Mainbernheim
Ehrenamt

Robert Neußner blickt auf lange Amtszeit zurück

Fast 40 Jahre ist Robert Neußner Kreisvorsitzender für Obst-, Gartenbau und Landschaftspflege im Landkreis Kitzingen. Nun ist Schluss damit. Bei einem Spaziergang durch seinen Garten denkt er an eine aufregende Zeit zurück.
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Er nascht von Bäumen, die viele gar nicht mehr kennen. Die Mispeln in seinem Garten seien jetzt erst, nachdem sie vom ersten Frost überzogen waren, richtig lecker.  Fotos: Tom Müller
Er nascht von Bäumen, die viele gar nicht mehr kennen. Die Mispeln in seinem Garten seien jetzt erst, nachdem sie vom ersten Frost überzogen waren, richtig lecker. Fotos: Tom Müller
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Probieren Sie die mal hier." Was Robert Neußner da pflückt, prüft und sich in den Mund steckt, sieht aus wie eine vertrocknete Birne, die nicht richtig zur Frucht reifen konnte. "Hmm, jetzt sind die Mispeln einfach wunderbar." Damit wäre dann also auch das Rätsel gelöst, um welche Köstlichkeit vom Baum es sich da handelt.
Geht man mit dem 75-Jährigen durch seinen Garten, oder wie er es nennt: "durch mein grünes Wohnzimmer", dann gerät der Ausflug in die Natur zum Biologie-Unterricht, wie man ihn sich immer gewünscht hat. "Hier ist das Insekten-Hotel und da hab ich die Hecke so angelegt, dass unsere heimischen Arten ihr Winterquartier aufschlagen können". Er vermittelt Natur zum Anfassen. Man staunt, was er alles sieht und sichtbar machen kann. In diesen Augenblicken versteht man, wieso der gebürtige Würzburger so lange im Amt war. Einen größeren Glücksfall konnte es für die Position des Kreisvorsitzenden der Obst- und Gartenbauvereine (OGV) im Landkreis Kitzingen wohl nicht geben. Dieser Naturbursche hat eine Mission und er hat sie zweifellos erfüllt.
So spannend wie er über die Natur berichtet, gerät auch sein Rückblick auf die von ihm geleistete Arbeit. Angefangen hatte alles tatsächlich in seinem eigenen Garten. 1967 hatte er sein Haus in Mainbernheim gebaut und den Garten anlegen wollen. "Der Obst- und Gartenbauverein hat mir damals sehr geholfen", erzählt er mit einem Lächeln. Von da an ließen sich beide nicht mehr los. In dieser Zeit waren die Landräte automatisch Vorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine. Neußner wurde damals in den Vorstand im Altlandkreis gewählt und war nach der Gebietsreform maßgeblich damit beauftragt, die Vereine aus den Landkreisen Gerolzhofen und Scheinfeld in den Kreisverband Kitzingen zu integrieren. Als der damalige Landrat Oskar Schad sein Amt aufgab, wurde Neußner zum 1. Kreisvorsitzenden gewählt, insbesondere auch deshalb, "weil der neue Landrat Dr. Rolf Bauer kein Interesse an diesem Amt hatte und mich vorschlug".
800 Mitglieder hatte der Kreisverband zu dieser Zeit. "Heute sind es 2800 Mitglieder", berichtet Neußner nicht ohne Stolz, zumal der Anfang eine extrem schwere Zeit gewesen sei. "Dank der Flurbereinigung musste die kleinstrukturierte bäuerliche Fläche verschwinden". Neußner schüttelt immer noch den Kopf, wenn er aus dieser Epoche erzählt. "Wir hatten mal 400 000 Obstbäume an der Mainschleife, außerdem die Bühler Zwetschgen", schwärmt er. "Das Obst ist bis nach England exportiert worden. Der ganze Landkreis war ein einzigartiger Obstgarten".

Den Vereinen neue Ziele geben

Mit dem Wirtschaftswunder kam plötzlich Obst aus Übersee nach Deutschland. "Damit war den Vereinen fast die Grundlage entzogen worden", seufzt er. Es galt, neue Herausforderungen zu suchen. "Die fanden sich dann in der Ortsverschönerung", berichtet der einstige Lehrer. Das neue Ziel wurde schnell mit Leben gefüllt. Blumenschmuck-Wettbewerbe und Aktionen wie "Unser Dorf soll schöner werden" oder der "Tag der offenen Gartentür" wurden mit großem Engagement von ihm und seinen Helfern vorangetrieben. Mitte der 70er Jahre bekam Neußner mit Theo Thyrian einen Kreisfachberater an die Seite gestellt, der ihn in seiner Arbeit unterstützte. "Schlafende Ortsvereine konnten wieder mit Leben gefüllt werden", erzählt Neußner. Heute sind im Kreisverband 25 Ortsvereine, in denen sich Menschen für ihre Heimat engagieren.
"Auf Thyrian folgte Bärbel Faschingbauer. Sie hat die Jugend wieder begeistert", erzählt Neußner. Aktuell bieten sechs Ortsvereine im Landkreis das gesamte Jahr über ein Programm für Kinder und Jugendliche, aus Neußners Sicht ein wichtiger Fortschritt. "Wir müssen die Kinder spielerisch an die Natur heranführen. Der Mensch lebt schließlich nicht vom Computer allein".
Das Highlight seiner Arbeit war aber die Kleine Gartenschau in Kitzingen. Wieder lobt er die Arbeit der anderen, in diesem Fall die der Kreisfachberaterin Mechthild Engert. Im Rückblick sieht er Arbeit im Verband immer als Arbeit im Verbund mit anderen: "Einer allein könnte das nie bewerkstelligen, was wir geschaffen haben", resümiert er. "Hier nehmen Menschen Verantwortung für sich und ihre Umwelt wahr. Die Anregungen, die ich geben konnte, sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Dafür bin ich dankbar."
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