MÜNSTERSCHWARZACH

Papst lehnt Lockerung des Zölibats ab

Priester sollten frei entscheiden können, ob sie zölibatär leben oder heiraten. Das hatte Wunibald Müller in einem offenen Brief an Papst Franziskus gefordert. Jetzt kam aus Rom ein klares Nein.
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Wunibald Müller Foto: Foto: Schwarzott

Priester sollten frei entscheiden können, ob sie zölibatär leben oder heiraten. Vor fast zwei Jahren hat der Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach (Lkr. Kitzingen), Wunibald Müller, diese in einem offenen Brief an Papst Franziskus gefordert. In einem zweiten Schreiben hat der Theologe und Psychotherapeut im April dieses Jahres sein Anliegen, den Zölibat zu lockern, wiederholt. Nun wurde ihm über das Staatssekretariat des Vatikans die laut Müller „freundlich“ formulierte Antwort übermittelt. Sie lautet sinngemäß: „Nein“.

Müller berichtet, der Papst sei eingehend über seine Erwägungen unterrichtet worden, er halte es aber nicht für geeignet, „universalkirchlich eine Option zwischen einem verheirateten und einem zölibatären Klerus zu ermöglichen“. Gerade unsere Zeit, zitiert Müller den Brief weiter, „braucht dieses Zeugnis der Treue zu einer frei gewählten Lebensentscheidung und der Hingabe an die große Berufung, sich ungeteilt dem Herrn und seiner ,Sache‘ zu widmen.“

Interessant sei, so Wunibald Müller, dass in dem Brief auf eine Praxis hingewiesen werde, nach der es in Einzelfällen eine Zulassung eines verheirateten Mannes zum Priesteramt geben könne. Diese Möglichkeit beziehe sich etwa auf verheiratete evangelische Priester, die zur katholischen Kirche übergetreten sind. „Ob dieser Verweis auf die Praxis als ein Hinweis zu verstehen ist, hier in Zukunft auch andere Personen, etwa verheiratete Diakone oder gar bewährte Laien, zum Priesteramt zuzulassen, geht aus dem Brief nicht hervor“, informiert Müller, „ist aus meiner Sicht aber auch nicht auszuschließen.“ Der Theologe und Psychotherapeut, der im Recollectio-Haus Priester in Krisensituationen unterstützt, etwa wenn sie an ihrer Entscheidung zum ehelosen Leben zweifeln oder sogar daran zu zerbrechen drohen, gibt sich zuversichtlich. „Mit diesem Brief zeigt der Papst, dass er sich mit dem Thema Zölibat auseinandersetzt.“ Zudem wisse er die Arbeit jener zu schätzen, die sich von ihrem Erfahrungshintergrund her damit befassen. Denn der Papst habe sich ausdrücklich bei ihm für seine Mitsorge für die Sendung der Kirche bedankt. Müller: „Ich habe schon andere Briefe bekommen aus Rom.“

Der Tonfall also stimmt den kritischen Geist Wunibald Müller hoffnungsvoll, dass es in Zukunft auch Priester geben könnte, die verheiratet sind – „und das nicht nur als Ausnahme“. Doch nicht nur aus Rom sind die Worte freundlich. Nach seinem öffentlichen Brief an den Papst habe er, so Müller, viele positive Zuschriften bekommen – von Priestern, deren Partnerinnen und auch von „höheren kirchlichen Würdenträgern“.

Erhalten habe er aber auch Post von Menschen, die sich fragten, wie er so etwas wie die Lockerung des Zölibats überhaupt fordern könne. In einem Gespräch würde der Leiter des Recollectio-Hauses ihnen wahrscheinlich aus seiner fast 25-jährigen Erfahrung erzählen. „Nach wie vor führt die vorhandene Tabuisierung im Bereich der Liebe, der Intimität und Sexualität im Zusammenhang mit dem Zölibat dazu, dass die Kluft zwischen dem, was Priester nach außen hin vorgeben zu leben und dem, was wirklich ihrer Überzeugung ist und im Verborgenen gelebt wird, immer größer wird.“ Müller ist überzeugt: „Der Zölibat hat sich selbst überlebt.“ Mit Informationen von KNa

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