NENZENHEIM

Noch einmal „Rock mit dem Herrn“

Hardrocker trifft Pfarrer: Die Nenzenheimer Rockgottesdienste enden am 1. Mai mit einer Benefizaktion für sterbenskranke Kinder.
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Sie rocken, um möglichst viel Geld für die vom Malteser-Palliativ-Team betreuten Kinder zu sammeln: Pfarrer Matthias Subatzus, Nils und sein Papa Matthias Schenk. Foto: Foto: DIANA FUCHS
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Dass Kinder an unheilbaren Krankheiten sterben, kann leider niemand verhindern. Aber jeder kann mithelfen, dass die Familien das Leid besser ertragen. Hardrocker Matthias Schenk, Schenky genannt, formuliert es so: „Wir können die Welt nicht retten, aber ein bisschen besser machen.“ Vom dritten und vorerst letzten Rockgottesdienst gehen sämtliche Einnahmen aus Kollekte und CD-Verkauf ohne Abzug an das Kinder-Palliativ-Team der Malteser Unterfranken.

Vor zwei Jahren, im Mai 2017, luden „die beiden Matthiasse“ – Musiker Schenk und Pfarrer Subatzus – erstmals zu einem musikalischen Gottesdienst im Nenzenheimer Weinfestzelt ein. „Wenn 50 Leute kommen, ist das gut“, hatte Schenky im Vorfeld gemeint. Es kamen zwanzigmal so viele, gut 1000 Besucher. Die große Resonanz sorgte für eine Wiederholung im Folgejahr; 1500 Besucher lauschten 2018 Schenkys Rocksongs und den dazu passenden Gedanken des Pfarrers im Weinfestzelt.

Matthias Subatzus und Matthias Schenk hatten einander bei der Taufe von Schenkys Tochter Alina kennen gelernt. Der Rocker fand den Gottesdienst ganz gut, aber die Lieder... naja. „Dann schreib' halt mal andere!“, forderte ihn der Pfarrer auf. Seine Worte machten aus dem Hardrocker einen Kirchenmusik-Komponisten der ganz besonderen Art. „Ich hab' angefangen, meine persönlichen Gedanken zum Thema Gott in einem Rocksong zu verarbeiten. Auf Deutsch, damit auch meine Kinder und alle anderen Leute es verstehen, auch Ältere.“ Nach dem ersten Einarbeiten seien die Texte und Melodien „richtig aus mir rausgesprudelt“, erzählt Schenky. So entstanden Stücke wie „Der Weg“, die Frage nach Gott, oder „Vater und Sohn“, das Schenky für seinen Sohn Nils schrieb und von dem Matthias Subatzus findet, dass man den Text sehr gut auf Gott und seine Kinder übertragen kann. Am Ende hatte Matthias Schenk eine ganze CD mit deutschen Rock-Kirchenliedern geschrieben. „Rock mit dem Herrn“ ist der Titel. „Auch die CD wird am 1. Mai zugunsten des Palliativ-Teams verkauft“, sagt Schenk, der ein eher unkonventioneller Christ ist. Er sagt: „Gott ist für mich kreative, positive Energie. Er fängt da an, wo das menschliche Gehirn aufhört.“

Das menschliche Gehirn wird jedoch auch vom Tod begrenzt. 20 Kinder starben im vergangenen Jahr allein in Unterfranken an unheilbaren Krankheiten. Matthias Schenk, der mit seiner Band „Shylock“ schon für die Kinderkrebsstation der Uniklinik Würzburg gespielt hat, weiß, was das heißt: „Viel körperliches und seelisches Leid für die Familien.“ Deshalb hat der Musiker sich entschlossen, mit dem vorerst letzten Rockgottesdienst eine Organisation zu unterstützen, die sterbenskranken Kindern und ihren Angehörigen hilft. Das ambulant tätige Kinder-Palliativ-Team der Malteser Unterfranken ermöglicht Betroffenen, bis zuletzt zu Hause zu leben, um so viele schöne Momente wie möglich zusammen zu haben. „Es gibt einen edlen Sinn im Leben – für andere da zu sein“, zitiert Schenk aus einem seiner Kirchenrocksongs.

Warum es erstmal keinen weiteren Rockgottesdienst geben wird? Schenky sagt: „Wir wollen nicht, dass sich die Idee abnutzt.“ Der Bedarf an alternativen Gottesdienstformen sei jedoch sehr groß. „Deswegen schließe ich es auch nicht aus, dass es irgendwann mal wieder einen ähnlichen Gottesdienst geben wird.“ Es habe diesbezüglich auch schon Anfragen von begeisterten Besuchern aus anderen Orten gegeben. „Aber nicht überall sind die Pfarrer so aufgeschlossen wir unserer.“ Der vorerst letzte Nenzenheimer Rockgottesdienst, bei dem auch zwei Songs live zu hören sein werden, die es bisher nur auf CD gab, soll noch einmal zum Treffpunkt für alle werden, die „positive Energie“ spüren wollen. Matthias Schenk: „Letztes Jahr waren Christen aller Art da, katholische, evangelische und freie, aber auch Atheisten und Zeugen Jehovas. Ich finde das genau richtig. Menschen verbinden – das ist es, was wir wollen.“

 

Der 3. und vorerst letzte Rockgottesdienst: am 1. Mai in Nenzenheim

Zwei „Matthiasse“ auf der Bühne: Matthias Schenk („Schenky“, 43 Jahre) ist Hard-Rocker durch und durch. Mit seiner Band „Shylock“ hat er unter anderem beim Abschied von Fußballstar Thomas (Icke) Häßler und als Support für „Bonfire“ gespielt. Matthias Subatzus (60) ist evangelischer Pfarrer und zermartert sich oft das Hirn, wie man Kirche lebendiger machen könnte. Die beiden gestalten den Hauptteil des Rockgottesdienstes im Weinfestzelt.

Rockgottesdienst: Der 3. und vorerst letzte Rockgottesdienst mit den Musikern Matthias Schenk, Armin Gimperlein und Jochen Weigand sowie Pfarrer Matthias Subatzus und einem Gastauftritt von Nachwuchsrocker Nils Schenk findet am Mittwoch, 1. Mai, im Weinfestzelt Nenzenheim statt, Beginn ist um 10 Uhr; Frühschoppen und Mittagessen schließen sich an.

INFOS: www.rockmitdemherrn.de – hier kann man auch Matthias Schenks CD „Rock mit dem Herrn“ bestellen.

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