ABTSWIND

Schüler bei der Arbeit

Es ist heiß. Nicht nur draußen, sondern auch drinnen. Zumindest dort, wo Johannes gerade arbeitet. Er steht zwischen Bergen großer Papiersäcke bei Kräuter Mix, einem der größten Arbeitgeber in der Region. Und der bietet immer wieder auch Stellen für Schüler und Studenten an. Johannes war schon öfter hier, in der Logistik, und im Moment etikettiert er Säcke luftgetrockneter Paprikawürfel, die weltweit als Rohstoff in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Der Duft ist betörend, fast ein bisschen benebelnd. Die Schutzkleidung muss sein, trotz der Wärme. Aber bald hat Johannes sowieso Feierabend – um 17 Uhr, nach gut acht Stunden Arbeit, inklusive Pausen.
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Bei Kräuter Mix in Abtswind haben auch Schüler eine Chance auf deinen Ferienjob. Foto: Foto: Mix
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Es ist heiß. Nicht nur draußen, sondern auch drinnen. Zumindest dort, wo Johannes gerade arbeitet. Er steht zwischen Bergen großer Papiersäcke bei Kräuter Mix, einem der größten Arbeitgeber in der Region. Und der bietet immer wieder auch Stellen für Schüler und Studenten an. Johannes war schon öfter hier, in der Logistik, und im Moment etikettiert er Säcke luftgetrockneter Paprikawürfel, die weltweit als Rohstoff in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Der Duft ist betörend, fast ein bisschen benebelnd. Die Schutzkleidung muss sein, trotz der Wärme. Aber bald hat Johannes sowieso Feierabend – um 17 Uhr, nach gut acht Stunden Arbeit, inklusive Pausen.

„Wenn ein Bewerber schon Erfahrung hat, ist das im Ernstfall ein Bonus für ihn.“
Silke Wurlitzer Personalleiterin

„So ist es richtig“, denkt sich da Gerhard Hörlin von der Gewerbeaufsicht an der Regierung von Unterfranken. „Gefährliche Arbeiten sind nicht erlaubt“, erklärt der erfahrene Kontrolleur, der auch Kräuter Mix in den letzten Jahren immer wieder besucht hat. „Fließband- und Akkordarbeiten sind genauso verboten wie Tätigkeiten, die mit starker Hitze, Kälte und Nässe oder Lärm einhergehen.“

Passieren kann natürlich trotzdem immer etwas – in der Logistik bei Kräuter Mix fahren zum Beispiel immer wieder schwer beladene Stapler durch die Gänge. Darum ist es grundsätzlich vorgeschrieben, dass Jugendliche gesetzlich unfallversichert sind und vor dem Beginn der Beschäftigung über Unfallgefahren und Arbeitssicherheit unterwiesen werden – bei Kräuter Mix läuft das zum Beispiel betriebsintern. „Das Jugendarbeitsschutzgesetz erlaubt nur dem Alter angemessene Arbeiten, die die Leistungsfähigkeit der Schüler nicht übersteigen“, erklärt Hörlin, der die Abteilung „Sozialer Arbeitsschutz“ leitet. „Sie dürfen nur Arbeiten verrichten, die nicht mit erhöhten Unfallgefahren verbunden und bei denen sie keinen schädlichen Einwirkungen ausgesetzt sind.“

In vielen Betrieben im Landkreis Kitzingen und den Randgebieten ist es gar nicht so einfach, diese Vorgaben einzuhalten. Bei Franken Guss wird zum Beispiel richtig schweres Gerät hergestellt, und es ist eben doch manchmal heiß – für viele der Ferienjobber aber trotzdem alles andere als unerträglich.

Immer weniger Ferienjobs

Auch Johannes sagt: „Ich bin froh, dass ich den Job wieder bekommen habe. So viele gibt es ja nicht mehr.“ Lukrative Ferienjobs bei großen Produktionsbetrieben sind nämlich immer schwieriger zu finden: Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass das Angebot viel kleiner geworden ist, weil Zeitarbeitsfirmen Schülern und Studenten Konkurrenz machen.

„Flexible Arbeitszeitmodelle haben die klassischen Werksferien abgelöst“, heißt es zum Beispiel beim Autobauer BMW. „Die verbliebenen Ferienjobs werden größtenteils an ehemalige Auszubildende oder Studenten vergeben, die das Unternehmen bereits kennen.“

Bei Kräuter Mix dagegen bekommen auch die Schüler eine Chance. „Wir nehmen sehr gerne Schüler, die dabei helfen, die Urlaubszeit zu überbrücken“, sagt Silke Wurlitzer, Geschäftsführerin bei Kräuter Mix. 16 Ferienjobber werden über den Sommer verteilt bei der Firma Kräuter Mix eingesetzt, zehn davon in der Logistik – eine Win-win-Situation. „Wir müssen nicht auf Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen, können die Jugendlichen unterstützen, ein bisschen was dazuzuverdienen und dabei noch mögliche Arbeitskräfte für später rekrutieren“, sagt auch Thomas Zehnder, der die Abteilung Logistik leitet.

So will Kräuter Mix auch in den nächsten Jahren auf die Ferienarbeiter bauen, die sich häufig schon im Betrieb auskennen – weil sie regelmäßig kommen oder von Angehörigen lernen, die bei der Abtswinder Traditionsfirma arbeiten.

Genauso verlassen sich auch viele, weitere Unternehmen im Landkreis auf ihre „Ferienjobber“. Bei der Lindner AG/Norit in Dettelbach wird Jahr für Jahr der Bedarf abgefragt. „Gerade hatten wir zwei Schüler, die als Inventurhelfer in den Magazinen beschäftigt waren“, erklärt Ausbildungsleiterin Stefanie Menig. „Wenn Aushilfen gebraucht werden, bieten wir auch entsprechende Stellen an.“ Allerdings kommen regelmäßig viel mehr Anfragen, als es Arbeitsplätze gibt. Diese Erfahrung hat auch die Südzucker AG in Ochsenfurt gemacht. Hier bewerben sich jedes Jahr hunderte Schüler und Studenten für einen Job, zum Beispiel in der Zuckerweiterverarbeitung. „Diejenigen, die wir nehmen, belegen ihren Job oft über mehrere Jahre“, weiß Dominik Risser von der Pressestelle. „Aber wir müssen grundsätzlich sehr vielen Bewerbern absagen.“ Absagen muss auch Horst Thiergärtner für Gebrüder Schmidt in Mainbernheim. Seit der Umstrukturierung und dem Wegfall des Backwarengeschäfts werden beim „Bären-Schmidt“ keine Ferienjobber mehr gebraucht. Anders bei den Reka Wellpappenwerken in Kitzingen, wo es ebenfalls vereinzelte Stellen für den Ferienzeitraum gibt.

Irgendwann einen „richtigen“ Job

Johannes ist jedenfalls heilfroh, dass er bei Kräuter Mix untergekommen ist. Für ihn beginnt nach den Ferien die Schulzeit an der FOS, die Wirtschaftsschule hat er erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Abitur will er studieren, wahrscheinlich „in Richtung Wirtschaft“ gehen und irgendwann eine „richtigen“ Job bekommen – vielleicht sogar bei seinem Arbeitgeber auf Zeit? „Vielleicht nicht unbedingt in dieser Abteilung, aber grundsätzlich – wieso nicht?“

Die Chancen, dass Johannes irgendwann fest bei Kräuter Mix angestellt wird, stehen nicht schlecht, erklärt Silke Wurlitzer. „Wenn ein Bewerber schon ein bisschen Erfahrung hat, ist das im Ernstfall auf jeden Fall ein Bonus für ihn.“ So begann zum Beispiel vor 16 Jahren die Karriere des aktuellen Versandleiters als Azubi zur Fachkraft für Lagerlogistik, nachdem er vorher in den Ferien bei Kräuter Mix gejobbt hatte.

Ob Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, zum Speditionskaufmann, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Industriekaufmann/-frau, Chemielaborant, Fachinformatiker oder ein duales betriebswirtschaftliches Studium: Kräuter Mix bietet die unterschiedlichsten Karrieremöglichkeiten. Den ersten Schritt haben Johannes und die anderen Ferienjobber schon einmal getan.

Sicherheit geht vor

Ganzjährig: Kinder ab 13 Jahren und Jugendliche, die noch der Schulpflicht unterliegen, dürfen ganzjährig nur mit Einwilligung der Eltern zwei Stunden pro Tag leichte und geeignete Arbeiten verrichten: Babysitten, Nachhilfe, Zeitung austragen.

Ferienjobs dürfen Jugendliche erst ab einem Alter von 15 Jahren ausüben, maximal für vier Wochen, maximal fünf Tage die Woche mit höchstens acht Stunden täglich zwischen 6 und 20 Uhr und 40 Stunden in der Woche. Außer in Berufszweigen wie in Gaststätten oder in der Landwirtschaft gilt ein Beschäftigungsverbot am Wochenende.

Praktikum: Möglich ist auch ein von der Schule begleitetes Betriebspraktikum, um einen Einblick in den Wunschberuf zu bekommen. Das findet aber während der Schulzeit statt.

Informationen gibt es im Netz unter www.regierung.unterfranken.bayern.de/aufgaben/gaa/1/00294/index.html oder unter Tel. 0931/380-1810.

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