NORDHEIM

Nordheimer Fähre wird 70

70 Jahre lang setzte die Nordheimer Fähre ohne Namen ans andere Ufer über. Jetzt - zum Geburtstag – hat sie einen Namen bekommen – zumindest einen inoffiziellen.
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Das Nordheimer Fährschiff ist seit 70 Jahren im Einsatz. Foto: Foto: Walter Braun
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Mit dem Namen der Gemeinde Nordheim eng verbunden ist die Mainfähre, die seit vielen Jahrzehnten Passanten am Main zwischen Escherndorf und Nordheim übersetzt. Urkundlich erwähnt wird die Nordheimer Fähre erstmals im Jahre 1473.

In diesem Jahr feiert das derzeitige Fährschiff 70. Geburtstag. Deswegen hat die 57-jährige Nordheimerin Judith Flammersberger einen Namen für das Schiff kreiert. Für sie heißt das Schiff künftig „Alte Lady“.

Flammersberger, die als „einzige Fährfrau im Bereich der Mainschleife“ in die Fußstapfen ihres Vaters Walter trat, kennt die Geschichte des Nordheimer Fährschiffes wie keine Zweite. Und berichtet vom Bau der heutigen Nordheimer Mainfähre.

Gekauft für 18 000 Mark

Das war 1947 auf der Schiffswerft in Erlenbach am Main, gibt Flammersberger Informationen aus erster Hand weiter. Gekauft wurde das Schiff von ihrem Großvater Otto Konrad, der damals dafür 18 000 Mark auf dem Tisch blätterte.

Die Fähre war ab diesem Zeitpunkt im Familienbesitz, das Fährrecht hatte aber nach wie vor die Gemeinde, erzählt die Fährfrau weiter.

Einen offiziellen Namen für das Nordheimer Fährschiff hat es noch nie gegeben.

Namensfindung ohne Ergebnis

Diesbezügliche Beratungen im Gemeinderat Nordheim führten zu keinem konkreten Ergebnis. Was Judith Flammersberger dazu inspirierte, der Fähre zum runden Geburtstag einen Namen zu geben. Die Fährfrau fühlt sich nach wie vor mit dem Schiff eng verbunden und freut sich nach der Kinderpause seit 2004 immer wieder auf ihre Einsätze als Aushilfskraft beziehungsweise Aushilfs-Fährfau.

Damit wird die seit 1925 bestehende Fährtradition der Familie Konrad in vierter Generation fortgesetzt. Nach Uropa Johann (bis 1930) schipperte Großvater Otto Konrad von 1925 bis 1980 und Vater Walter Konrad von 1942 bis 1992 die Fähre über den Main zwischen Escherndorf und Nordheim.

Eine Besitz-Änderung vollzog sich 1984, als die Eltern von Judith Flammersberger das Schiff an die Gemeinde verkauften. Der Grund: Der Fährbetrieb brachte nicht den Erlös, um einen weiteren Angestellten zu beschäftigen. Ein Jahr zuvor hatte Flammersberger erfolgreich ihre Fährmannsprüfung abgelegt. Darauf ist sie ebenso stolz wie auf die Tatsache, dass sie als einzige Fährfrau im Bereich der Mainschleife unterwegs ist.

Und nicht zuletzt gibt es auch ein Modell „ihres so geliebten Fährschiffes“, das ihr Ehemann Jürgen zum 50. Geburtstag schenkte und das den Namen ihrer 1983 gestorbenen Mutter Paula trägt.

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