Kitzingen
Gericht

Schlägerei auf dem Maibaumfest

Zwei Männer geraten betrunken aneinander. Vor dem Richter sehen sie sich wieder. Und haben Probleme mit ihrem Erinnerungsvermögen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Freunde haben ihm später erzählt, was passiert war. Es selbst konnte sich an nichts mehr erinnern. Er weiß nur noch, dass er auf die Feier seines Chefs gegangen war. Was danach geschah, davon hat er keine Ahnung.
Jetzt sitzt er auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Vorsätzliche Körperverletzung. Um 4 Uhr des 1. Mai soll der 28-jährige Lkw-Fahrer einem damals 18-Jährigen auf dem Maibaumfest in Rüdenhausen mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen haben, so dass dieser eine Schädelprellung erlitt und eine Nacht in der Uniklinik in Würzburg verbringen musste.

Dabei hatte der Abend so gut angefangen: Der Chef des Angeklagten feierte bei sich zu Hause. Schon da soll der Angeklagte ziemlich betrunken gewesen sein und rumgepöbelt haben. Nachdem die meisten Gäste die Feier im Laufe des Abends verlassen hatten, gingen der Angeklagte und sein Chef mit einem Bekannten zum Maibaumfest im Ort. Dort trafen Angeklagter und Opfer aufeinander.
Die beiden kannten sich nicht. "Dabei haben alle zwei bei mir gearbeitet", berichtete der Chef, der als Zeuge vor Gericht bestellt war. Der 18-Jährige hatte zuvor in Kitzingen gefeiert und war anschließend nach Rüdenhausen zum Maibaumfest gefahren.

Zu fortgeschrittener Stunde war der 28-jährige Angeklagte so angetrunken, dass er mehrmals über den Gehsteig stolperte und hinfiel, bis schließlich sein Knie blutete. Das Opfer soll ihn deshalb ausgelacht haben, was der Angeklagte nicht so lustig fand.
Zunächst beschimpfte er den 18-Jährigen.
Auch der war alles andere als nüchtern zum Maibaumfest gekommen. In Kitzingen hatte er schon einiges getrunken. Und so reagierte er auf die Beschimpfungen des Angeklagten selbst aggressiv. Die beiden gerieten aneinander, ihr Chef und ein der Bekannter konnten sie auseinander halten. Allerdings nicht für lange Zeit "Ich haue dir aufs Maul", drohte der Angeklagte immer wieder - und so begann die Rangelei von Neuem.
Irgendwann hatten der Chef und sein Bekannter genug von den Streithähnen und wollten weitergehen. Da hörte der Zeuge plötzlich ein lautes Klatschen und sah, wie der Angeklagte dem 18-Jährigen mit der flachen Hand eine Ohrfeige verpasste.

Das ließ er sich, nach ein paar Sekunden des Schreckens, nicht gefallen. Er trat dem Angeklagten mit einem so genannten Roundhousekick gegen die Wange. Was es mit diesem Kick auf sich hatte, wurde vor Gericht geklärt: Ein Roundhousekick ist eine besondere Tritttechnik aus dem Kampfsport. Der Angreifer tritt seinem Gegner dabei mit dem Fuß in das Gesicht oder gegen Körper oder Oberschenkel. Der Zeuge, der sich mit dieser Kampfsporttechnik auskennt, bezeichnete den Tritt des 18-Jährigen als "sauber und gut".
Der 28-Jährige dürfte da ganz anderer Meinung gewesen sein. Er ging zunächst einmal zu Boden und wurde ohnmächtig. Als er noch während des Maibaumfestes wieder zu Bewusstsein kam, entschuldigte er sich bei dem Jüngeren für die Ohrfeige, die er ihm verpasst hatte.

Anschließend verließ der 18-Jährige mit einem Freund das Fest. Die beiden wollten nach Hause, als dem 18-Jährigen immer schlechter wurde. Er musste brechen und schließlich musste sein Bekannter sogar den Notwagen rufen. "Kein schönes Ende für ein Maibaumfest", kommentierte der Richter die Schilderungen dieser Nacht.
Ehe weitere Zeugen in den Gerichtssaal gerufen wurden, schlug der Verteidiger des 28-Jährigen eine Einstellung des Verfahrens vor. Es sei ungerecht, wenn sein Mandant verurteilt werde, während ein Verfahren gegen das Opfer eingestellt worden war.

Der 18-Jährige hatte sich wegen des "Roundhousekicks" auch schon einmal vor Gericht verantworten müssen. Was dem Verteidiger nicht recht einleuchten wollte, schließlich habe sein Mandant nur mit der flachen Hand geschlagen und sei schwerer verletzt worden als das Opfer. Außerdem sei es nicht gewiss, dass die Verletzung des Opfers durch die Ohrfeige hervorgerufen worden war. Der Zeuge habe ja gesehen, wie das Opfer sich bloß die Hand ans Ohr gehalten hat.

Allerdings war kein Blut zu sehen. Demnach könnte sich das Opfer die Verletzung auch erst auf dem Nachhauseweg zugezogen haben. "Der Junge war betrunken, torkelte wahrscheinlich, war unsicher auf den Beinen", meinte der Verteidiger. Da sei es doch dann auch möglich und gar nicht so unwahrscheinlich, dass das Opfer gefallen sei und sich erst dabei den Kopf angeschlagen habe.

Um das Verfahren einzustellen, muss der Staatsanwalt dem Antrag zustimmen. Völlig abgeneigt ist er nicht, zumal der Angeklagte bis zu dieser Körperverletzung nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war. Außerdem hat er sich während des Prozesses noch einmal bei dem Opfer entschuldigt.
Am Ende stellt der Richter das Verfahren tatsächlich ein, allerdings unter der Auflage, dass der Angeklagte 600 Euro an den Kreisjugendring Kitzingen zahlt.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren