SULZFELD

Oskar Süßmeier: Mit Pinsel und Farbe durchs Leben

Der 81-jährige Oskar Süßmeier aus Sulzfeld wird nicht nur von den Schützen gerne engagiert. Die Malerei prägte privat und beruflich das ganze Leben des heute 81-Jährigen.
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Bekannte Sehenswürdigkeiten: Auch das Malerwinkelhaus mit Rathaus in Marktbreit (links) und die Würzburger Marienfestung sind verewigt.
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Die Schützenscheiben der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft gelten in Schützenkreisen als die schönsten weit und breit.

Der Schöpfer dieser Scheiben – die Mainbernheimer haben ein ganzes Museum davon – ist der Sulzfelder Oskar Süßmeier. Die Malerei prägte privat und beruflich das ganze Leben des heute 81-Jährigen, der sich schon von Kindesbeinen an als Naturtalent erwies.

„Ich hatte schon in der Schule immer die Note eins in diesem Fach“, erinnert sich der Hobbymaler noch gut an seine Kindheit. „Dieses Bild habe ich mit sechs Jahren gemalt“, sagt Oskar Süßmeier und zeigt auf ein Stück Papier aus dem Jahr 1941, das bunte Vögel als Motiv zeigt. Weitere Bilder, die schon ein halbes Jahrhundert alt sind, zeigen bunte Blumensträuße, einen Schelch am Main oder in einer Radierung seine Großmutter im Weinberg.

Mit 20 Jahren machte er sich an seine ersten Ölbilder und schuf bildschöne Werke wie ein Porträt des Würzburger Kirchenmannes Julius Kardinal Döpfner, Landschaften, die Sulzfelder Silhouette mit Fischerboot und Mauerring samt Türmen um den historischen Altort. Der Sulzfelder ist absoluter Autodidakt, „ich habe mir alles selbst beigebracht“, schildert er seine persönliche Entwicklung. Die malerische Kulisse Sulzfelds und bauhistorische Juwelen in den engen Gassen der Winzergemeinde inspirieren die künstlerische Passion des Nebenerwerbswinzers. Nach der Arbeit für die Stadt Kitzingen bewirtschafteten die Süßmeiers bis vor zehn Jahren noch zwei Hektar Weinberge.

Dennoch fand Oskar Süßmeier immer wieder die Zeit, um Motive wie die Sulzfelder Schokoladenseite, das historische Rathaus, den Hohen Turm, die Dorfkirche und viele andere Hingucker Sulzfelds in gerahmten Bildern auf Leinwand oder auf Bocksbeuteln zu verewigen. Auch außerhalb der Maustal-Gemeinde zogen ihn bekannte Sehenswürdigkeiten an, die er mit Pinsel und Ölfarbe einfing. Bocksbeutel mit Motiven wie dem historischen Ortskern Frickenhausens, das Marktbreiter Malerwinkelhaus, die Würzburger Festung und viele andere Zeugen historischer Bausubstanz zieren Oskar Süßmeiers Malerzimmer.

Das Malen hatte es dem Sulzfelder seit jeher angetan und später machte er sein großes Hobby auch zum Beruf. Er erlernte den Malerberuf im einheimischen Malerbetrieb Schmitt und wechselte später zur Stadt Kitzingen. Als Bauhof-Beschäftigter war er ein begehrter Schriftenmaler, der Schilder für Jubiläen, das Weinfest oder Ortseingänge malte. Zahlreichen Fassaden städtischer Gebäude verlieh er neuen Glanz und widmete sich mit Farbe und Pinsel den filigranen Komponenten an den Kitzinger Sehenswürdigkeiten.

Ob das Wappen am historischen Rathaus, die Verzierungen an der Tourist-Information oder viele Schrift- und Namenszüge an Gebäuden – Oskar Süßmeier war an vielen Orten in seinem Element. Der Schriftenmaler verzierte jahrelang Ehrenurkunden des Gesangvereins und bemalte Geschenk-Bocksbeutel für den Turn- und Sportverein. Auch die Fassade seines Wohnhauses bezeugt seine künstlerische Ader: Elemente rund um den Wein zieren die südliche Hauswand. Durch die bemalten Bocksbeutel wurden die Mainbernheimer Schützen auf den Sulzfelder Hobbymaler aufmerksam.

Der für die Schützenscheiben in Mainbernheim verantwortliche Herbert Ziegler konnte Oskar Süßmeier gewinnen und ist froh, dass er seit mittlerweile 25 Jahren die schönsten Schützenscheiben in der Region liefert. „So um die Hundert“, schätzt der 81-Jährige die Anzahl der Scheiben, die er für die Mainbernheimer geschaffen hat.

„Am liebsten habe ich die Drei-Liter Bocksbeutel bemalt“, sagt der Sulzfelder, dessen Flaschen sogar Liebhaber in den USA fanden. Meistens dienen seine Bocksbeutel-Kunstwerke als Geschenke für besondere Anlässe, aber auch für persönliche Erinnerungen. So trat einst ein Rennfahrer an ihn heran, der ein Bild von sich am Steuer seines Rennwagens haben wollte.

Bis ein großer Bocksbeutel fertig ist, bedarf es vier Arbeitsgängen und über den Daumen gepeilt benötigt Süßmeier acht Stunden bis zur Vollendung. Seine Augen funkeln, wenn er seine Werke präsentiert oder die Geschichte hinter dem Motiv erzählt. Er nimmt für seine Bocksbeutel-Kunstwerke nur kleines Geld, „bei mir muss niemand einen Namen mitbezahlen.“

„Irgendwann wird es gesundheitlich nicht mehr so gehen mit dem Malen“, ist sich der Rentner bewusst, doch bislang hat er immer noch ein ruhiges Händchen und frönt seinem Hobby. Auftraggeber wie die Mainbernheimer müssen auch nicht fürchten, von heute auf morgen, auf Süßmeiers Malkünste verzichten zu müssen. Denn: der kluge Mann baut vor. Oskar Süßmeier hat sich einen Vorrat an Scheibenmotiven erarbeitet, die ein paar Jahre Vorlauf bieten.

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