KITZINGEN

Schrottwagen als Problemfall

Was tun mit herrenlosen Autos? Die Stadt Kitzingen tut sich mit dieser Frage schwer, wie ein Schrottauto zeigt, das seit Wochen in der Kitzinger Luitpoldstraße steht.
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Nummernschilder abmontiert und einfach stehen gelassen: Seit Wochen steht dieses herrenlose Fahrzeug in der Kitzinger Luitpoldstraße. Der Wagen mit einem polnischen Aufkleber ist längst ein Dauer-Ärgernis. Foto: Foto: Frank Weichhan

Es ist müßig darüber zu debattieren, wie man sein altes Auto auf einen Parkplatz stellen und nach dem Abmontieren der Nummernschilder einfach verschwinden kann. Fakt ist: es passiert. Und gar nicht so selten, wie man das vielleicht denken könnte. Zehn bis 15 Mal pro Jahr sind laut Polizei der Schnitt.

Zuletzt sorgten die verlassenen Autos – meist Schrottwagen – für Ärger. So wie zuletzt in Kitzingen am Bahnhof, am Rathaus sowie gleich doppelt am Mainkai. Der aktuelle Fall ist ebenfalls in Kitzingen in der Luitpoldstraße zu bewundern: Seit Mitte März steht dort auf einem der zehn Parkplätze entlang der Straße ein Kombi ohne Nummernschilder mit „PL“-Aufkleber.

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Mit jeder Woche, die seither vergeht, nimmt der Ärger bei vielen Kitzingern zu. Was keiner versteht: Wieso unternimmt keiner was? Wie kann es sein, dass da ein abgemeldetes Auto so lange Zeit einen öffentlichen Parkplatz blockiert? Wer diesen Fragen nachgeht, muss Zeit mitbringen. Weil man in einem Wirrwarr von Vorschriften landet, die vor allem eines sind: lebensfremd.

Mit der Entdeckung eines herrenlosen Wagens beginnt ein langwieriger und ermüdender Prozess. Die Meldung landet zunächst beim Ordnungsamt. Dort registriert man den Fall, um ihn an die Polizei weiterzugeben. Die beginnt dann zu recherchieren: Was hat es mit dem Auto auf sich? Wird es gesucht? Ist es nur ein Schrottwagen? Kommt man an den Halter heran? Letzteres ist über die Fahrgestellnummer durchaus denkbar, kann aber auch problematisch werden. Etwa, wenn es sich um ein ausländisches Fahrzeug handelt.

„Das kann sich Monate hinziehen“, so die Erfahrung von Helmut Pfaff, der bei der Kitzinger Polizei Ansprechpartner beim Thema Umweltschutz ist. Im Falle des Wagens in der Luitpoldstraße bestätigte sich, was der „PL“-Aufkleber vermuten ließ: Der Wagen war zuletzt in Polen zugelassen. Inzwischen weiß man auch, wer den Wagen zuletzt fuhr. Viel weitergebracht hat diese Info indes nicht: „Die Halterin ist nicht auffindbar“, so Frank Winterstein, Chef des Kitzinger Ordnungsamtes.

Zeitgleich zu den polizeilichen Ermittlungen wird ein roter Aufkleber am Auto angebracht mit einem entsprechenden Warnhinweis: Wenn das Auto nicht verschwindet, wird es als Schrott angesehen. Das Problem: Nachdem der Aufkleber angebracht ist, beginnt eine vierwöchige Frist. Erst danach können die nächsten Schritte unternommen werden.

Meldet sich niemand und/oder wird der Halter nicht ermittelt, ist klar: Der Besitzer hat kein Interesse mehr, es kann sich eigentlich nur um ein Schrottauto handeln. An dieser Stelle wandert – die Geschichte ist wie gesagt kompliziert und mühsam – der Zuständigkeitsbereich von der Stadt zum Landratsamt.

„Das kann sich Monate hinziehen.“
Helmut Pfaff über die Suche nach den Haltern verlassener Autos

Das Landratsamt ist nunmehr, wie es im Fachjargon heißt, die Verfolgungsbehörde, der Fall läuft jetzt als ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Offiziell erreicht hat die Geschichte vom Schrottauto aus der Luitpoldstraße das Amt jedoch noch nicht. Allerdings verspricht Wanja Dorner, der sich um Abfallrecht kümmert, ganz offiziell: Weitere Verzögerungen wird es bei ihm nicht geben. Sobald ihn die Info von der Stadt erreicht hat, wird abgeschleppt.

Hier ist das Landratsamt der Stadt übrigens um einiges voraus: Die Kreisbehörde hat einen Vertrag mit einem Abschleppdienst. Und der ist so gewählt, dass dem Landkreis für den Abtransport der Schrottwagen keinerlei Kosten entstehen.

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