RÖDELSEE

Raritäten für die Freunde des "Heiligen Bergs"

Nach einem Jahr Pause findet am 24. Juni wieder ein Schwanbergtag statt - mit spannenden Einblicken.
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Vom alten Spinnrad bis hin zur historischen Waage: Die Schwestern der Communität Casteller Ring (CCR) haben aussortiert. Dinge, für die es im Schloss und im Ordenshaus keine Verwendung mehr gibt, wollen Sr. Anja Waltemate und Sr. Marion Paula Täuber (Cellerarin der CCR) beim Schwanbergtag an den Mann und die Frau bringen. Der Erlös kommt der Kirchenrenovierung zugute. Foto: Foto: DIANA FUCHS
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Sie wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Das ist ihr oberstes Ziel für den neuen Schwanbergtag. Die Schwestern der Communität Casteller Ring (CCR) laden am Sonntag, 24. Juni, unter dem Motto „Begegnen – Feiern – Erleben“ zum ökumenischen Gottesdienst ein, zu Kreativ-Angeboten und zu einer Versteigerung alter Schwanbergsutensilien, zum Beispiel dreier Spinnräder, mehrerer Bilder, einer alten Waage und einer Kutscherlampe. Sr. Marion Paula Täuber, Geschäftsführerin der CCR, und Sr. Anja Veronika Waltemate sind derzeit eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Nach einem Jahr Pause findet heuer wieder ein Schwanbergtag statt. Was ist anders als früher?

Sr. Marion Paula: Der gesamte Festtag spielt sich in der St. Michaelskirche und drumherum ab. Wir wünschen uns, dass der Tag ein Begegnungstag wird, dass wir mit den Menschen ins Gespräch kommen, dass ein reger Austausch stattfindet. Der Kontakt ins Land ist uns wichtig.

Sr. Anja Veronika: Im Alltag gibt es ja oft keine Berührungspunkte, außer, wenn Gäste zum Beispiel mal den Klosterladen besuchen. Generell fragen sich, glaube ich, viele Menschen, was wir „da oben“ überhaupt so machen.

Sr. Marion: Ich habe das gemerkt, als ich mich in Iphofen zum Tennistraining angemeldet habe. Man kennt natürlich den Schwanberg im ganzen Umkreis. Aber was die CCR angeht, da haben die Menschen oft gar keine genaue Vorstellung. Da gibt es schon Informationsbedarf.

Dann ist zum Schwanbergtag jeder eingeladen?

Sr. Marion: Ganz genau. Wir Schwestern auf dem Schwanberg waren schon immer Vorreiter der Ökumene. Ich würde das sogar ausweiten: Nicht nur evangelische und katholische Christen, sondern auch Anders- oder Nichtgläubige können kommen.

Sr. Anja: Wirklich jeder, der Zeit und Lust hat, ist herzlich eingeladen. Sr. Marion: Wir werden den Besuchern das Ordenshaus und den Klausurbereich zeigen, unseren Tagesablauf erklären und natürlich alle Fragen beantworten, zum Beispiel, woher wir kommen und warum wir hier sind.

Und wie sind Sie hierher gekommen? Beziehungsweise warum?

Sr. Marion: Ich komme aus Thurnau in Oberfranken und war früher sehr aktiv in meiner Kirchengemeinde. Doch mit Anfang 30 ist mir immer klarer geworden: Das reicht mir nicht. Ich wollte mehr Raum haben für meine Seele. Zuerst habe ich dann bei den Schwestern in Selbitz die Osterfeiertage miterleben dürfen. Das hat mir sehr imponiert und gezeigt: Mein Weg ist nicht das bürgerliche Leben. Ich habe meinen Beruf als Kauffrau in der Industrie aufgegeben.

Sind Sie einfach mal auf den Schwanberg gefahren und haben sich alles angeschaut?

Sr. Marion: Nein, ich habe eine Mail geschrieben. Zur Antwort habe ich bekommen, dass Suchende im so genannten Südflügel einziehen und ein paar Wochen oder Monate in der Nähe der Gemeinschaft in einer kleinen Wohngruppe mitleben können, um zu sehen, ob es das Richtige für sie ist.

Und das haben Sie dann gemacht?

Sr. Marion: Ja. Ich weiß noch genau, wie ich mit meinem Köfferchen an dem weißen Tor stand, das den Schlossbereich damals noch abgegrenzt hat. Eine Südflügerlin hat mich hier abgeholt. Und in dem Moment, in dem ich durch das Tor durchgegangen bin, habe ich gewusst: Hier bleibe ich. Vorher hatte ich viel gegrübelt, aber ab diesem Augenblick war alles ganz klar.

Wie lange ist das jetzt her?

Sr. Marion: Es werden heuer zehn Jahre. Ich habe es keinen Tag bereut, hierher gekommen und in die CCR eingetreten zu sein.

Wie funktioniert denn so ein Eintritt in ein Frauenkloster?

Sr. Marion: Eigentlich genauso wie der Eintritt in ein Männerkloster. Erst kommt das Postulat, dann wird man Novizin und bereitet sich auf die zeitliche Bindung in der Ordensgemeinschaft vor. Am Ende dieser zweijährigen Zeit prüfen die Zeitliche-Profess-Schwester und die Gemeinschaft das Weitergehen zur Ewigen Profess.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie Teil einer Klostergemeinschaft sind?

Sr. Marion: Das Entscheidendste für mich ist, dass ich viermal am Tag alles liegen und stehen lassen kann und in der Kirche Zwiesprache mit „Ihm“ führen darf: um 6.30 Uhr, um 12 Uhr, um 18 Uhr und um 20 Uhr. Dieses mehrmalige Innehalten pro Tag ist ein großes Geschenk, ebenso wie die drei Eucharistiefeiern pro Woche. Gerade in Krisenzeiten hilft mir diese Beständigkeit.

In jeder Familie gibt es manchmal Streit. Wenn 33 Frauen auf engem Raum zusammenleben, kann das eigentlich nicht anders sein, oder?

Sr. Marion: Natürlich gibt es manchmal Reibereien, ganz klar. Jede von uns hat ihren individuellen Charakter, da kracht es schon mal. Aber die Gemeinschaft stärkt einen auch ungemein und trägt einen, wenn es einem schlecht geht. Wenn es ein ernsthaftes Problem gibt, sind wir ein unschlagbares Team. Ich glaube, jede von uns schätzt es sehr, dass sie in der CCR ihre ganz eigene Gottesbeziehung pflegen kann.

Sr. Anja: Für mich ist es einfach schön, mit Gott spürbar unterwegs zu sein, seine Gegenwart durchwebt das Alltägliche und das Besondere. Er ist meine Mitte, hier darf ich ganz Anja sein! Dieses Gefühl hat mir früher gefehlt.

Wie haben Sie vor dem Eintritt in die CCR gelebt?

Sr. Anja: Ich war in Hamburg für eine Internetagentur tätig, habe Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Hier kam die Verbindung zur Kirchengemeinde und zu geistlichem Leben wieder auf. In Jugendtagen war ich eher eine typische Ostern- und Weihnachten-Kirchgängerin…

Sr. Marion: …eine U-Boot-Christin sozusagen!

Sr. Anja: Ja. Aber ich war immer irgendwie auf der Suche. Freunde haben mir dann vor gut sieben Jahren von der Communität auf dem Schwanberg erzählt. Also habe ich gegoogelt. Und dann, wie Sr. Marion, einfach mal eine Mail geschrieben. So bin ich dann ebenfalls im Südflügel gelandet.

Hatten Sie auch gleich das Gefühl, hierher zu gehören?

Sr. Anja: Ich war schon ganz angetan von dem Ort, aber die Kirche erschien mir zuerst viel zu groß, zu weit. Ich habe mich nicht wohlgefühlt. Nach der ersten Nacht änderte sich das aber schnell. Ich habe dann noch einmal drei Monate im Südflügel mitgearbeitet – und dann den Postulatsantrag gestellt. Nach gut fünf Jahren habe ich heuer am Pfingstsonntag meine Ewige Profess gefeiert. Ich bin ich verantwortlich für die Friedwald-Organisation und die Begleitung der Trauernden.

Ähnlich wie Sie vor einigen Jahren, sind heute auch viele Menschen auf der Suche. Was sagen Sie diesen Menschen?

Sr. Marion: Dass es ganz viele unterschiedliche Wege gibt, Jesus nachzufolgen. Wichtig ist, dass man auf Augenhöhe mit den Menschen spricht, denen man begegnet. Wir von der CCR wohnen zwar auf dem Berg, stehen aber sonst nicht über anderen. Wir sind quasi Menschen zum Anfassen. Deshalb freue ich mich auch so auf den Schwanbergtag: auf die Begegnung mit den Menschen um uns herum.

24. Juni: Schwanbergtag

10 Uhr: Gottesdienst in der St. Michaelskirche.

11.45 bis 13.30 Uhr: Unter dem Motto „Raritäten für Liebhaber“ werden vor dem Ordenshaus besondere Gegenstände aus der Geschichte der CCR veräußert. Es sind Dinge, die viele Jahre im Ordenshaus oder im Schloss aufbewahrt wurden, für die aber eigentlich niemand mehr Verwendung hat. Der Erlös soll der Kirchensanierung zugute kommen. Wer mag, ist eingeladen, bei Ordenshausführungen Einblick in die Lebensweise und den sonst geschützten Klausurbereich der Schwestern, das Wohnhaus, kennenzulernen.

Ab 13 Uhr buntes Programm im Umkreis der Kirche: Wer will, kann „Perlen des Glaubens“ basteln oder unter Anleitung von CCR-Schwestern Meditations-Erfahrungen machen. Es gibt Impressionen/Bilder aus dem Leben der Communität zu betrachten und die Oblaten sowie der Freundeskreis CCR stellen sich vor. Geöffnet haben der Klosterladen und das SchwanbergCafé, wo Anne Stöcklein und ihr Team die Gäste mit allerhand Leckereien verwöhnen.

16. Uhr: Abendgebet in der Kirche.

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