"Wumm!" Das Auto mit dem gelben Kennzeichen brettert schon wieder vorbei. Kinderlachen - die junge Familie streckt erleichtert die Beine aus dem vollgepackten Auto. Vorsicht! Der LKW fährt rückwärts! "Piep, piep. Guten Appetit." Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Urlauber, Geschäftsleute, Wochenendausflügler. Die Tische des Bistros sind besetzt. Eine Schlange von Menschen steht bis zur Tür. So schaut's zur Ferienzeit an der Raststätte Haidt aus.
Auch hinter der Theke geht es hektisch zu - allerdings haben die Mitarbeiter alles andere als Urlaub vor Augen. Auch Sabine Walther steht dort, kassiert. "Wir haben zwei Ausfälle, die müssen wir erst einmal ersetzen", sagt sie. "Zum Glück haben wir viele flexible Mitarbeiter. Und zur Not müssen wir uns eben selbst mal hinter die Kasse stellen." Sie gehört schon zum Inventar des vor 42 Jahren eröffneten Rasthofs Haidt Nord, seit 27 Jahren arbeitet sie als überregionale Tankstellenleiterin für Franz Distler und seine Söhne Benedikt und Franz-Josef. In den Stoßzeiten von Juni bis August sowie im Dezember und Januar ist sie am Rotieren. Einkauf, Personal, Abrechnung - die Aufgaben sind vielfältig und die Mitarbeiter (zu) knapp. "An einem starken Tag belege ich auch schon mal 400 Brötchen."

Fremde Sprachen und Kulturen


Deswegen findet man, gerade in den Schulferien, auch den Juniorchef immer mal wieder hinterm Tresen. Benedikt Distler hat seinem Vater Franz in den letzten Jahren viel Arbeit abgenommen - vor allem auch, seitdem die Raststätte Süd dem Familienunternehmen angegliedert wurde. Dort zählen neben den Aufgaben eines Geschäftsführers eben auch kassieren, Essen ausgeben und Smalltalk halten zur täglichen Arbeit - und seine Fremdsprachenkenntnisse kommen ihm durchaus zugute. "In den letzten Jahren habe ich mir ein bisschen Holländisch angeeignet", erklärt er, dass die Bürger aus dem Nachbarland mit am stärksten vertreten sind - schließlich liegt die Raststätte gut 400 Kilometer von der Grenze entfernt.
Nach etwa fünf Stunden im Auto gelangen sie nach Haidt - mit leerem Tank, leerem Magen und voller Blase. "Ich habe einmal einen verschlafenen, kleinen Jungen auf holländisch begrüßt. Da schaute er mit großen Augen seinen Vater an und fragte, ob sie immer noch in Holland sind." Auch japanisch beherrscht er, und ein bisschen türkisch. Da funktioniert es dann zwar noch mit der Sprache, etwas holprig wird es bei den Wünschen der Gäste. "Bevor Muslime essen, müssen sie ihre Füße waschen. Da drückt man halt mal ein Auge zu, wenn das im Kinderwaschbecken passiert und das halbe Bad unter Wasser gesetzt wird."
Als Raststättenpächter sollte man ein dickes Fell haben. "Autofahrer sind oft müde oder gereizt. Mit der Zeit lernt man aber, sie einzuschätzen", weiß Franz-Josef Distler. "Die Kunden müssen immer mit einem Lächeln gehen, dann kommen sie wieder." Der gelernte Hotelfachmann führt inzwischen die Raststätte Würzburg Nord und die Tankstellen Würzburg, unterstützt aber auch tatkräftig Vater und Bruder in Haidt. In den nächsten Wochen sieht es ganz danach aus.

15 000 Autofahrer in drei Tagen


Am vergangenen Wochenende machten 15 000 Menschen Rast in Haidt, aßen, tranken, kauften ein, verrichteten ihre Notdurft. Da waren sämtliche Schichten voll besetzt, und auch die Chefetage packte mit an. "Man muss das schon mögen, sonst macht man es nicht so lange", weiß Seniorchef Franz Distler. Für ihn ist es eine große Herausforderung, die steigende Zahl der Lkw, den vielen Müll oder die Service-Checks von Tank & Rast, Kontrollen des Gesundheitsamtes oder den ADAC-Raststättentest zu meistern - nicht umsonst würdigte Tank & Rast das Engagement 2009 mit der Auszeichnung Service Master. "Die Checks kommen vor allem unseren Kunden zugute," sagt der Chef ganz ruhig - auch wenn wieder Fahrzeuge mit einem donnernden "wrooosch" vorbeirauschen.

Weitere Informationen über Rastanlagen lesen Sie in unserer Ausgabe vom 14./15. Juli 2012.