KITZINGEN

Reif für die Insel?

Der Vorsitzende des Fördervereins schlägt eine inhaltliche und räumliche Erweiterung des Kitzinger Stadtmuseums vor. Er will dabei auch die Mondseeinsel mit einbeziehen.
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So sehen sie aus, die Pläne des Fördervereins Stadtmuseum Kitzingen: Eine Erweiterung der Ausstellungsfläche auf die Mondsee-Insel und ingesamt vier neue Glasanbauten. Foto: Fotos: Falkenstein
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Seit September des letzten Jahres ist das Kitzinger Stadtmuseum geschlossen. Seit Ende Januar liegt den Stadträten das geforderte Neukonzept vor. In einer 120-seitigen Broschüre werden drei Varianten dargestellt. Eine Entscheidung ist trotzdem noch lange nicht in Sicht.

Nach mehreren Verlegungen wollen sich die Fraktionsvorsitzenden jetzt am 26. Juni zu einer Sondersitzung treffen. „Dann werden die nächsten Schritte beschlossen“, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Claudia Biebl, auf Anfrage. Ob eine Entscheidung über die Zukunft des Museums noch vor der Sommerpause fällt, kann sie nicht versprechen. „Es stehen ganz viele Optionen im Raum.“

Eine neue Option bringt jetzt der Förderverein Städtisches Museum ins Spiel. Eine inhaltliche und räumliche Ergänzung des Museums. Unter anderem ist an eine Erweiterung des Museums auf die Mondseeinsel gedacht. Dort könnten vor allem die Themen Weinhandelsstadt Kitzingen und Gartenbau Etwashausen präsentiert werden. Vier Glasanbauten sieht das Konzept von Professor Dr. Frank Falkenstein vor. Der Vorsitzende des Vereins hat die Ideen am 17. Mai an die Stadträte übersandt. Das Konzept kann durchaus als ambitioniert bezeichnet werden.

Ein Glasanbau ist am Durchgang zwischen Feuerwehr und B8-Brücke angedacht. Von dort könnte ein Museumssteg beginnen, der der Brücke über den Main zur Mondseeinsel folgt. Dieser Teil des Steges könnte überdacht oder zu Teilen überdacht werden. Besucher könnten dort mit Hilfe von mehreren großen Bildschirmen auf einen Museumsbesuch vorbereitet werden.

Am Ende dieses „Museumssteges“ führen nach den Plänen ein Aufzug und ein Treppenhaus hinunter zur Kitzinger „Museumsinsel“, wo die Besucher auf den ersten Museumspavillon treffen. Thema dort: Der Weinhandel in Kitzingen. In einem zweiten Raum könnte das Thema Weinbau im Kitzinger Land vermittelt werden. Die anschließenden Freiflächen könnten dazu genutzt werden, die verschiedenen Formen der Wein-Erziehung zu präsentieren.

In zwei weiteren Pavillons sieht das Konzept des Fördervereins eine bebilderte Dokumentation über die Geschichte des Gartenbaus in Kitzingen vor. Ein virtuelles Modell könnte die mittelalterlichen Gärten Kitzingens zeigen. Zuletzt könnten sich die Besucher über die Kitzinger Nutzpflanzen, deren Anbau und Pflege sowie über die klimatischen Grundlagen und die sozialen Hintergründe des Gartenbaus informieren.

Damit nicht genug der Ideen: Am Ende der Mondseeinsel kann sich Prof. Falkenstein ein Museumsschiff vorstellen, das dort vor Anker liegt. „Im Idealfall wäre es ein Segelschiff“, schreibt er in seinem Konzept. „Vom holländischen Typ „Samoreuse“, wie sie auf dem Main im 18. Jahrhundert unterwegs waren.“ Diese Schiffe ermöglichten es Kitzingen Mitte des 18. Jahrhunderts, in den globalen Welthandel einzutreten.

Kulturreferentin Dr. Brigitte Endres-Paul will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht über die vorgelegten Pläne und die Zukunft des Museums äußern. „So lange nichts spruchreif ist, werde ich keine Aussage zum Museum machen“, schreibt sie auf Anfrage. Auch Museumsleiterin Stephanie Falkenstein äußert sich nicht mehr gegenüber der Öffentlichkeit. Ansprechpartner für die Presse ist die Stabsstelle in Person von Claudia Biebl.

Das Museum ist im September 2018 geschlossen worden, Mitte Oktober haben sich Mitglieder des Kulturbeirats vor Ort umgeschaut. Im Januar sollte eine Sondersitzung stattfinden. Mittlerweile ist es Anfang Juni. „Es müssen viele Themen miteinander abgewogen werden“, erklärt Claudia Biebl die Zeitverzögerungen und versichert: Zum derzeitigen Zeitpunkt sei alles möglich.

„Museen müssen heute

gezielt neue Wege gehen und auch ein gewisses Unterhaltungs- und

Freizeitangebot bereit halten.“

Prof. Frank Falkenstein, Vorsitzender Förderverein

Das dürfte Professor Frank Falkenstein durchaus freuen. Seine Ideen würden das Stadtmuseum um einige Dimensionen erweitern. Dass die neueste Variante den bisherigen Rahmen sprengen würde, ist ihm bewusst. „Die Museumsleitung war ausdrücklich aufgefordert worden, frei von finanziellen Parametern ein Konzept in drei Varianten zu entwickeln“, erinnert er. Über die möglichen Kosten für seinen Vorschlag kann er naturgemäß keine genauen Angaben machen. Aber er hat sich Gedanken gemacht.

Sein Vorschlag: Um die Investitionskosten für den Bau des Museumspavillons, des Glasanbaus und des Museums-Stegs zu ermitteln, müsste über das Bauamt der Stadt eine Ausschreibung beziehungsweise ein Architektenwettbewerb ins Leben gerufen werden.

Um die Investitionskosten der Innenausstattung zu ermitteln, müsste zunächst ein Basiskonzept entwickelt werden, auf dessen Grundlage dann eine Projektierung durch entsprechende Fachfirmen stattfinden kann. Ein Basiskonzept könne vom Museum in Kooperation mit dem Förderverein kostenneutral entwickelt werden, versichert er. Falkenstein rechnet mit bis zu 20.000 Euro für die Projektierungskosten. Auf dieser Grundlage könnten dann die Investitionskosten der Innenausstattung berechnet werden.

Und das Freibad? Die Glasanbauten würden auf der Fläche entstehen, auf der sich bislang die Sonnenanbeter räkeln. Für den Vorsitzenden des Fördervereins kein Problem. Im Gegenteil: „Museen müssen heute gezielt neue Wege gehen und auch ein gewisses Unterhaltungs- und Freizeitangebot bereit halten“, sagt er. Daher spreche nichts dagegen, dass sich dieser Teil des Museums auch den Freibadbesuchern öffne – beispielsweise mit leicht zugänglichen, spannenden Mitmachstationen zu den Themen Wein- und Gartenbau im Außenbereich.

Zudem könnte man zwischen Museumsinsel und Schwimmbad auch ein zentrales Museumscafé mit Veranstaltungshalle einrichten, das sowohl den Freibad- als auch den Museumsbesuchern zur Verfügung steht. „Generell könnten Museumspavillons mit einem entsprechenden Angebot für einen Mehrwert der Schwimmbadbesucher sorgen“, ist Falkeinstein überzeugt.

Seine Hoffnung: Das Mondsee-Insel-Museum entwickelt sich zu einem Kultur- und Freizeitbrennpunkt, der sowohl für die neue Wohnbebauung am Main als auch für Besucher der Mainuferpromenade zu einem Magneten wird.

Vorher müsste allerdings der Stadtrat die Pläne gut heißen.

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