Kitzingen

Was tut sich nach der TV-Sendung im Kitzinger Notwohngebiet?

Privatleute und Investoren bieten Hilfe an.
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Marion Warschecha und Andrea Schmidt hoffen, dass es künftig kein „Kitzinger Ghetto“ mehr gibt.

Jahrelang wurde das Elend immer größer. Das Kitzinger Notwohngebiet entwickelte sich immer mehr zum Außenseiter-Ghetto. Das konnten Marion Warschecha und Andrea Schmidt nicht länger ertragen. Sie wurden öffentlichkeitswirksam aktiv.

Ebenso wie viele „Notwohner“ selbst informierten die beiden Frauen im Namen eines engagierten Teams von Ehrenamtlichen in den regionalen Zeitungen und in der bundesweit ausgestrahlten Sendung Stern-TV über die Missstände in der Egerländer Straße/Tannenbergstraße. Über die baulichen Mängel, Schimmel und untragbare hygienische Zustände sowie über die menschlichen Probleme, die entstehen, wenn man alle Hilfsbedürftigen miteinander in vier Wohnblocks steckt. Warschecha und Schmidt bekamen unterschiedliche Reaktionen. Und neue Helfer.

„Viele Leute haben Hilfe angeboten – in Form von persönlichem Einsatz, Sach- oder Geldspenden“, berichtet Marion Warschecha. Die parteilose Stadträtin Andrea Schmidt fügt hinzu: „Besonders freuen wir uns über drei Männer, die sich zu unserem Ehrenamtlichen-Team rund um den Treffpunkt Wegweiser gesellt haben.“

Schmidt ist auch dankbar dafür, dass zwei bekannte Investoren ihre Hilfe angeboten haben. „Ein Unternehmer hat sich bereit erklärt, sich an der Anschaffung eines Dusch-Containers als Sofortmaßnahme zu beteiligen.“ Ein anderer Geschäftsmann könnte Wohnungen am Stadtrand zur Verfügung stellen. „Zumindest als Übergangslösung, falls das Ghetto aufgelöst werden würde, wäre das eine gute Sache.“

Zudem hat das Schicksal einzelner „Notwohner“ viele Privatleute bewegt. „Eine Frau hat angekündigt, eine Patenschaft für eine alleinerziehende Mutter und ihr Kind zu übernehmen. Das finde ich wunderbar“, berichtet Andrea Schmidt. Jene Alleinerziehende habe nun zudem eine städtische Wohnung außerhalb des Ghettos in Aussicht. „Ich hoffe, dass sie dort in Sicherheit und Würde neu anfangen kann.“

Die „Notwohner“ seien keine homogene Gruppe, sondern Menschen mit individuellen Stärken, Schwächen, Bedürfnissen. „Viele würden in einer ganz normalen Wohngegend nicht auffallen. Sie sind ordentlich und freundlich.“ Diese Menschen, die den entsprechenden sozialen Hintergrund haben und dem Ghetto entfliehen möchten, müsse man endlich dort rausbringen. Der Rest, der Drogen-, Alkohol- oder psychische Probleme hat, brauche individuelle Betreuung.

Andrea Schmidt und Marion Warschecha würden das „Ghetto“ am liebsten komplett auflösen. Städtische Sozialwohnungen mit geringer Miete, etwa am Galgenwasen, könnten eine Alternative für Langzeitmieter sein. Auch für die Versorgung der Obdachlosen, die mit etwa 40 Personen im Jahr die Minderheit der „Notwohner“ bilden, hat Schmidt Vorschläge. Ihrer Meinung nach verfügt die Stadt über geeignete Grundstücke, auf denen man in Einfachbauweise Obdachlosenwohnungen errichten könnte. Als Betreiber könnte sie sich einen Wohlfahrtsverband vorstellen, finanziell unterstützt von der Stadt. „Soziale Betreuung wäre da ganz wichtig.“

Das 6,5 Hektar große, derzeitige Notwohngebiet könnte man dann ganz neu überplanen. Schmidt verweist auf das Symposium, das an einem Gesamtkonzept für die Kitzinger Sozialpolitik arbeitet. „Ideen sind da. Die Zeit ist überreif, dass sie endlich umgesetzt werden.“

INFO: Menschen, die den „Notwohnern“ helfen wollen, können sich gerne melden: Tel. 0 93 21/ 394 88 29 oder per E-Mail: gasthaus-mainlust@freenet.de sowie andrea.schmidt-kt@t-online.de

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