VOLKACH

Schülerinnen platzten fast vor Stolz

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Dem Rassismus wollen die Schülerinnen der Mädchenrealschule in Volkach couragiert entgegentreten.
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Die Mädchenrealschule Volkach ist nun eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Großen Anteil daran hatten die Schülerinnen der Klasse 10a. Das Schild halten die Patin Melanie Roth und Schulsprecherin Amelie Troll, die Urkunde Schülersprecherin Dilara Tastemel und Sebastian Zollner vom Landesverband des bundesweiten Aktionsbündnisses. Foto: Foto: Guido Chuleck

„Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“ Dieses leicht veränderte Zitat von Mahatma Ghandi hätte nicht besser auf den Anlass zugeschnitten sein können, bei dem Melanie Roth, Richterin am Landgericht Schweinfurt, auf Ghandis Worte zurückgegriffen hatte. Diese „Aussage nach außen“ würde deutlich zeigen, dass die Schülerinnen der Mädchenrealschule Volkach Verantwortung übernehmen wollen. Und zwar als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, zu der die Mädchenrealschule der Dillinger Franziskanerinnen Volkach offiziell ernannt worden ist.

Symbolträchtiger Tag

Mit einem feierlichen Akt, eingepackt in den Kulturabend „Summerdreams“, erhielt die Schule die Urkunde, worüber die Patin Melanie Roth und die gesamte Schulfamilie vor Stolz fast platzte. Symbolträchtiger hätte der Tag kaum sein können, wie nicht nur die Moderatorin Birgit Engel befand. Zum Einen war es der 17. Juni, der ehemalige „Tag der deutschen Einheit“, zum Anderen feiert die Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen als weltweit älteste Kongregation ihrer Art das 775. Bestehen und zum Dritten ist die Schule die 400. bayerische Schule dieses bundesweiten Aktionsbündnisses.

Natürlich sei es utopisch, dass es nun überhaupt keinen Rassismus mehr gebe, sagte Sebastian Zoller vom Landesverband bei der Übergabe der Urkunde. „Aber dieses Schild hier ist für Euch ein Merkzettel, quasi ein Post-It an der Eingangstür, das Euch täglich an Euer Versprechen erinnern soll.“ 85 Prozent der Schülerinnen hätten sich mit ihrer Unterschrift verpflichtet, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Vor allem mit Projekten hatten die Mädchen bewiesen, „dass wir auch zu einer Schule ohne Rassismus und mit Courage gehören wollen“, so die Schülersprecherin Amelie Troll. Sie und ihre Stellvertreterin Dilara Tastemel, stellte beim Festakt den gesamten Weg von der Idee am Anfang bis zur Aushändigung der Urkunde vor. Da war zum Beispiel das Projekt „Stell dir vor, du brauchst Asyl“ der 9.

Klasse, die Aktion „MRS ist bunt“ als Solidarität mit „Stammheim ist bunt“, die Geldspende an junge Flüchtlinge aus dem Erlös des Franziskuslaufes, das Nähen von Kuscheldecken (Minideckis) für Flüchtlingskinder, das Vorstellen des Themas „Online-Rassismus“ beim Jugendkreistag in Kitzingen oder auch die Diskussion mit dem Landtagsabgeordneten Otto Hünnerkopf zum Thema „Tag der freien Schulen“. Und letztlich verkörpere die Patin, Melanie Roth, als Richterin (und ehemalige Schülerin der MRSVO) Demokratie und Freiheit.

Schon am späten Nachmittag, bei den Ausstellungen und Präsentationen im Schulhaus, ging es zu wie in einem Bienenstock. Vor allem die Vorstellungen der „physikalischen Zaubereien“ im Physiksaal standen hoch im Kurs. Nicht nur wegen des Preises, den die Schülerinnen Hannah Göllner, Christina Heinisch, Katharina Henke und Lea Lenhart (alle Klasse 9a) und ihr Lehrer Armin Dömling abgeräumt hatten.

Ihr selbst gewähltes Thema „Unterschied zwischen einer thermischen Solaranlage und einer Photovoltaikanlage“ brachten nicht nur 400 Euro Gewinn, sondern auch eine Video-Dankesbotschaft des Sängers Michl Müller ein, von dem die Schülerinnen ein Lied für ihr Video verwenden durften. Mit ihren physikalischen Tricks verzauberten die Schülerinnen ihre Zuschauer gleich reihenweise. Viele weitere Stationen im Haus, etwa die Ausstellung vom textilen Gestalten, gregorianischen Gemälden oder vom ebenfalls preisgekrönten Schulsanitätsdienst, luden zum Verweilen ein und beim Fingerfood im Speisesaal herrschte immer wieder drangvolle Enge. Noch enger war es nur beim Theaterstück „Die Smiley Bande“ über eine diebische alte Frauen in der Aula.

Beim Festabend selbst sorgten die Schülerinnen unter anderem mit der lautlosen Komposition „4:33“ von John Cage, mit einem selbst einstudierten Tanz und mit viel Gesang und Musik, auch vom Schulchor und der Schulband, sowie dem Gastauftitt des Jugendchores „Young Harmony“ für einen sehr kurzweiligen Abend.

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