LANDKREIS KITZINGEN

Schummeldiesel auf der Spur

Der Diesel-Skandal hält an. Ein Blick in die Statistik zeigt: Es gibt wohl bis zu 7676 Schummeldiesel im Landkreis Kitzingen.
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Diesel
Im Visier: Der Betrug bei Diesel-Fahrzeugen zieht immer weitere Kreise. Foto: Foto: Karl-Josef Hildenbrand (DPA)

Jedes dritte Auto in Deutschland ist ein Diesel. Von insgesamt 45,8 Millionen Fahrzeugen sind 15,1 Millionen Diesel, die in sechs Schadstoffklassen unterteilt werden. Seit Diesel-Stickoxide in den Mittelpunkt gerückt sind und die Schummeldiesel-Meldungen täglich zunehmen, ist die generelle Frage: Wie geht es weiter? Hat der Diesel eine Zukunft?

Ein Blick auf die Lage im Landkreis Kitzingen ermöglicht das Landesamt für Statistik. Demnach produzieren hier 20 701 Dieselfahrzeuge (Stichtag 1. Januar) 54,86 Tonnen Stickoxid (berechnet für 10 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr).

Ältere Modelle im Blick

Geplant ist, dass Dieselfahrzeuge, die die Abgasnorm Euro 5 haben, nachgerüstet werden. Sie produzieren 25,19 Prozent der Diesel-Stickoxide (NOx). Den größten Teil machen jedoch Diesel-Pkw aus, die Schadstoffklasse Euro 4 und niedriger haben: Die kommen auf einen Anteil von gut 71 Prozent. Das Problem: Zugelassene Nachrüstlösungen gibt's hier nicht, ein Softwareupdate ist nicht möglich.

Von den Euro-5-Dieseln, die teilweise noch bis August 2015 verkauft wurden, sind nach Herstellerangaben nur 50 Prozent per Software updatebar und kommen dann auf etwa die Hälfte des jetzigen Schadstoffausstoßes. Auf den Kreis Kitzingen gerechnet bedeutet das: Unterm Strich würde die Euro-5-Nachrüstung 3,4 der 54,8 Stickoxid-Tonnen vermeiden. Das wären 6,3 Prozent.

Finanzieller Anreiz

Dieselautos mit den untersten Schadstoffklasse bringen im Kreis Kitzingen zusammen gut 39 Tonnen Stickoxid auf die Waage. Das sind über 71 Prozent des gesamten NOx-Ausstoßes, so das Landesamts für Statistik.

Diese 39 Tonnen wären also weg, wenn die ältesten Diesel verschwinden würden. Im Gespräch sind deshalb im Moment Umstiegsprämien. Diese kämen laut Statistik für 10 489 Fahrzeugbesitzer im Kreis in Frage. Das gab es schon einmal in ähnlicher Form und nannte sich Abwrackprämie.

Die Politik tut sich sichtbar schwer, Diesel und Verantwortung auseinander zu halten. Auf den lokalen Punkt gebracht, sieht es so aus: Bei den 7676 Euro-5-Dieseln im Kreis Kitzingen gibt es Schummeldiesel, bei den 2536 Dieselfahrzeugen mit der Schadstoffklasse Euro 6, die zu Jahresanfang in den Bestandslisten des Kraftfahrt-Bundesamtes waren, vermutlich auch. Bei den 5372 Euro-4-ern gab es eventuell schon ein Kartell, aber die Schadstoffwerte sind nach vorliegenden Daten in Ordnung.

Bleibt letztlich noch die Frage: Wer soll das bezahlen? Hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Normalerweise zahlt, wer das Problem zu verantworten hat. Die Dieselfahrer sind das nicht.

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