Kitzingen
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Paten behalten Kitzinger Spielplätze im Auge

Auf die Spielplätze im Stadtgebiet haben so genannte Paten ein Auge. Für Johann Seelig ist dies eine Herzensangelegenheit.
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Die "Kitanic" erinnert Johann Seelig an die Zeiten, als die Mainlände noch zum Beladen von Schiffen genutzt wurde. Dass auf dem ehemaligen Industriegelände jetzt so viel Leben herrscht, freut den Rentner.Foto: Nina Grötsch
Die "Kitanic" erinnert Johann Seelig an die Zeiten, als die Mainlände noch zum Beladen von Schiffen genutzt wurde. Dass auf dem ehemaligen Industriegelände jetzt so viel Leben herrscht, freut den Rentner.Foto: Nina Grötsch
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Halb eingebuddelt in einen kleinen Sandberg lugt ein kahler Ast gen Himmel. Die Kinder haben also mal wieder einen Baum "gebaut". Johann Seelig schmunzelt. Er weiß, dass die Mitarbeiter des Bauhofs es nicht so gerne sehen, wenn der Sand aus der Sandkiste auf den angrenzenden Weg geräumt wird. Doch wenn die kleinen "Wurzerli" so schön damit spielen, bringt es der 81-Jährige auf keinen Fall übers Herz, ihnen das zu verbieten. Dabei kann Johann Seelig sehr wohl streng sein. Und das muss er sogar. Schließlich hat er als Spielplatzpate vor vielen Jahren ein Stück weit Verantwortung für das Gelände an der alten Mainlände hinter der Synagoge übernommen.

Fast jeden Tag dreht der Rentner eine Runde über den Spielplatz. Eigentlich soll er nur nach dem Rechten schauen und gegebenenfalls den Bauhof informieren, wenn ein Gerät defekt ist oder wieder mal Vandalen am Werk waren.
Doch Johann Seelig kann oftmals selbst nicht die Finger lassen. Und so hat er meist einen kleinen Besen oder ein Eimerchen dabei. "Ich hab' eben meinen Ehrgeiz", sagt der Kitzinger. Und schon hat er eine zerbeulte Getränkedose aus dem Schelch gefischt. Fünf Meter weiter steht ein Abfalleimer. Johann Seelig schüttelt den Kopf.

"Ich hab kein Problem damit, die Leute anzusprechen", erzählt der Spielplatzpate, der am Main aufgewachsen ist und sich dort unübersehbar wohl fühlt. Liegengelassener Müll, Sonnenblumenkern-spuckende Jugendliche oder "auffallend verliebte" Liebespaare. "Was ich schon alles erlebt habe!", sagt Johann Seelig. Dann lacht er und winkt ab.

Gespräche mit Hundebesitzern

Am Öftesten kommt er mit Hundebesitzern ins Gespräch. Die bittet er, ihre Tiere nicht auf den Spielplatz zu lassen und deren Hinterlassenschaften einzutüten und mitzunehmen. Natürlich kommt es da auch schon mal vor, dass der Rentner angeraunzt wird. "Hundehaufenzähler" oder andere "Kosenamen" sind ihm längst nicht mehr unbekannt. "Es ist nicht immer einfach, aber ich mache es gern", sagt Johann Seelig. Der 81-Jährige schreckt auch nicht davor zurück, einen 17-Jährigen zu ermahnen, wenn er im Rutschenturm zwei Elfjährige zum Rauchen verführt.

Weil er gleich in der Nähe wohnt, wird Seelig auch gern dazu gerufen, wenn es Ärger gibt. Erst kürzlich haben ihn ein paar Mädels darauf hingewiesen, dass "das Ungeheuer aus dem Steigerwald" beschmiert worden war. Also hat "Onkel Hansi" einen Eimer mit Schmierseife und Lappen geholt und gemeinsam mit den Mädels zu putzen begonnen - auch wenn sein Job als Spielplatzpate dies natürlich auf keinen Fall von ihm verlangt.

Unterstützung seit 30 Jahren

Seit weit mehr als 30 Jahren ist Johann Seelig nun schon Spielplatzpate - und damit eine verlässliche Unterstützung für den Bauhof der Stadt Kitzingen. Dessen Mitarbeiter schauen einmal wöchentlich auf den rund 35 Spielplätzen und Spielecken im Stadtgebiet vorbei. "Das verlangt der Gesetzgeber", sagt Dieter Richter vom städtischen Bauamt. Laut Carmen Reisenleiter vom Bauhof leeren die Straßenreiniger unter anderem die Mülleimer oder machen Rüttelproben an den Geräten. Ab und an ist mal eine Feder bei einem Wipptier gebrochen, in der Regel ist es aber eher zurückgelassener Müll oder Vandalismus, der Arbeit bereitet. Dazu kommen natürlich Instandsetzungen oder Erneuerungen, die die Mitarbeiter des Bauhofs ausführen. "Die Tätigkeit auf einem Spielplatz ist mal was anderes und macht wirklich Spaß", sagt Leiter Georg Günther.

Die Spielplatzpaten arbeiten alle ehrenamtlich, auch wenn es einmal im Jahr ein Dankeschön seitens der Stadt gibt. "Wir freuen uns über jeden", sagt Carmen Reisenleiter und weist darauf hin, dass aktuell nicht alle Spielplätze "besetzt" sind.

Um den Spielplatz an der Mainlände muss sie sich so schnell nicht sorgen. Johann Seelig denkt schließlich noch längst nicht ans Aufhören. Schließlich ist es ja irgendwie auch sein ganz persönlicher Spielplatz.


Spielplätze im Überblick

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