HOHEIM

Schokolade für Otto

„Schokolade fällt vom Himmel“, ruft Marla. Was das Mädchen dann fallen lässt, sieht allerdings ganz anders aus als als herkömmliche Schokoriegel. Es sind lilafarbene Hibiskusblätter – Schokolade in den Augen von Schildkröten.
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„Schokolade fällt vom Himmel“, ruft Marla. Was das Mädchen dann fallen lässt, sieht allerdings ganz anders aus als als herkömmliche Schokoriegel. Es sind lilafarbene Hibiskusblätter – Schokolade in den Augen von Schildkröten.

Vor allem Otto, die afrikanische Spornschildkröte, schmatzt begeistert, als er auf den Blättern zu kauen beginnt, die ihm da eben bequem vor die Schnauze gesegelt sind. Zusammen mit 49 anderen Ferienpasskindern war Marla am Donnerstag zu Gast in der Landschildkröten-Auffangstation in Hoheim. Ein spannender Besuch.

„Das war der Verkaufsrenner“
Sina Wolf Ferienpass-Beauftragte

Zum ersten Mal beteiligt sich Sandra Malguth, die 1. Vorsitzende des Vereins, an der Ferienpassaktion der Stadt Kitzingen. „Das war der Verkaufsrenner“, verrät die Ferienpass-Beauftragte Sina Wolf. Sandra Malguth freut das. Sie hat die Teilnehmerzahl gleich noch einmal aufgestockt.

Ihr Ziel: So vielen Kindern wie möglich zeigen, dass Schildkröten keine Haustiere sind, die man sich mal eben wie Katze, Hase oder Meerschweinchen anschaffen kann. Sie hofft darauf, dass die Kinder die neugewonnen Informationen weitertragen.

Die Haltung in einem Terrarium ist für Schildkröten ein Tabu, erzählt Sandra Malguth. Nötig sei ein Freigehege im Garten, dazu ein Gewächshaus mit Wärmequelle. „Erst bei 35 Grad Körpertemperatur können die Tiere überhaupt fressen“, verrät die Fachfrau und nennt die aktuellen Temperaturen deshalb „superklasse Schildkrötenwetter“. Die Ferienpasskinder, die von Gehege zu Gehege huschten, wären gestern in der Mittagshitze sicherlich um das ein oder andere Grad weniger erfreut gewesen – nichts desto trotz war das Interesse groß.

Sandra Malguth kommt kaum zum Erzählen, da schnellt schon wieder ein Finger nach oben. Ein Mädchen macht sich sogar Notizen. „Keine Tomaten“, schreibt sie in ihr kleines Büchlein.

Dass Fütterung und artgerechte Haltung enorm wichtig ist, beweist Sandra Malguth mit Erzählungen, die Eindruck hinterlassen. Sie zeigt eine Schildkröte, die sechs Jahre lang in einem Karton auf dem Dachboden gelebt hat. Eine andere ist als Spielzeug missbraucht und vom Schreibtisch gefallen.

„70 Jahre alt wird eine Landschildkröte in der Regel.“
Sandra Malguth Landschildkröten-Auffangstation

Verkrüppelte Gliedmaßen, weiche oder verformte Panzer zeugen ein Leben lang von deren schrecklichen Vergangenheit. Und das Leben einer Schildkröte ist lang. „70 Jahre alt wird eine Landschildkröte in der Regel“, sagt die Vorsitzende des Vereins. Aber auch 80 oder 90 Jahre sind keine Seltenheit.

Die Auffangstation in Hoheim ist eine Art Tierheim für Schildkröten. Aktuell leben dort 75 Tiere. Viele davon wurden abgegeben, weil der Halter sich nicht mehr um sie kümmern kann. Andere sind Fundtiere. In den schlimmsten Fällen wurden sie dem Vorbesitzer weggenommen, weil dieser sie vernachlässigt hat. Dinge, die sich die Kinder beim Anblick der süßen Gefährten überhaupt nicht vorstellen können.

eee

Ferienpass: Die Ferienpass-Aktionen der Stadt Kitzingen sind gestartet. Noch gibt es einige freie Plätze. Nächster Verkaufstag ist am kommenden Montag, 5. August, ab 7.45 Uhr in der Stadt.

Auffangstation: Seit gut zwei Jahren gibt es die Auffangstation in Hoheim. Leiterin Sandra Malguth ist eine neutrale Ansprechpartnerin in allen Schuldkrötenfragen, informiert über artgerechte Haltung und nimmt vernachlässigte Tiere in Kooperation mit öffentlichen Stellen und Tierärzten in Pflege.

Der Verein finanziert die Station und leistet Aufklärungsarbeit.

Weitere Infos unter Tel. 0160 96 96 70 86, E-Mail: info@landschildkroeten-auffangstation-kitzingen.de, Internet: www.landschildkroeten-auffangstation-kitzingen.de

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