, Kleinschroth oder Scheuernstuhl, aber auch die kleineren Brauereien Lang und Henning-Bräu vorgestellt. Was noch fehlt, ist die Gassner-Brauerei. Auch die wird in dem von den Ausstellungsmachern Renate Haass und Klaus Christof erstellten Katalog (250 Seiten) gewürdigt.

Anfang in der Oberen Kirchgasse

Die Geschichte der späteren Kitzinger Brauerei Gaßner nahm danach ihren Anfang in der Oberen Kirchgasse im Wirtshaus Zum Rothen Ochsen, in dem Heinrich Dennerlein um 1838 zusätzlich ein Brauhaus betrieb.

Er richtete sich in der Folge eine neue Braustätte in der Oberen Bachgasse ein, in die er auch 1841 seine Gaststättenkonzession übertragen ließ. Den Rothen Ochsen verkaufte er an einen Heinrich Derr.

Von diesem pachtete der gelernte Bierbrauer Gottfried Gaßner aus der Nähe von Neustadt/Aisch das Gasthaus, nachdem er 1862 die Kitzinger Bürgerrechte erhalten hatte. 1863 bekam Gaßner eine eigene Brauerlaubnis und kaufte vermutlich 1872 von Heinrich Dennerlein dessen Anwesen in der Oberen Bachgasse.

Himmelsleiter geht in Betrieb

Dort betrieb er fortan eine Gastwirtschaft (spätere Gaststätte Zur Himmelsleiter), eine Mälzerei und zusammen mit seinem Bruder Valentin Gaßner ein Brauhaus. Bekannt als unternehmungsfreudiger Geschäftsmann hatte er stets die Zufriedenheit seiner Kundschaft im Visier, war darauf bedacht, die neuesten Brautechniken einzusetzen und seine Gaststätte aufs „comfortabelste” einzurichten.

Aber nicht nur als Brauherren genossen die Gaßners einen guten Ruf. Gottfried Gaßner engagierte sich auch in öffentlichen Ämtern. So gehörte er von 1869 an für über 27 Jahre dem Gemeindekollegium an. Valentin Gaßner war bei der Handwerkskammer Unterfranken tätig und Vorsitzender des Brauervereins Kitzingen.

Investiert und verkauft

Als Gottfried Gaßner 1901 verstarb, führte sein Sohn Michael die Brauerei fort. 1911 investierte dieser kräftig in seinen Betrieb, indem er erstmals die Dampfkraft einsetzte. Die Umbenennung der Brauerei in Dampfbrauerei Gottfried Gaßner im Jahr 1912 fiel kurioserweise mit dem Aus des Unternehmens im gleichen Jahr zusammen. Warum genau es zu einem Verkauf der Brauerei durch Michael Gaßner kam, ist nicht überliefert.

Verkauf an die Bürgerbräu

Heinrich Rockstroh, Direktor der Bürgerbräu Kitzingen, übernahm die Brauerei Gaßner und deren Kundenstamm, legte den Braubetrieb umgehend still und begann mit dem Umbau des Hauptgebäudes zu einem selbstständigen Mälzereibetrieb.

Markantes Hauptgebäude

Nach der Entkernung verblieben nur die Gaststätte Zur Himmelsleiter und das markante Hauptgebäude. Die darin eingerichtete Mälzerei arbeitete erfolgreich bis in die 1950er Jahre unter der Bezeichnung Frankenmalzfabrik Reiter & Co.

Abbruch 1995

Nach über 30 Jahren Leerstand kaufte die Stadt Kitzingen das Gelände auf, mit der Absicht, dort eine zentrumsnahe Wohnbebauung entstehen zu lassen. Trotz mancher Diskussion um den Erhalt des markanten Ziegelsteinbaus stimmte der Stadtrat für den Abbruch des Mälzereigebäudes. 1995 verschwand dieses Zeugnis früher Industriekultur aus dem Stadtbild Kitzingens.



Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.