Kitzingen

Prüfung im Kuhstall

Wer Landwirt werden will, muss eine Menge wissen. Und zwar nicht nur über die Tiere.
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Ganz schön viel Betrieb im Kuhstall: Bei ihrer Abschlussprüfung werden die angehenden Landwirte von den Prüfern genau unter die Lupe genommen. Den Kühen selbst scheint der Auftrieb relativ egal zu sein.
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Ein ungewöhnlicher Anblick: Eine Menge Menschen stehen da im Stall von Hubert Heinrich in Euerfeld. Seinen Tieren macht das nichts aus. Auch wenn sie immer wieder angehalftert, gemustert und exakt beschrieben werden. Es ist halt Prüfungstag. Sechs angehende Landwirte müssen sich in der Praxis beweisen.

Mehr als 100 Prüflinge im Fach Landwirtschaft hat es im letzten Jahr in Unterfranken gegeben. „Das war Rekord in den letzten 30 Jahren“, sagt Martin Mack. Während andere Berufsfelder händeringend Nachwuchs suchen, können die Landwirte zurzeit nicht meckern. 78 junge Menschen stellen sich in diesem Jahr der Prüfung. „Vor zehn Jahren war es ungefähr die Hälfte“, berichtet der Ausbildungsleiter am Amt für Landwirtschaft. „Wir haben Nachholbedarf.“

„Landwirt ist ein äußerst vielseitiger Beruf.“
Hubert Heinrich, Euerfelder Landwirt

Warum die Ausbildung relativ viele junge Menschen anzieht, weiß Hubert Heinrich, auf dessen Hof an diesem Tag die Prüfungen abgenommen werden, aus eigener Anschauung. „Landwirt ist ein äußerst vielseitiger Beruf“, sagt er. Der Umgang mit den Tieren ist das Eine, das nötige technische Know-How das Andere.

All das will erst einmal gelernt sein. Nach einem Berufsgrundschuljahr stehen zwei Praxisjahre an. Etliche Auszubildende besuchen in dieser Zeit nicht nur einen Betrieb, sondern zwei. Martin Mack begrüßt das ausdrücklich. Mal raus aus den heimatlichen Gefilden, etwas ganz anderes sehen. Je mehr Erfahrungen gesammelt werden, umso besser. Das erweitert den Horizont. Unter den 78 Prüflingen befinden sich denn auch vier, die aus einem anderen Bundesland stammen und ihre Prüfung in Unterfranken ablegen.

Die hat es in sich. Die Prüflinge müssen an diesem Tag beispielsweise eine Kuh von oben bis unten beurteilen. Wie ist ihre Konstitution? Die Beinstellung? Die Euterform? Die Sprunggelenkmuskulatur und die Fesseln? Sie müssen sich auch im Umgang mit den Gerätschaften beweisen, die im Stall und auf den Feldern zum Einsatz kommen. Und natürlich müssen sie sich auch in Sachen Pflanzenerzeugung auskennen. Eine Bodenuntersuchung mit Düngeplanung steht genauso auf dem Prüfungsplan wie eine Bestandsbeurteilung des Winterweizens oder der Zuckerrüben. Wie die richtige Düngung und der richtige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aussieht, wollen die Prüfer ebenfalls wissen. Fünf Stunden dauert denn auch so eine praktische Prüfung. Sieben Betriebe im Raum Kitzingen und Würzburg haben sich für einen Prüfungstag zur Verfügung gestellt. Die ersten Prüflinge waren bereits Mitte Juni dran, die letzten werden Mitte August ihr Können zeigen. Die schriftliche Prüfung haben alle Teilnehmer bereits am 2. Juli absolviert. Hubert Heinrich hat die Prüflinge im Vorfeld auf seinen Betrieb eingeladen, um ihnen noch ein paar praktische Tipps und Hinweise zu geben. Wichtige Informationen, die ihnen dabei helfen, im Stress der Prüfung den Überblick zu bewahren. Auch wenn der Stall an diesem Tag voller Menschen ist, die eine Menge Fragen haben.



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