WÜRZBURG/KITZINGEN

Partnerin getreten und bedroht

Im Würzburger Strafjustizzentrum ist ein Fall aus dem Landkreis Kitzingen verhandelt worden: Es ging es um häusliche Gewalt und zwei totgetretene Frettchen.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

Im Würzburger Strafjustizzentrum ist am Faschingsdienstag ein Fall aus dem Landkreis Kitzingen verhandelt worden: Da ging es um massive „häusliche Gewalt“ und zwei totgetretene zahme Frettchen, es war der einzige Prozess an diesem Tag, für die Security-Leute an der Eingangstür gab es nahezu nichts zu kontrollieren.

Nein, sagte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Jörg Peterek auf Anfrage außerhalb der Verhandlung, das sei keine böse Absicht eines Faschingsmuffels gewesen, sondern der Termindruck in einem Verfahren, das sich länger hinzieht als ursprünglich geplant. Man müsse nun die Zeit überbrücken, bis eine erkrankte Zeugin vor Gericht erscheinen kann und außerdem sei eine Schöffin erst am Rosenmontag aus dem Urlaub zurückgekommen.

Also stand an der großen Anzeigetafel in der Eingangshalle des Strafjustizzentrums nur eine Sitzung, selbst beim Betriebsausflug von Staatsanwaltschaft sowie Amts- und Landgericht sind es mehr.

Der bei der Polizeiinspektion Kitzingen für „Häusliche Gewalt“ zuständige Polizeihauptkommissar Georg Güntner wurde als Zeuge gehört. Als Sachverständige waren wie an den Verhandlungstagen vorher ein Psychiater anwesend – wegen eines möglichen Alkoholproblems beim 29 Jahre alten Angeklagten aus der Baubranche – und eine Rechtsmedizinerin zum Thema Spuren am Tatort und am Opfer.

Was die Lebensgefährtin des Angeklagten kurz nach der Tat als Höhepunkte einer konfliktreichen Beziehung schilderte – Würgen, Schlagen, Tritte als sie bereits am Boden lag –, schien dem Sachbearbeiter der Polizei glaubwürdig. In Erinnerung geblieben ist ihm ein heftiger Geruch ungewöhnlich zahlreicher Haustiere und Exkremente der „Freigänger“.

Auslöser für den Haftbefehl und die Untersuchungshaft soll ein Fall von schwerer Körperverletzung in einer Dezembernacht nach Mitternacht gewesen sein, als die Lebensgefährtin des Angeklagten seiner Meinung nach zu lange mit einer Bekannten telefonierte. Der Angeklagte warf der Polizei einseitiges Ermitteln vor: Wenn er eine Anzeige machte, sei nichts dabei herausgekommen, bei der Lebensgefährtin dagegen habe man sofort reagiert.

Die drei Fälle, die angeklagt sind, hatten, so der Zeuge von der Polizei, mehrere Vorgeschichten. Einmal habe die Lebensgefährtin eine Anzeige bei der Polizei zurückgezogen. Als sie nach den neuen Fällen gefragt wurde, warum sie das getan hat, sagte sie, ihr Lebensgefährte habe einen Text am Computer geschrieben und sie dann aufgefordert, zu unterschreiben. Was er geschrieben hat, sei ihr nicht bewusst gewesen.

Noch kein Urteil

Nach 45 Minuten hat der Vorsitzende Richter alle Prozessbeteiligten in den Fasching entlassen, mit Ausnahme des Angeklagten, der in seine Zelle in der Justizvollzugsanstalt zurückgebracht wurde. Der Oberstaatsanwalt hatte es danach eilig: Die Krapfen-Runde im Kollegenkreis war vermutlich schon vorbei und daher wollte er auf keinen Fall nach Dienstende ein Weißwurst-Essen des Richtervereins versäumen.

Der Schöffengerichts-Vorsitzende verzichtete auf alle Faschings-Events, angesichts der Akten auf dem Schreibtisch und weil er am Aschermittwoch schon wieder ein volles Sitzungsprogramm hat.

Die Verhandlung um häusliche Gewalt, Bedrohung und Verstoß nach dem Tierschutzgesetz wird am 25. Februar fortgesetzt.

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