KITZINGEN

Normalität als Erfolg

Das inklusive Sportfest am Sickergrund findet bereits zum sechsten Mal statt.
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Beim „Schwammspiel“ sind Schnelligkeit und Geschicklichkeit gefragt. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Manfred Markert hat die Musikanlage im Griff. „Cordola Grün“ schallt durch das Sickergrundstadion. Ein paar Jungs und Mädels stehen um den Geschäftsführer der Lebenshilfe herum. Vielleicht erfüllt er ihnen ja einen Musikwunsch? Die anderen Kinder und Jugendlichen sitzen derweil auf den steinernen Tribünen oder spielen Fußball miteinander. Kein Streit, kein Stress, alles läuft friedlich und reibungslos ab. Ein ganz normales Sportfest halt. Und genau darin liegt der Erfolg des inklusiven Sportfestes in der Siedlung.

Zum sechsten Mal trafen sich Lehrer und Schüler aus fünf Schulen bereits zu der Veranstaltung. Anja Bank war von Anfang an dabei. Die Grundschullehrerin aus der Siedlung pflegt einen engen Kontakt mit ihrer Kollegin Shelly Preu von der nahen St. Martin-Schule.

„Die Inklusion funktioniert bei uns sehr gut.“
Anja Bank Lehrerin Grundschule Siedlung

Zusammen haben sie einen Chor ins Leben gerufen, ihre Schulkinder gehen gemeinsam zum Schlittschuhlaufen, feiern Sommerfeste und fahren zusammen ins Schullandheim. „Die Inklusion funktioniert bei uns sehr gut“, freut sich Bank und berichtet von ihren diesjährigen Drittklässlerinnen, die schon nach dem ersten Treffen mit den St. Martin-Schülern davon gesprochen hätten, neue Freundinnen getroffen zu haben. „Die Jungs sind da etwas abwartender“, weiß Bank.

Für sie ist der Sport eine gute Brücke. Neben der St. Martin- und der Grundschule Siedlung nehmen die Mittelschule Siedlung, die Erich-Kästner-Schule und das AKG an diesem besonderen Sportfest teil. Kurz vor 8 Uhr werden die Mannschaften gebildet: Je zwei Schüler aus jeder Schule werden zusammengewürfelt – und spielen einen ganzen Vormittag lang gemeinsam Fußball oder bewältigen in den Pausen Geschicklichkeitsübungen. Angeleitet werden sie dabei von den Elftklässlern des Armin-Knab-Gymnasiums. Jürgen Baier und Norbert Zinsmeister sitzen auf der Tribüne und verfolgen das Geschehen vor ihnen. „Schön, dass alle Schulen so offen für diese Veranstaltung sind“, sagt der Konrektor der St. Martin-Schule und sein Rektor nickt. Das Fest hat sich längst zu einem Selbstläufer entwickelt. „Die Schüler verstehen ohne große Erklärungen, um was es geht“, sagt Baier.

Rund 150 Schüler, von der dritten bis zur elften Klasse, mit und ohne Beeinträchtigungen, treiben an diesem Vormittag gemeinsam Sport. Von einer gewissen Nachhaltigkeit spricht Jürgen Bayer, von einer Normalität, die sich über die Jahre hinweg eingestellt hat. Genau darum sei es ihnen auch immer mit dem Fest gegangen, ergänzt Zinsmeister. „Kontinuierliche und wiederkehrende Projekte sind wirksamer als irgendwelche öffentlichkeitswirksamen Einzelaktionen.“

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