NORDHEIM

Sandabbau in der Au zieht Kreise

Der Widerstand gegen den Sandabbau in der Nordheimer Au zieht Kreise. In Köhler stemmt sich eine Initiative gegen die Pläne. Die Regierung von Unterfranken zeigt Skepsis.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Widerstand gegen den Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au zieht Kreise. Die haben sich so weit ausgedehnt, dass die Regierung von Unterfranken über ein Raumordnungsverfahren für das Vorhaben auf neun Hektar Fläche am Altmain nachdenkt. Einer der Gründe könnte der kleinste Volkacher Ortsteil sein, Köhler. Das Dorf liegt nur rund 150 Meter vom geplanten Abbau weg – viele Menschen aus Köhler fürchten den Lärm. „Profit mit Sand zerstört unser Land“ – diese und weitere Kritik am Sandabbau auf der anderen Mainseite findet sich auf Transparenten an einigen Stellen im Ort mit seinen rund 40 Einwohnern. Deren Sprachrohr ist eine Initiative, die sich gegen die Pläne der Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) in der Au stemmt. Und damit nicht alleine ist. Bis auf Sommerach lehnt die Mainschleife das LZR-Vorhaben ab. Bei Köhler ist der Kampf gegen die Pläne gut nachvollziehbar: Keiner ist näher dran am geplanten Sandabbau. Nur 150 Meter und der Main trennen den Ort von der Au. Da seien die Grenzwerte für den Abbaulärm und täglich 40 Lasterfahrten nicht einzuhalten, sagt Uwe Schindler, ein Sprecher der Initiative. Schindler macht sich – wie auch viele Nordheimer – Sorgen um den Tourismus, wenn Staub und Lärm die Main-Au belasten. Tiefes Misstrauen prägt auch die Meinung der Initiative zu den LZR-Genehmigungsunterlagen. Da sei die Hochwasserlinie falsch, es fehlten Angaben dazu, wo der Sand gewaschen werde („Wenn das Astheim ist, wäre ein Raumordnungsverfahren nötig.“), und beim Naturschutz sei die von LZR behauptete Artenarmut in der Au weit weg von der Realität, so Schindler. Ob das aufwändige Raumordnungsverfahren kommt, ist bei der Regierung noch nicht entschieden: „Wir warten die erste Anhörung ab“, sagt Abteilungsleiter Weidlich. Allerdings hat die Behörde einige Schwächen in den LZR-Unterlagen entdeckt. Es fehlten Details zum Artenschutz, zum Emissionsschutz (Köhler) und zudem müssten „Ungenauigkeiten“ bei der Hochwasserlinie korrigiert werden, erklärt Weidlich. Der Ball in Sachen Genehmigung liegt noch beim Kitzinger Landratsamt. Und auch hier sieht man einigen „Nachbesserungsbedarf“ bei LZR, wie Michael Körber, Abteilungsleiter Baurecht informiert. Behördliche Fragezeichen stehen über der Natur in dem Streuobstgebiet in der Au, wo LZR auf neun Hektar (sieben Hektar für den Abbau) graben will. Die Firma hat das Areal mehrfach als artenarm deklariert, die Naturschutzbehörde im Landratsamt hat da laut Körber eine andere Sicht: „Aus Artenschutzsicht ein sehr bedeutsames Gebiet.“ Zweifel an dem von LZR beauftragten Naturschutzgutachten und der Bewertung des geplanten Abbaugebiets hat auch Björn Schotta von der Bürgerinitiative Nordheimer Au. Angesichts eigener Beobachtungen und der von Mitgliedern der BI seien die geringen Sichtungen der Gutachter – beispielsweise bei Zauneidechsen – oder die angebliche Artenarmut bei Insekten unverständlich. Zauneideidechsen seien weiträumig im Gebiet unterwegs, bei den Vögeln sei er sogar auf fünf Brutstätten des seltenen Wiedehopfs gestoßen und bei den Insekten seien wohl die Wildbienen, Bläulinge oder Libellen teilweise dem Auge der Gutachter entkommen. Es gebe in der Au viele Tiere, Insekten und Pflanzen, die zum Aussterben tendierten, so Schotta. Dazu passt auch die Feststellung im Landratsamt: Die Au sei ein Lebensraum „mit besonderem Entwicklungspotenzial für die Sicherung geschützter Arten“, so Körber. LZR plant hier für zehn Jahre den Abbau im Gelände zwischen Radweg und Altmain über einen Zeitraum von zehn Jahren. Auch hier gibt es Zweifel. Vor allem in Volkach, wo die Abbaugebiete in Astheim und Fahr eigentlich seit vielen Jahren beendet und renaturiert sein müssten. Umso unverständlicher ist es für viele Menschen in Köhler, dass vor ihrer Haustüre das nächste „Loch“ in die Natur gegraben werden soll. Schindler: „LZR hat noch genügend Gruben offen, die sie ausbeuten können.“ Foto: Foto: Frank Kupke
+2 Bilder
„LZR hat noch genügend Gruben offen, die sie ausbeuten können.“
Uwe Schindler Initiative in Köhler

Der Widerstand gegen den Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au zieht Kreise. Die haben sich so weit ausgedehnt, dass die Regierung von Unterfranken über ein Raumordnungsverfahren für das Vorhaben auf neun Hektar Fläche am Altmain nachdenkt.

Einer der Gründe könnte der kleinste Volkacher Ortsteil sein, Köhler. Das Dorf liegt nur rund 150 Meter vom geplanten Abbau weg – viele Menschen aus Köhler fürchten den Lärm.

„Profit mit Sand zerstört unser Land“ – diese und weitere Kritik am Sandabbau auf der anderen Mainseite findet sich auf Transparenten an einigen Stellen im Ort mit seinen rund 40 Einwohnern. Deren Sprachrohr ist eine Initiative, die sich gegen die Pläne der Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) in der Au stemmt. Und damit nicht alleine ist. Bis auf Sommerach lehnt die Mainschleife das LZR-Vorhaben ab.

Bei Köhler ist der Kampf gegen die Pläne gut nachvollziehbar: Keiner ist näher dran am geplanten Sandabbau. Nur 150 Meter und der Main trennen den Ort von der Au. Da seien die Grenzwerte für den Abbaulärm und täglich 40 Lasterfahrten nicht einzuhalten, sagt Uwe Schindler, ein Sprecher der Initiative. Schindler macht sich – wie auch viele Nordheimer – Sorgen um den Tourismus, wenn Staub und Lärm die Main-Au belasten.

Tiefes Misstrauen prägt auch die Meinung der Initiative zu den LZR-Genehmigungsunterlagen. Da sei die Hochwasserlinie falsch, es fehlten Angaben dazu, wo der Sand gewaschen werde („Wenn das Astheim ist, wäre ein Raumordnungsverfahren nötig.“), und beim Naturschutz sei die von LZR behauptete Artenarmut in der Au weit weg von der Realität, so Schindler.

Ob das aufwändige Raumordnungsverfahren kommt, ist bei der Regierung noch nicht entschieden: „Wir warten die erste Anhörung ab“, sagt Abteilungsleiter Weidlich. Allerdings hat die Behörde einige Schwächen in den LZR-Unterlagen entdeckt. Es fehlten Details zum Artenschutz, zum Emissionsschutz (Köhler) und zudem müssten „Ungenauigkeiten“ bei der Hochwasserlinie korrigiert werden, erklärt Weidlich.

Der Ball in Sachen Genehmigung liegt noch beim Kitzinger Landratsamt. Und auch hier sieht man einigen „Nachbesserungsbedarf“ bei LZR, wie Michael Körber, Abteilungsleiter Baurecht informiert. Behördliche Fragezeichen stehen über der Natur in dem Streuobstgebiet in der Au, wo LZR auf neun Hektar (sieben Hektar für den Abbau) graben will. Die Firma hat das Areal mehrfach als artenarm deklariert, die Naturschutzbehörde im Landratsamt hat da laut Körber eine andere Sicht: „Aus Artenschutzsicht ein sehr bedeutsames Gebiet.“

Zweifel an dem von LZR beauftragten Naturschutzgutachten und der Bewertung des geplanten Abbaugebiets hat auch Björn Schotta von der Bürgerinitiative Nordheimer Au. Angesichts eigener Beobachtungen und der von Mitgliedern der BI seien die geringen Sichtungen der Gutachter – beispielsweise bei Zauneidechsen – oder die angebliche Artenarmut bei Insekten unverständlich.

Zauneidechsen seien weiträumig im Gebiet unterwegs, bei den Vögeln sei er sogar auf fünf Brutstätten des seltenen Wendehals gestoßen und bei den Insekten seien wohl die Wildbienen, Bläulinge oder Libellen teilweise dem Auge der Gutachter entkommen. Es gebe in der Au viele Tiere, Insekten und Pflanzen, die zum Aussterben tendierten, so Schotta. Dazu passt auch die Feststellung im Landratsamt: Die Au sei ein Lebensraum „mit besonderem Entwicklungspotenzial für die Sicherung geschützter Arten“, so Körber.

LZR plant hier für zehn Jahre den Abbau im Gelände zwischen Radweg und Altmain über einen Zeitraum von zehn Jahren. Auch hier gibt es Zweifel. Vor allem in Volkach, wo die Abbaugebiete in Astheim und Fahr eigentlich seit vielen Jahren beendet und renaturiert sein müssten. Umso unverständlicher ist es für viele Menschen in Köhler, dass vor ihrer Haustüre das nächste „Loch“ in die Natur gegraben werden soll. Schindler: „LZR hat noch genügend Gruben offen, die sie ausbeuten können.“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.