Volkach
Gericht

Scheibe und Freundschaft brechen

Zusammen mit einem ehemaligen Kumpel hat ein 16-Jähriger aus Volkach (Kreis Kitzingen) eine Schaufensterscheibe eingeschlagen. Seine Zeit verbringt er jetzt nicht mehr mit seinem Freund, sondern damit, Sozialstunden abzuleisten.
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Symbolbild: dpa - Bildfunk
Symbolbild: dpa - Bildfunk
Ein 16-jähriger Volkacher (Landkreis Kitzingen) hat zusammen mit einem Freund vor fast einem Jahr eine Schaufensterscheibe eingeworfen. Dabei ist dem Ladenbesitzer ein Schaden in Höhe von fast 1000 Euro entstanden. Hätte der Jugendliche seitdem zwei Dutzend soziale Hilfsstunden abgeleistet, hätte er sich die Hauptverhandlung am Amtsgericht in Kitzingen sparen können, der er sich nun stellen musste.

Der 16-Jährige sitzt gekrümmt auf dem Stuhl. Wenn er redet, spricht er leise und druckst herum. Meist antwortet er in kurzen Stichworten. Einen Verteidiger hat er nicht. Seine Mutter ist mitgekommen zu der Verhandlung.
Am 10. September des vergangenen Jahres war er mit einem Kumpel unterwegs. Sie kamen an einem Schaufenster eines Mobilfunkgeschäfts vorbei.

Sein zwölfjähriger Freund habe ihn dazu überredet, auf die Scheibe zu werfen, erzählt der Angeklagte.
Ein Stein war schnell gefunden, "der war da rumgelegen". "Wir haben beide geworfen", erzählt der Schüler. Die Scheibe eingeschlagen habe aber nicht sein Stein, sondern der seines Freundes. "Das sagt der genau anders herum", meint der Richter.

"Jugendliche Dummheit"

Die Freundschaft der beiden Jungs ist mittlerweile Geschichte. Früher waren sie oft zusammen, jetzt verbringen sie keine Zeit mehr gemeinsam, haben auch keinen Kontakt mehr, sagt der junge Volkacher.
Der 16-Jährige lebt zusammen mit seiner Mutter. Die Eltern sind getrennt. Gerade hat er ein angespanntes Verhältnis zu seiner Mutter, berichtet die Jugendgerichtshilfe, es sei aber noch im Rahmen. Die Situation mit seinem
Vater stuft sie dagegen als schwierig ein. Der habe ein Alkoholproblem.

Wie sie auf die Idee gekommen seien, die Scheibe einzuschlagen, fragt der Richter. Das will er selbst nicht wissen: "Es hat eigentlich keinen Grund", sagt der jugendliche Angeklagte zögernd. "Jugendliche Dummheit." Mehr bekommt der Richter nicht aus ihm heraus. "Sie machen es sich zu einfach, das Ganze mit Dummheit abzutun. Es gibt immer einen Grund." Dass ihm auch im Nachhinein nicht mehr dazu einfällt, sei ein Zeichen dafür, dass er wohl nicht einmal darüber nachgedacht hat. "Dann kann das also immer wieder passieren."

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bohrt nach und will wissen, warum gerade diese Scheibe zum Ziel geworden ist und nicht etwa die eines benachbarten Ladens. Beantworten kann oder will das der Angeklagte nicht. "Der Verdacht liegt ja nahe, dass Diebstahl der Hintergedanke war", sagt der Richter. Handys seien nun einmal begehrenswert bei Jugendlichen.

Mitgehen lassen hatten die Jungs aber nichts. "Ich hab schon ein gutes Handy." Den Schaden, der durch die zertrümmerte Scheibe entstand, hat erst einmal seine Oma beglichen. Jetzt arbeitet er die Schulden ab.

Stundenkonto füllt sich

Der Junge blickt zu seiner Mutter und auf den Tisch vor ihm. Zur Tatzeit war er 15 Jahre alt. Jetzt geht er in die neunte Klasse. Den Jahrgang hat er nicht geschafft. Er wird im nächsten Schuljahr die Stufe wiederholen. Von den angesetzten Stunden Hilfsdienst hat er bisher in einem Altersheim ein Fünftel abgearbeitet.

Er wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass noch Stunden ausstehen, meint die Jugendgerichtshilfe. Warum er sich darum nicht gekümmert hat, könne sie sich nicht erklären, sagt die Frau. Er habe eigentlich keine Zeit gehabt und dann wieder doch, erklärt er stockend. "Ich frage mich, ob Sozialstunden überhaupt noch Sinn machen", mahnt der Richter. "Wer das so lange hinzieht, verdient sogar einen Arrest."

Auch die Jugendgerichtshilfe hat "Zweifel, dass er die Stunden ableistet". Hinzu kommt, dass er wegen eines anderen Verfahrens inzwischen weitere Sozialstunden angehäuft hat. 24 stehen aufgrund von Körperverletzung noch zusätzlich aus. Der Richter befürchtet, dass der Jugendliche auf dem besten Weg zu einer "kriminellen Karriere" ist. "Jedes Verfahren, das jetzt folgt, wird mit Sicherheit zum Arrest führen." Bei der Verhandlung drückt er "beide Augen zu" und erlegte ihm noch einmal Sozialstunden auf - 30 für die Sachbeschädigung.

Am liebsten würde der 16-Jährige sofort damit anfangen: "Ich hab mir für die Ferien nichts vorgenommen. Das schaffe ich." Mit der Aussicht und der Hoffnung, dass bis Ende August alle Stunden erledigt sind, wird das Verfahren vorläufig eingestellt.
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