Wie Pläne der einst in Mönchsondheim stehenden Zehntscheune des Klosters Ebrach nach München kommen, kann sich der Leiter des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim, Reinhard Hüßner, nicht erklären. Bei der Mitgliederversammlung konnte er seinen Vereinskollegen jedenfalls einen Bauplan aus dem Jahr 1830 präsentieren.
Aufgetaucht waren die Dokumente bei der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen in München. Wohl wissend, dass die Mönchsondheimer rege Archivforschung betreiben, hat sich die Landesstelle an Hüßner gewandt. Überrascht, aber erfreut hat er die Pläne in Augenschein genommen.
Die um 1840 abgebrochene Zehntscheune stand schräg gegenüber dem historischen Rathaus und hatte auf der Nordseite einen kleinen Anbau - das Narrenhaus oder Dorfgefängnis. Das Areal der Scheune umfasste teilweise das erhaltene, alte Schulhaus sowie ein Wohnhaus, an dem das Baujahr 1842 abzulesen ist. An der Ausführung des Fachwerks wird ersichtlich, dass ein Teil des Gebäudes um 1500 entstanden sein dürfte, Anbauten folgten später. Insgesamt lag wohl eine Gebäudelänge von etwas 22 Metern vor.

Die nächste Renovierung ist fällig


Hüßner stellte bei der Mitgliederversammlung auch die Neukonzeption des Museums vor, die aus Mitteln des Bezirks und Leader+ finanziert wird und für die derzeit bereits Ausschreibungen laufen. "Das Ziel ist, weniger zu zeigen und doch mehr daraus zu machen", beschrieb Hüßner das Vorhaben. In den Themengaden soll kein Sammelsurium vorhandener Stücke mehr gezeigt werden, sondern es sollen vor allem Situationen dargestellt werden. Die Neukonzeption wird vollständig aus Fremdmitteln finanziert. Das bisherige Konzept stammt von 1977, als die Renovierung begann, und entstand bis 1981 zur Museumseröffnung. Inzwischen ist die Kirchenburganlage aber wieder renovierungsbedürftig.
Bei Forschungen über ein dentrochronologisches Gutachten fanden sich die ältesten Teile der Kirchenburg aus dem Jahr 1350 in der Schmiede. "In den Jahren 1699, 1707 und 1736 wurde die Kirchenburg überbaut und erneuert", berichtete Hüßner. Die Ursache für die damals 37 Jahre andauernden Arbeiten sei unbekannt. Historisch erforscht steht fest, dass die Kirchenburg vor dem heutigen Zugang um 1500 einen Wassergraben erhielt. Dieser Graben zog sich als Trockengraben um die gesamte Anlage.

Fehlender Wirt bereitet Sorgen


Der Museumsleiter bedauerte, dass die Museumsschänke derzeit geschlossen ist. Der Kirchenburgverein ist intensiv auf der Suche einer Lösung, denn die notwendige bauliche Sanierung der Kellergewölbe mit hohen Kosten und fehlende Erweiterungsmöglichkeiten müssten zusammengebracht werden. Mit nur 51 Plätzen sei die Schänke zu klein für Busse, die heute meist 60 Personen bringen. Ein Museum ohne Bewirtung sei aber auch keine Lösung.
Das letzte Museumsjahr verlief mit rund 20 000 Besuchern überaus erfolgreich. Dabei erwies sich die Ausstellung "Jetzt schlägt's 13" als die bislang erfolgreichste. Die vor vier Jahren eingerichtete Freizeitbuslinie "Kirchenburgexpress" bringt nach Erhebungen von Professor Dr. Konrad Schliephake von der Universität Würzburg rund 200 000 Euro in den Landkreis.
Im laufenden Museumsjahr sind die Wiedereröffnung der Milchsammelstelle von 1955 und des Gefrierhauses von 1950 vorgesehen. Neu in der Gerätesammlung im Bereich Bauernmuseum ist ein Mähdrescher Glas Columbus aus den 60er Jahren.
Für das Motivationsgeschick und den Ideenreichtum Hüßners fand Landrätin Tamara Bischof (FW) durchweg lobende Worte, in die sie auch die Mönchsondheimer Bürger einschloss. Die nämlich stünden hinter "ihrem" Museum.