SCHWARZACH

Serie "Die Neuen im Rathaus": Mit Fendt, Chopper und Trompete

Der Mann wirkt tiefenentspannt, plaudert locker – keine Spur von Anspannung oder Hektik: Am 1. Mai ist Volker Schmitt ein Jahr Schwarzachs Bürgermeister, und mit dem 44-Jährigen starten wir die Serie „Die Neuen im Rathaus“.
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Freiräume schaffen: Der Schwarzacher Bürgermeister Volker Schmitt – hier mit seinem Sohn – bastelt zum Ausgleich gerne an dem teilrestaurierten Traktor am Hof seines Schwiegervaters in Schwarzenau. Foto: Foto: Daniel Peter

Der Mann wirkt tiefenentspannt, plaudert locker – keine Spur von Anspannung oder Hektik: Am 1. Mai ist Volker Schmitt ein Jahr Schwarzachs Bürgermeister, und mit dem 44-Jährigen starten wir die Serie „Die Neuen im Rathaus“. In den nächsten Wochen stellen wir die Bürgermeister vor, die im März 2014 gewählt wurden und jetzt ihr erstes Amtsjahr hinter sich haben. „Es lief wie erwartet“, erzählt der Nachfolger von Lothar Nagel. „Hilfreich war, dass ich vor meiner Wahl sechs Jahre als Gemeinderat tätig war“, findet Volker Schmitt. Dennoch habe er „viel Neuland“ beackern müssen.

Schmitt spürt, dass sich sein Ansehen verbessert hat. Was auch damit zusammenhängt, dass er bei vielen Fragen nunmehr wichtigster Ansprechpartner (und Entscheider) ist. „Straßen kehren dauert jetzt jedenfalls länger“, sagt Schmitt und lacht. „Es ist gewöhnungsbedürftig, dass die Freizeit weniger geworden ist.“

Geburtstags-Besuche, Ehrungen, Grußworte, Eröffnungen – dass jeder etwas vom Rathauschef will, empfindet dieser aber nicht als Belastung. „Dafür bin ich ja da. Ich will den Ort voranbringen, und dafür ist jede Anregung willkommen.“ Er habe relativ gut abschätzen können, was ihn erwartet. „Ich war acht Jahre Chef des Feuerwehrvereins Stadtschwarzach, das ist von der Sache her ähnlich.“

Schmitt ist froh, dass Projekte seines Vorgängers wie die Sanierung des Kindergartens in Stadtschwarzach oder der St.-Vitus-Kirche in Hörblach inzwischen abgeschlossen worden sind. Vorantreiben will der Bürgermeister die Radwegsanierung Richtung Düllstadt, die Renovierung des Kirchturms in Stadtschwarzach, die Dorferneuerung in Düllstadt, den Lückenschluss des Baugebiets zwischen Münsterschwarzach und Gerlachshausen, um nur einige Beispiele herauszugreifen.

Viel zu tun also auch für die Verwaltung und die Mitarbeiter anderer Bereiche – rund 20 sind es insgesamt. „Ich habe keine Probleme, es geht freundschaftlich zu. Lothar Nagel hat das sehr gut aufgebaut, man hat mir den Einstieg leicht gemacht.“ Richtig gut fand Schmitt Einblicke, die er nur durchs neue Amt bekommen hat: „Dass in Gerlachshausen 11,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt werden – und wie – das war interessant. Ebenso, wie Biogasanlage und Wärmenetz der Abtei funktionieren.“

Ein enorm wichtiges Anliegen ist Schmitt das neue Hochwasserkonzept. „Nach den verheerenden Schäden vom 31. Mai 2013 sollen im Herbst Empfehlungen vorliegen, was wir und was die Orte oberhalb am Bachlauf tun können bzw. müssen. Ich hoffe, die Umsetzung startet im Frühjahr 2016 über unsere gemeinsame Initiative 'Dorfschätze'.“

Die will Schmitt auch für die Dorferneuerung nutzen, „eine super Angelegenheit“, für die das Amt für ländliche Entwicklung Fördergelder bereitstellt. „Es geht darum, den Leerstand in den Ortskernen zu minimieren. Auch wenn wir wegen der hohen Nachfrage gar nicht umhin kommen, ein neues Baugebiet am Ortsrand auszuweisen.“ Schwerpunkte für die erste Wahlperiode sind zudem der flächendeckende DSL-Ausbau und das Kernwegekonzept. In Sachen Hochwasser ist Schmitt ein Hinweis wichtig: Als Konsequenz aus 2013 gibt es nun ein Notfallkonzept mit den Standorten von Pumpen, Sandfüllanlagen, Notstromaggregaten. Aufgelistet sind auch Ansprechpartner im Ort und für Hilfe von außen.

Bleibt die Frage, wo Schmitt die Zeit für Frau, Kinder (fünf und zehn Jahre), Freunde und Hobbys hernimmt. „Die Freiräume muss man sich schaffen, sonst frisst einen das Amt auf.“ Schmitt macht jeden Sonntag einen Lauf, bastelt gerne an seinem Fendt-Trecker GT 225, Baujahr 1962, oder an seinem Chopper-Motorrad herum. „Dass ich den Einser-Führerschein gemacht habe, hat zu Hause nicht unbedingt für Begeisterung gesorgt.“

Und als wäre das alles noch nicht genug, hat Schmitt vor drei Jahren angefangen, Trompete zu spielen. „Da bin ich einer von vielen im Team, wir machen Kirchenmusik. Und wenn mal ein Ton nicht perfekt sitzt, ist es auch kein Drama.“

Eins wird während des gut einstündigen Gesprächs immer klarer: Dass Schmitt 26 Jahre als Kundenberater für eine Bank gearbeitet hat, kommt ihm jetzt sehr zugute. „Ich kann in wenigen Momenten abschätzen, wie ich auf wen zugehe – auch bei unangenehmen Themen.“ Und, sagt Schmitt, „ich halte gut aus, wenn Bürger oder Zeitung anderer Meinung sind als ich.“ Tiefenentspannt eben – das könnte sich mancher Kollege eventuell abschauen!

Schwarzach in Zahlen

Rund 3600 Einwohner hat der Ort, bestehend aus Stadtschwarzach, Münsterschwarzach, Gerlachshausen, Hörblach, Düllstadt und Schwarzenau. Wichtigste Arbeitgeber sind das Benediktiner-Kloster mit dem Gymnasium (rund 320) sowie Modehersteller René Lezard (insgesamt 350). Das Haushaltsvolumen des Marktes beträgt aktuell ca. 8,2 Millionen Euro. Die Zahl der Übernachtungen (40 000) steigt auch dank Kloster und Campingplatz, der Nähe zur Mainschleife und malerischen Weinorten sowie der verkehrsgünstigen Lage an der A 3.

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