Wiesentheid

Salatfabrik wächst den Gemeinderäten über den Kopf

Im Streit um den Bau der Salatzuchtanlage hat sich der Bauernverband eingeschaltet. Er fürchtet um die Familienbetriebe in der Region. Der Stadtrat fühlt sich überfordert.
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So könnte die geplante Salatzuchtanlage bei Wiesentheid in fertigem Zustand aussehen. Die Zeichnung zeigt die Anlage noch auf Basis des zuerst angedachten Standorts am Sportplatz von Wiesentheid in Richtung Untersambach. Foto: Deliscious

Die Bauvoranfrage für ein  Salatgewächshaus beschäftigte die Wiesentheider Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung erneut. Das Gremium entschied nach einer längeren Debatte, den Punkt von der Beratung abzusetzen, nachdem Ratsmitglied Walter Rosentritt (Reupelsdorfer Liste) einen Antrag dazu gestellt hatte. Seine Begründung lautete, dass das Thema Dimensionen annehme, bei denen er sich als Gemeinderat "zu klein und überfordert fühle, um das zu entscheiden". Er wünsche, dass Behörden, wie das Amt für Landwirtschaft, oder das zuständige Ministerium eine Stellungnahme zu dem Thema abgäben.

Wie mehrfach berichtet, möchte ein holländisches Gartenbauunternehmen auf insgesamt etwa 17 Hektar Fläche auf Wiesentheider Gemarkung ein Salatgewächshaus errichten. Rund zehn Hektar davon  sollen unter Glas stehen. Der Salat soll in geschlossenen, klimatisierten Zellen unter LED-Beleuchtung wachsen, wie es die Betreiber kürzlich bei einem Informationsabend vorstellten. Vieles spreche aus Sicht der holländischen Firma für den Standort Wiesentheid, wo mit dem Haus Schönborn ein Grundbesitzer seine Fläche zur Verfügung stellen würde.

Bauernverband lehnt Großprojekt ab

Erst kurz vor der Sitzung hatte der Bayerische Bauernverband eine Stellungnahme an die Gemeinde und die Räte herausgegeben, in dem die Dimension des Vorhabens verdeutlicht wurde. Darin heißt es etwa, dass die bereits vorhandenen Kapazitäten im Nürnberger Raum von 18 000 Quadratmeter ausreichten, um den Bedarf des gesamten bayerischen Marktes abzudecken. In Wiesentheid würden 100 000 Quadratmeter Anbaufläche entstehen, was sechsmal so groß wäre.

"Die Folge wäre ein fataler Verdrängungswettbewerb für den gesamten bayerischen Markt, der zu Lasten von vielen, seit Generationen existierenden, bayerischen Familienbetrieben gehen würde", heißt es in dem Schreiben des Bauernverbands, der das Vorhaben "mit allergrößter Sorge" verfolgt. Zudem befürchte man einen Präzedenzfall, der weiteren ähnlichen Projekten als Türöffner dienen würde. Der Bauernverband möchte stattdessen lieber hiesige Betriebe und Genossenschaften erhalten und somit eine regionale Lebensmittelproduktion.

Fachstellen sollen sich äußern 

Das ließ die Räte nachdenken, die zudem bemängelten, dass sie kaum Zeit zum Lesen der erst am Sitzungstag eingegangenen Schriften hatten. Er möchte nicht die Zerstörung der Existenz vieler Kleinbetriebe auf seine Kappe nehmen, argumentierte Gemeinderat Rosentritt. "Es hat eine Dimension angenommen, die uns über den Kopf wächst", stellte auch Michael Rückel (Bürgerblock) fest. Man brauche dazu erst einmal eine breitere Basis.

Ihm pflichtete Otto Hünnerkopf (CSU) bei. Das Schreiben des Bauernverbandes "schockt mich. Ich möchte nicht, dass ganze Strukturen, die wir als regional bezeichnen, verloren gehen." Täglich würden die Räte mit neuen Aspekten zum Thema Salat konfrontiert. Er wolle eine wertende Stellungnahme von der Regierung, von den Fachbehörden. Die Mehrheit im Gremium sah das genauso und vertagte den Punkt mit dem Bauantrag zur Salatzucht.

Naherholungsgebiet als Gegenargument

Damit hingen weitere Tagesordnungspunkte zusammen, wie etwa die "Beratung über ein Naherholungsgebiet Untersambacher Straße". Dort befindet sich einer der ins Visier genommenen Standorte für das Großprojekt, jedoch will das die Gemeinde nicht an dieser Stelle. Zudem hatte Bürgermeister Werner Knaier auch die erneute Änderung  des Flächennutzungsplanes mit aufs Programm genommen. Das hänge ebenso mit dem Punkt Salatgewächshaus zusammen, meinten die Räte.

Außerdem monierten sie, dass es ihnen nicht möglich gewesen sei, in der kurzen Zeit die 75-seitigen Anregungen der öffentlichen Stellen zu lesen. Vom Flächennutzungsplan hänge vieles ab, wie es mit Wiesentheid in den nächste Jahren weiter gehe, gebot Gemeinderat Michael Rückel. Nicht nur er habe vor lauter Papier und E-Mails in den letzten Tagen die Übersicht verloren, meinte er. Sein Kollege Erwin Jäger forderte den Bürgermeister auf, eine Sondersitzung einzulegen, um das zu beraten. Man schiebe einen ganzen Berg von wichtigen Themen vor sich her, so Jäger.

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