Wenn binnen weniger Wochen 1000 Frauen eine Marzipankonditorei besuchen, eine Stadtführung machen und eine Futtermittelproduktion besichtigen, dann heißt es: Landfrauen auf Sommerlehrfahrt. Jedes Jahr erkunden die Tagesausflüglerinnen eine andere Region.

Anette vom Berg-Erbar, Kreisbäuerin Kitzingen, organisierte die Fahrten an den 19 Terminen. Heuer lud sie zu einer Fahrt nach „Churfranken“ ein. Wo das ist? Die Tourismus-Region zwischen Odenwald und Spessart hat sich diesen Namen gegeben. Der Kunstbegriff ist eine Anlehnung an die kurmainzischen Fürstbischöfe, die hier einst regierten.

Erster Stopp für die Landfrauen aus der Kitzinger Region war die Odenwälder Marzipankonditorei in Weilbach. Sigrid Schamberger aus Schwarzach war beeindruckt von der Betriebsführung: „Dort arbeiten sehr viele Menschen. Die zarten Marzipanfiguren werden zum Großteil in Handarbeit verziert.“

Weil sie gesehen hat, wie die Leckereien produziert werden und die Besucherinnen sie auch verkosten durften, schätze sie diese umso mehr. Sie ließ es sich nicht nehmen, im Fabrikverkauf kleine Käfer und Lederhosen aus Edelmarzipan zu erstehen. Außerdem wanderten Zucker-Mandel-Stangen mit Trockenfrüchten und Schokoladenüberzug in ihre Einkaufstasche.

Rudi beeindruckte

Gerda Bardwell (71 Jahre) aus Dettelbach zeigte sich hingegen von Roboter „Rudi“ beim Tierfutterhersteller Josera beeindruckt. „Der Roboter arbeitet vollautomatisch. In den riesigen Produktionshallen habe ich fast keinen Mitarbeiter gesehen.“ Die 250 Angestellten in der Kleinheubacher Firma seien überwiegend in der Verwaltung und in der Qualitätskontrolle beschäftigt.

Das Programm für die Landfrauen ist straff. Neben den Betriebsbesichtigungen absolvierten sie noch eine Stadtführung in Miltenberg. Doch auch Pausen waren eingeplant. Die Schlussrast fand im Galariestüble Erlenbach statt – auf halber Strecke nach Kitzingen – nicht zu verwechseln mit dem „churfränkischen“ Erlenbach am Main.

Dort reichte ihnen Nebenerwerbswinzer Paul Diener eine typisch fränkische Brotzeit, wahlweise mit Wurst, Käse, Fisch oder Salat. „Aber anders, als es Fachfrauen wie Sie kennen.“ Damit versprach er nicht zu viel, den Kitzinger Landfrauen schmeckte es. Gestärkt hörten sie sich die Ausführungen, gespickt mit Anekdoten, über Erlenbach und den Landkreis Main-Spessart an. Wer könnte dies besser vermitteln, als die Kreisbäuerin Maria Hoßmann (Eußenheim) und die Erlenbacher Ortsbäuerin Hedwig Diener?

Anette vom Berg-Erbar, die die Fahrt begleitete, zeigte sich zufrieden mit dem Ausflug, den sie über die Geschäftsstelle Kitzingen des Bayerischen Bauernverbandes organisierte. „Wir achten auf ein vielfältiges Programm, wählen Betriebe aus, die man privat nicht besichtigen kann. Und die besuchten Betriebe haben im weitesten Sinne mit dem Leben auf dem Land zu tun.“

Die 44-Jährige aus Gnodstadt weiß, wovon sie spricht. 15 Jahre lang war sie Stellvertreterin, bevor sie vor fast drei Jahren Kreisbäuerin wurde. Ihren Hof bewirtschaftet sie im Vollerwerb. Neben Ackerbau betreibt sie auch eine Ferkelzucht und eine Obstbrennerei.