Geiselwind

Schnuppern in Natur und Garten

Das Projekt Europa Minigärtner startet im September im Landkreis Kitzingen. Kinder von der 2. bis zur 4. Klasse lernen die Vielfalt des Gartenbaus und der Grünen Branche kennen - und packen dabei natürlich auch selbst mit an.
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So ein bisschen Regen kann Margot Burger und ihre Töchter Belana und Helena nicht vom Gärtnern abhalten. Die Lehrerin an der Meisterschule für Gartenbau in Veitshöchheim startet im September das Projekt Mini-Gärtner im Landkreis Kitzingen, bei dem Kinder die Vielfalt des Gartenbaus der Region kennenlernen können.
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Es gibt sie in Freiburg, in Heilbronn, in und um Stuttgart, in Österreich... – und bald auch im Landkreis Kitzingen: Kinder der 2. bis 4. Klasse können Minigärtner werden. Margot Burger aus Geiselwind startet im September ein spannendes Projekt.

Kinder durch regelmäßige Besuche in Gärtnereien an die Natur, das Gärtnern und eine gesunde Ernährung heranzuführen – das ist kurz ausgedrückt das Ziel des Projektes Europa Minigärtner. Bettina Gräfin Bernadotte hat die Initiative 2013 auf der Insel Mainau ins Leben gerufen. Im Landkreis Kitzingen soll es jetzt die erste Regionalgruppe in Bayern geben.

Margot Burger hat Gartenbau an der TU München studiert und ist Lehrerin an der Meisterschule für Gartenbau in Veitshöchheim. Außerdem ist sie Mutter von vier Kindern zwischen drei und neun Jahren. Bei dieser Kombination ist es wenig verwunderlich, dass die Geiselwinderin hellhörig wurde, als sie in diesem Jahr beim Unternehmertag der Gärtner in Ulm von den Europa Minigärtnern hörte. Bis dahin kannte sie nur die Miniköche, über ihre Schwester und deren Kinder. „Das ist cool. So etwas sollen meine Kinder auch mal machen“, habe sie sich gedacht, als die Schwester davon erzählte. „Wenn es so etwas für Gärtner gäbe, wäre es noch besser.“

Gedacht, gehört, getan: Seit einigen Wochen bereitet Margot Burger nun die Einrichtung einer Regionalgruppe Kitzingen der Europa Minigärtner vor. Das Projekt startet im September. Kinder der 2. bis 4. Klasse können in die Welt des Gartenbaus eintauchen. Dabei lernen sie die verschiedensten Themen kennen und packen natürlich bei jedem der monatlichen Treffen in den Betrieben mit an.

Säen, pikieren, pflanzen, pflegen, schützen, schneiden, ernten, verarbeiten, Adventskranz binden, Grünflächen pflegen... Es gibt viel zu tun in der Grünen Branche. Margot Burger hat Betriebe mit ins Boot geholt, die den Kindern auf kurzweilige, unterhaltsame und trotzdem lehrreiche Art Wissen vermitteln: Lang-Floristik und Produktion (Wiesentheid), Müller Innenraumbegrünung (Wiesentheid) und Veit Plietz, Ökokiste und Raritätengärtnerei (Schwarzach) sind dabei, Weiglein Baumschule und Garten- und Landschaftsbau (Geesdorf), Weiglein Obstbau (Geesdorf) und der Spargelhof Hertlein (Kleinlangheim). Auch den Weihnachtsbaumproduzent Alt (Geiselwind), Zinser Rasenpflege (Geiselwind), und die Staudengärtnerei (Rödelsee) konnte Burger für das Projekt gewinnen. Um moderne Anbautechniken geht es bei André Busigel, Gurken unter Glas (Albertshofen). Besucht werden soll die LWG Veitshöchheim sowie die Landesgartenschau 2018 in Würzburg und beim Bauhof Wiesentheid werden die Kinder erfahren, dass es auf Straßen, Plätzen und Friedhöfen nicht von alleine grünt und blüht. Im Freizeitland Geiselwind pflanzen die Kinder voraussichtlich Ruheinseln und dürfen – der Spaß kommt schließlich beim Projekt nicht zu kurz – sich anschließend im Freizeitpark vergnügen.

Maximal 20 Kinder können mitmachen, die Kosten für das über zwei Jahre laufende Projekt liegen eigentlich bei 100 Euro pro Kind, Margot Burger hat sich aber vorgenommen, diesen Betrag durch Sponsoren auf 50 Euro zu verringern. Los geht es im September, bis Schuljahresende 2019 sind 20 Einheiten geplant – einmal monatlich für etwa zwei Stunden, der Wochentag wechselt. Margot Burger wird als Projektleiterin bei jeder Einheit dabei sein. Am Ende gibt es für jedes Kind eine Urkunde.

Soweit die rein sachlichen Regularien, die gerade für die Eltern interessant sind. Dass es für die Kinder aber eher um die emotionale Ebene und die Neugierde, um riechen, tasten und schmecken geht, wird im Gespräch mit der neunjährigen Belana schnell deutlich. „Meine Oma hat vier Gärten“, erzählt sie begeistert. Kürbisse gibt es da, Paprika, Salat, Gurken, Zucchini, Kartoffeln, Schnittlauch, Erdbeeren.... Immer mehr Gewächse zählt sie auf. Belana und ihre Geschwister dürfen beim Pflanzen mithelfen, packen beim Gießen mit an, jäten Unkraut. „Sie hat mir sogar Malvensamen geschenkt“, erzählt die Neunjährige. Die hat Belana eingepflanzt und gespannt verfolgt, was sich daraus entwickelt.

Nicht jede Familie ist so eng mit der Natur und dem Gartenbau verbunden wie die Burgers und selbst die können beim Minigärtner-Projekt noch so einiges lernen. Die Betriebe haben sich Themen überlegt, bei denen die Kinder mit anpacken können. Dabei geht es nicht nur um die Pflanzen und die Früchte, sondern beispielsweise auch um den Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden, um Gartengestaltung oder um das Düngen.

Die vier Burger-Kinder Belana, Helena, Valentina und Ferdinand nehmen das Obst und Gemüse aus Omas Garten häufig mit nach Hause. „Das kochen und essen wir dann“, erzählt Belana. Es ist ein Programmpunkt, der zwar noch nicht feststeht, den sich Margot Burger auch für die Minigärtner noch wünscht. „Wir könnten in einer Schulküche gemeinsam kochen und essen.“ Der Genuss darf schließlich nicht fehlen, wenn es um das Gärtnern geht.

Europa Minigärtner: Das Programm startet im September und dauert zwei Jahre. Einmal monatlich findet eine etwa zweistündige Einheit bei verschiedenen Gartenbaubetrieben statt. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 50 Euro pro Kind. Die Fahrten übernehmen die Eltern (eventuell sind Fahrgemeinschaften möglich). Anmeldung bei Margot Burger: margot.burger@lwg.bayern.de

Margot Burger freut sich außerdem über weitere Sponsoren, die sich ebenfalls über diese Adresse melden können.



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