Volkach
Katastrophe

"Sandy" schockt Austauschstudentin aus Volkach

Johanna Konrad lebt seit Juli in Staten Island im US-Bundesstaat New York. Der Wirbelsturm hat auch in ihrem College, bei Freunden und Verwandten ein Chaos hinterlassen. Jetzt geht es ans Aufräumen.
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Johanna mit einem Fußballkollegen im Stadion ihrer Mannschaft, der Seahawks.  Fotos: privat
Johanna mit einem Fußballkollegen im Stadion ihrer Mannschaft, der Seahawks. Fotos: privat
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So hatte sich Johanna ihren Aufenthalt in New York sicherlich nicht vorgestellt - aber welcher deutsche Teenie kann das schon? Die Ausmaße, die Naturkatastrophen in den letzten Jahren gerade auch in den USA angenommen haben, sind der Volkacherin gänzlich unbekannt. "Wir haben den ganzen ersten Tag im Haus verbracht, man konnte nicht nach draußen gehen", erinnert sich die Schülerin an den 29. Oktober, an dem Wirbelsturm "Sandy" so richtig über den Bundesstaat an der Ostküste fegte. "Richtig angefangen hat es aber erst gegen Abend. Um 21 Uhr ist der Strom ausgefallen - gut, dass wir einen Gasherd hatten."


Ein Bild der Verwüstung

Johanna war mit ihrem Fußball-Team in Pennsylvania unterwegs, als sie hörte, dass "Sandy" unterwegs ist. Der Uni-Campus war schon komplett evakuiert, als die Sportler dorthin zurückkehrten. "Alle, die konnten, sollten den Campus dann verlassen. 60 Leute haben dann in einer Turnhalle schlafen müssen." Johanna hatte Glück und kam bei einem Onkel in Staten Island unter. Erst am Dienstag wagte sie sich wieder aus dem Haus - und fand ein Bild der Verwüstung vor. "Wir haben festgestellt, dass wir echt Glück hatten, da viele Bäume umgeknickt oder sogar mitsamt der Wurzel ausgerissen waren", schildert sie ihre Eindrücke.

"Es war ganz komisch, weil wir keine Ahnung hatten, was los ist - es gab ja immer noch keinen Strom." Erst einen Tag später konnte sie zu Hause in Volkach Entwarnung geben. Bis dahin war das Haus des Onkels richtig voll geworden: Ihre Cousine aus der Stadt war mit ihrem Mann in den Vorort geflüchtet - dort zeigte sich die Situation noch um einiges verschärfter, so ohne Strom und dazu noch ohne Wasser. "Wir haben uns die Zeit mit Kartenspielen vertrieben."

Handy und Laptop laden

Am Abend waren die Stromleitungen wieder so weit hergestellt, dass die Haushalte versorgt werden konnten. "Wir haben dann erst einmal Nachrichten geschaut und gemerkt, wie abhängig wir eigentlich von der Technik sind." Und es kam noch mehr Besuch: Zwei Freundinnen wollten ihre Laptops und Handys laden.

Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt und die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. "Es liegen noch etliche Bäume, Äste und Blätter herum", erzählt Johanna. "Viele Leute haben auch noch immer keinen Strom." Und das könnte noch bis Thanksgiving so bleiben, vermutet sie. Da wird wohl der ein oder andere Truthahn weniger serviert werden... Zu allem Überfluss fielen auch noch 20 Zentimeter Schnee. "Ich mag Schnee. Aber gerade die Menschen, deren Häuser zerstört wurden, haben mir wirklich Leid getan."

Liebeserklärung an die Heimat

So blieb den meisten Amerikanern gar nichts anderes übrig, als zu sparen - auch, was das Benzin anging. "Teilweise standen an den wenigen, offenen Tankstellen hunderte Autos an und die Fahrer warteten bis zu drei Stunden, bis sie ihre Wagen auftanken konnten."

Inzwischen kehrt der Alltag wieder ein - zumindest bei Johanna. "Diese Woche sind noch einmal ein paar Stunden ausgefallen, aber die Normalität kommt wieder."Jetzt kann sich Johanna ungetrübt auf ihren Heimatbesuch in Deutschland freuen. Vier Wochen sind es noch bis zum Heimflug. "Ich vermisse meine Familie und meine Freunde total", gibt sie zu - das Durcheinander rund um Hurricane Sandy hat ihr das nur noch mehr vor Augen geführt.

Johanna lebt seit Mitte Juli in Staten Island und besucht dort das Wagner College. Nach dem Schulabschluss wollte sie eigentlich nur für ein Jahr in die USA gehen, bekam dann aber als Bundesliga-Fußballerin ein Sportstipendium für vier Jahre. Mit der finanziellen Unterstützung im Rücken arbeitet Johanna jetzt an ihrem Bachelor. Im Sommer und in der Weihnachtszeit kommt sie in die Heimat - und freut sich schon auf das fränkische Essen und die schöne Umgebung. red/ljr
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