KITZINGEN

Papiertheater mit Schlüsselloch-Effekt

Gabriele Brunsch ist mit Begeisterung dabei, wenn es um ihr Papiertheater geht. Was es mit der Miniatur-Kunst-Bühne auf sich hat, verrät die Obernbreiterin im Interview.
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Seit dem Jahr 2006 gibt es in Kitzingen Papiertheater von Gabriele Brunsch zu sehen. Foto: Archiv-Foto: Ralf Dieter

Gabriele Brunsch ist mit Begeisterung dabei, wenn es um ihr Papiertheater in der Kitzinger Grabkirchgasse (frühere Kitz-Galerie) geht. Was es mit der seit zehn Jahren bestehenden Miniatur-Kunst-Bühne auf sich hat, verrät die Obernbreiterin im Interview.

Frage: Wie funktioniert Papiertheater?

Gabriele Brunsch: Die Öffnung meiner Miniatur-Kunst-Bühne ist so groß wie ein 19-Zoll-Monitor. Da ist ein Holzgerüst. Es ist von einem schwarzen Samtvorhang eingefasst, damit rundherum kein Licht durchsickern kann. Im Raum dahinter warten Platten mit zwei bis 15 Fugen, auf denen die Szenenbilder der Akte, Requisiten, Versatzstücke und Figurinen (so heißen die Figuren beim Papiertheater) vorinstalliert sind. Die Zuschauer sitzen in einem abgedunkelten Raum auf Samtkissen. Es ertönt Musik, die Erzählung beginnt. Wenn sich der Vorhang zur beleuchteten Szene hebt, entsteht eine Art Schlüsselloch-Effekt: Der Zuschauer lauscht gebannt und wird in die Handlung hineingezogen.

Wie kamen Sie zum Papiertheater?

Brunsch: 1998 fand im Museum Marktbreit eine Ausstellung von Papiertheatern mit dem Namen Die Räuber im Wohnzimmer statt. Begeistert sah ich die Inszenierung des Dracula vom Theater Invisius aus Berlin. Die Initiatorin, Dorothea Reichelt, Sammlerin von antiken Papierobjekten, fragte mich, ob ich mit ihr ein Theaterstück mit Originalfigurinen und Szenenbildern aus dem 19. Jahrhundert spielen wollte. Ich fand es verlockend. Wir spielten drei Jahre an vielen Orten das Stück Der fliegende Holländer. Skript und Hörspiel hatte ich arrangiert.

Welcher Aufwand steckt dahinter?

Brunsch: Ich adaptiere eine Geschichte oder schreibe ein Theaterstück. Ich lade Menschen mit schönen Stimmen zu mir ein und nehme die Sprechrollen einzeln auf. Dann wähle ich geeignete Musik, das kann die Zusammenarbeit mit Musikern bedeuten. Ich schneide den Sound am PC und stelle ein Hörspiel her. Bis ich zufrieden bin, dauert es Wochen. Ich zeichne und male die Figurinen und Szenenbilder oder mache Kollagen aus eigenen Fotos, die ich im Photoshop bearbeite und drucken lasse. Ab und an kaufe ich Reproduktionen von antiken Kulissen. Die Darsteller erscheinen in mehreren Posen und Kleidern, sie sind der Handlung angepasst. Klassische Theater haben eine Figur pro Rolle und Stück. So hat meine Inszenierung zum Märchen Jorinde und Joringel zwölf Akte mit über 50 Figurinen, an die Hundert Einzelteile.

Welche Stücke haben Sie bisher gespielt?

Brunsch: 2015/16 habe ich fünf Theaterstücke geschaffen, insgesamt sind es bis jetzt elf.

Worin liegt die Faszination?

Brunsch: Für den Zuschauer: Er erlebt einen magischen Sog, den der Erzähltext durch meine Stimme im Einklang mit der Musik bei ihm auslöst. Er vergisst Raum und Zeit und auch, dass es nur Papierfiguren sind, die vor ihm spielen. Für mich: Es ist die Tatsache, dass ich hier meine unterschiedlichen kreativen Kräfte in den Bereichen bildender und darstellender Kunst vereinen kann.

Für welche Zuschauer ist diese Kunstform geeignet?

Brunsch: Die Zuschauer kommen aus allen Bildungsschichten. Mundpropaganda lockt sie aus fernen Orten nach Kitzingen. Sie kommen aus Aschaffenburg, Würzburg, Neustadt/Aisch, Sulzbach-Rosenberg oder Schweinfurt. Meine Stücke sind meist für Erwachsene, da sie sprachlich anspruchsvoll sind und Humor und Hintersinn von Kindern oft nicht verstanden werden.

Seit wann gibt es den Standort in Kitzingen?

Brunsch: Mein Papiertheater gibt es seit 2003, seit 2006 habe ich Räume in der Grabkirchgasse 4 angemietet. Mehr zur Geschichte steht auf www.papiertheater-kitzingen.de

Brunsch: Liegt das Papiertheater nicht etwas abseits?

Brunsch: Nein. Er liegt keine 50 Meter von der Fußgängerzone entfernt: Mitten im Herzen der Stadt.

Wie viele Zuschauer kamen mit den Jahren zusammen?

Brunsch: Ich bitte um Reservierung. Bei öffentlichen Aufführungen kann man aber auch auf gut Glück vorbeischauen. Es kommt vor, dass nur zwei Besucher erscheinen, es kam aber auch vor, dass ich Besucher, die nicht angemeldet waren, wegschicken musste. 2016 habe ich mit vier verschiedenen Stücken bereits 30 Aufführungen vor einer unterschiedlichen Anzahl an Besuchern – von zwei bis 25 – spielen dürfen.

Als nächstes habe ich vor . . .

Brunsch: . . . der Einladung zu einem Figurentheater Festival in Lehesten/Thüringen zu folgen um dort mein Stück Die heimlich-unheimliche Geschichte von Jorinde und Joringel zur Aufführung zu bringen.

Sie sind Alleinkämpferin?

Brunsch: Ich arbeite seit November 2014 alleine: Das ist bisweilen schwierig, wenn Licht und Vorhang, die Führung der Figurinen, der Wechsel der Szenen punktgenau ausgeführt werden müssen. Das bedeutet Stress im Backstage-Bereich! Die richtige Planung im Vorfeld ist hier wichtig. Homepage, Werbung, Flyer, E-Mails, Raumpflege, müssen noch so ganz nebenbei erledigt werden.

Was läuft gerade aktuell?

Brunsch: Mitte September biete ich wieder das Stück Der fliegende Holländer an. Das Märchen Die heimlich-unheimliche Geschichte von Jorinde und Joringel feiert trotz Urlaubszeit am 6. August Premiere. Weitere Termine sind am 7., 13. und 14. August, jeweils 17 Uhr.

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