Reupelsdorf
Bauarbeiten

Reupelsdorf kämpft mit der Baustelle an der B22

Durch Reupelsdorf fährt bis Ende nächsten Jahres vor allem schweres Gerät - für eine Ortsbegehung ist aber genug Platz.
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Der momentan neuralgische Punkt: Am Ortseingang von Düllstadt kommend laufen die Straßenbaumaßnahmen derzeit auf Hochtouren, die Durchfahrt ist komplett gesperrt. Einzig die Zufahrt zur Tankstelle bleibt geöffnet. Fotos: Riegler
Der momentan neuralgische Punkt: Am Ortseingang von Düllstadt kommend laufen die Straßenbaumaßnahmen derzeit auf Hochtouren, die Durchfahrt ist komplett gesperrt. Einzig die Zufahrt zur Tankstelle bleibt geöffnet. Fotos: Riegler
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Warum sollte es in Reupelsdorf anders sein? Nach dem Pressetermin haben Bürgermeister Dr. Werner Knaier und Oswald Bader, eines von fünf Mitgliedern der Teilnehmergemeinschaft des Ortsteils, noch einen schweren Gang anzutreten. Eine Bürgerin hat genug. Genug vom Staub, vom Lärm, von den Umständen, die die Straßenbaumaßnahmen an der Ortsdurchfahrt mit sich bringen - obwohl sie nicht einmal direkt an der B 22 wohnt.

Dafür aber an einem Schleichweg, den einige Ortskundige ausfindig gemacht haben. Sie droht damit, die Polizei einzuschalten, will so verhindern, dass der Weg als "Umfahrung" genutzt wird. Das ist einerseits verständlich, stößt aber andererseits auf Gegenwehr auch bei ihren Mitbürgern.

Unter denen sind viele, die sich eigentlich selbst beschweren könnten. Diejenigen, die in der Hauptstraße wohnen und damit seit Anfang Juli direkt neben Bagger, Radlader und Laster. Oder diejenigen, die gar in ihrer Existenz bedroht werden könnten. Wie die Familie Stöckinger, die direkt am Ortseingang von Düllstadt kommend eine Tankstelle und Autowerkstatt betreibt. Die einzige Möglichkeit, aus Richtung Wiesentheid an ihre Tankstelle zu gelangen, geht eben über den Weg, der nun von der Anliegerin quasi privat überwacht wird. Aufregen wollen sich die Stöckingers trotzdem nicht - es kommen ja auch wieder andere Zeiten.

Neuer Ortsmittelpunkt als Entschädigung

Denn auch das wird in Reupelsdorf genauso sein wie in vielen anderen Ortschaften, deren Kanal- und Straßennetz erneuert werden musste. Dazu kam in vielen Fällen noch eine komplette Dorf- oder Ortserneuerung - wie zum Beispiel in Schwarzach, Dettelbach oder Feuerbach. Dort präsentierten die Anwohner zum Kreisheimattag gerade ganz stolz ihren neuen Ortsmittelpunkt - und die Strapazen der Bauphase schienen fast vergessen.

Leidensfähig müssen sie nämlich schon sein, die Bürger dieser Ortschaften - und dazu auch noch die Pendler. Gut 3300 Fahrzeuge fahren täglich auf der B22 durch Reupelsdorf, das hat die letzte Messung ergeben. Wer aus Laub kommt und in Richtung Würzburg will, muss umdrehen, oder gleich die Umleitung über Volkach nehmen. Das ist freilich eine Umstellung, kostet einige Kilometer und viele Minuten mehr. Aber es geht eben nicht anders.

Als das Staatliche Bauamt die Marktgemeinde Wiesentheid darüber informierte, dass das Reupelsdorfer Stück der B22 erneuert werden muss, nutzte Bürgermeister Werner Knaier mutig die Chance und wendete sich direkt ans Amt für ländliche Entwicklung - im Zuge des Straßenausbaus konnte man doch gleich die Dorferneuerung anpacken. Und dazu am besten noch das Stück Kanal sanieren, dass nach wie vor in seinem Urzustand vor sich hinschlummert.

Kein Weg führt vorbei

An diese Mammutaufgabe hatte sich bisher noch keiner wirklich herangetraut - auch weil in der Ortsmitte, nahe der Kirche und dem ehemaligen Krämerladen Keilholz, mehrere Landwirte ihre Anwesen haben. Die müssen regelmäßig aus den und in ihre Höfe fahren - da könnte möglicherweise wieder neuer Ärger vorprogrammiert sein. An der Maßnahme führt aber kein Weg mehr vorbei - im wahrsten Sinne des Wortes. Seit einigen Tagen ist die Durchfahrt komplett gesperrt, bisher war sie einspurig durch eine Ampelanlage geregelt. Die "Anlieger frei"-Schilder werden von vielen Auswärtigen, gerade eben Berufspendlern, ignoriert.

Auch jetzt, in den frühen Vormittagsstunden, verirrt sich immer mal wieder ein Fahrzeug bis zum Ende der Fahrbahn, die noch das Abbiegen in Richtung Wiesentheid zulässt, nicht aber die Durchfahrt nach Düllstadt. Das erste Teilstück soll bis Ende des Jahres fertig gestellt sein, komplett mit durchgängig mindestens 1,50 Meter breiten Gehsteigen und der 6,50 Meter breiten Fahrbahn. Nach der Winterpause wird dann der Bereich vom Ortsschild Ausfahrt Richtung Düllstadt bis zur Abzweigung nach Wiesentheid fertig gestellt sein und das zweite Teilstück von diesem Punkt ab bis zur Kurve in Richtung Laub begonnen werden.

Die wird in diesem Rahmen gleich ein Stück weit mit entschärft. Dafür hat das Staatliche Bauamt das erste Gebäude rechter Hand der Ortseinfahrt gekauft, lässt es abreißen und begradigt die Straße.
Als Käufer fungierte auch die Gemeinde. Damit sich die Dorferneuerung, die mit rund 50 Prozent vom Amt für Ländliche Entwicklung übernommen wird, nicht nur auf Gehsteige und Straßenbau beschränkt, erwarb der Markt Wiesentheid das Anwesen rechts von der Kirche. Dort soll ein neuer Ortsmittelpunkt entstehen, wenn dieses teilweise abgerissen und der andere Teil saniert ist. Überhaupt hat der Bürgermeister sich zusammen mit seinen Räten da einiges vorgenommen: Auch an der Abzweigung nach Wiesentheid steht ein weitläufiges Gebäude, in dem ehemals einen Gastwirtschaft untergebracht war und das unter Denkmalschutz steht. Jetzt gehört er zumindest schon einmal der Gemeinde - wie es in Zukunft genutzt wird, ist bislang aber noch offen.

Auch Oswald Bader ist überzeugt, dass mit der Dorferneuerung ein wichtiger Schritt gegangen wurde. Er gehört zur Teilnehmergemeinschaft, deren Vorsitz Reiner Väth vom Amt für Ländliche Entwicklung übernommen hat und die aus fünf Reupelsdorfer Bürgern besteht. Diese Teilnehmergemeinschaft wird über sämtliche Vorgänge der Baumaßnahme ständig auf dem Laufenden gehalten und kann die Informationen dann direkt an die Reupelsdorfer Bürger weitergeben.

Oswald Bader und Werner Knaier haben aber trotzdem nicht nur solch schwere Gänge zu gehen wie an diesem sonnigen Vormittag. Die meisten Bürger sind sehr verständnisvoll, viele freuen sich schon richtig auf das Jahresende 2014, wenn alles fertig gestellt ist. Dann werden sie stolz ihr "neues" Dorf vorstellen und die Strapazen fast vergessen haben - warum sollte das in Reupelsdorf auch anders sein?
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