Kitzingen

Umzug ohne Tiere? Undenkbar

Wenn das Tierheim geschlossen wird, verliert Familie Walther ihr Zuhause
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Silke Walther und ihre Tochter Joan können sich ein Leben ohne ihre Tiere nicht vorstellen. DIANA FUCHS
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Etlichen ausgesetzten, verwaisten Tieren hat sie eine Heimat geschenkt. Nun braucht sie selbst ein neues Zuhause. Silke Walther droht der Boden unter den Füßen wegzubrechen, im wahrsten Sinn des Wortes.

Direkt ans Kitzinger Tierheim in der Kaltensondheimer Straße angebaut ist das Haus, in dem die Tierarzthelferin und Tierheilpraktikerin mit ihren beiden Töchtern und ihrem Lebensgefährten wohnt. Und mit sechs Hunden, fünf Katzen, zwei Hasen und zwei Meerschweinchen. „Vermieter, die das hören, verschließen sofort Augen und Ohren. So viele Tiere – da sind die Vorurteile gleich riesengroß“, sagt die 42-Jährige.

Seit fast zwei Jahren – seit bekannt ist, dass sich unter dem Tierheimgrundstück, auf dem auch ihre Haus steht, einsturzgefährdete Stollen befinden – sucht sie nach einem neuen Mietobjekt. Bisher vergeblich.

Mauer an Mauer mit dem Kitzinger Tierheim lebt Silke Walther bereits seit 22 Jahren. Zu Gast ist sie hier sogar seit über 30 Jahren regelmäßig. „Das Tierheim hat mich schon als Kind angezogen wie ein Magnet“, erinnert sie sich lachend. „Mit zwölf Jahren war ich regelmäßige Gassigeherin. Meerschweinchen, Hasen, Katzen: Was ich nicht alles mit heimgeschleppt habe! Wir hatten daheim einen richtigen Zoo – zum Leidwesen meiner Mutter.“ Nach der Schule lernte Silke den Beruf der Tierarzthelferin. Während der Babypause bildete sie sich zur Tierheilpraktikerin fort und eröffnete vor zehn Jahren ihre eigene Praxis.

Ihre eigenen Schützlinge daheim kamen oft übers Tierheim zu ihr. Sie waren allesamt „arme Seelen“, die ohne die Hilfe der engagierten Tierfreundin gestorben wären oder unter schlimmen Bedingungen dahinvegetieren müssten. Silke Walther ist quasi die „Auffangstation der Auffangstation“: Sie nimmt verletzte oder frisch operierte Tiere bei sich auf, wenn diese eine Rundumversorgung brauchen, die das Tierheim personell nicht leisten könnte.

Sobald die Vierbeiner genesen sind, werden sie normalerweise vermittelt. Einzelne sind Silke Walther nach der intensiven Pflegezeit jedoch so sehr ans Herz gewachsen, dass sie sie nicht mehr hergeben konnte. Die Tiere danken es ihr mit besonderer Treue.

Wer die zweifache Mutter derzeit besucht, muss unter anderem an „Drummer“ vorbei, einem mexikanischen Nackthund der Rasse Xoloitzcuintle. Der Rüde mit den kaffeebraunen Augen folgt seinem Frauchen wie ein Schatten und beschützt es nur zu gern – offenbar weiß er genau, wer ihm das Leben gerettet hat. „Magen, Darm, Haut, alles an ihm war krank“, erinnert sich Silke Walther. „Drummers“ Vorbesitzer hatte Besuch von Mitarbeitern des Veterinäramts bekommen, die die Tiere beschlagnahmten und ins Tierheim brachten. Silke Walther betupfte die Hundehaut tagelang mit schwarzem Tee und gab den Rüden auch dann nicht auf, als seine Schilddrüse schlappmachte.

„Meine Tiere sind mein Lebensinhalt. Sie schenken mir Ruhe und Harmonie.“
Silke Walther, Tierheilpraktikerin

Beschlagnahmt wurde auch Spitz „Summer“, an einer Raststätte im Landkreis Kitzingen. Er und seine Geschwister kamen aus Serbien und hatten keine Papiere. Der Amtsveterinär brachte sie ins Tierheim. Zwei Geschwister konnten an neue Besitzer vermittelt werden, doch der dritte Hund blieb übrig. „Irgendwann gehörte er zur Familie.“

Das Gleiche gilt für Kater Cliffi, eine Fundkatze, die todkrank war, als sie im Tierheim ankam. „Ihm mussten alle Zähne gezogen werden“, erinnert sich Silke Walther und ihr Gesicht nimmt beim Erzählen auch heute noch einen schmerzhaften Ausdruck an. Sie hebt Cliffi auf ihren Schoß, und der langhaarige, weiße Kater bedankt sich mit ausgiebigem Schmusen. Das Tier, dessen plattes Gesicht nicht gerade dem Katzenschönheitsideal entspricht, wird bis zum Ende seines Lebens bei den Walthers bleiben dürfen.

Jedes Lebewesen im Walther-Haus hat seine eigene Geschichte. Eines wurde als Weihnachtsgeschenk verkauft, obwohl es im Alter von wenigen Wochen eigentlich noch gar nicht von der Mutter hätte getrennt werden dürfen. Das Leben des „Kleinen Lord“ hing am seidenen Faden, als er am Morgen des 24. Dezember – Heiligabend – im Tierheim Kitzingen abgegeben wurde, nicht einmal zwei Kilo schwer, ein kleines Fellbündel, das sich erbrach und Durchfall hatte. „Ein junges Pärchen hatte den Dackel-Mix aus einem zwielichtigen Transport gekauft, ohne Papiere natürlich – bei Kriminellen, die bei solchen Tiertransporten nur eins im Sinn haben: Geld zu machen. Die Tiere und deren Gesundheit sind ihnen völlig egal“, sagt Silke Walther. Sie sieht dabei sehr wütend aus.

Mit wochenlanger Rund-um-die-Uhr-Betreuung gelang es der Tierheilpraktikerin, den „Kleinen Lord“ durchzubringen. Weggeben konnte sie ihn danach aber nicht mehr. Heute begleitet das quirlige Kerlchen mit den samtigen Ohren und den Knopfaugen am liebsten Joan, Silke Walthers 15-jährige Tochter. Gemeinsam haben Joan und der „Kleine Lord“ in der Hundesportart Agility (Hindernislauf) schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen.

Die Walthers ziehen nicht gerne vom Tierheim weg. Auch weiterhin würde Silke Walther das Notfallhandy in ihre Obhut nehmen, wenn das Tierheim geschlossen ist. Den Abenddienst im Tierheim, den sie drei Mal pro Woche versieht, würde sie ebenfalls weiterführen. Und sie würde auch in Zukunft akute Notfälle zu sich holen. Doch vergangene Woche hat sich der Plan, in Iphofen einen Tierheim-Neubau mit angeschlossener Wohnung für die Walthers zu bauen, zerschlagen (wir berichteten). „Jetzt können wir nicht länger warten!“, sagt Silke Walther. „Wenn das Bergamt das Tierheim wegen der unterirdischen Gefahr schließt, stehen wir auf der Straße.“

In der Außenwand zeigen sich bereits kleinere Risse. „Seit knapp zwei Jahren leben wir jetzt schon quasi auf einem Pulverfass. Das ist echt nicht lustig.“ Seitens der Stadt sei keine Hilfe zu erwarten. Eine rechtliche Handhabe dafür gebe es auch nicht. Die Walthers brauchen zirka 100 bis 120 Quadratmeter Wohnfläche. „Ein Reihenhaus wäre keine gute Idee. Da wäre Ärger mit den Nachbarn programmiert.“ Ein Garten beziehungsweise Freilauf für die Tiere ist obligatorisch. „Mein Lebensgefährte ist Schreiner und ein guter Handwerker“, zeigt sich Silke Walther in Sachen Bausubstanz kompromissbereit. In einem Punkt allerdings kennt die 42-Jährige keine Toleranz: „Meine Tiere sind mein Lebensinhalt. Sie schenken mir Ruhe und Harmonie. Ohne meine Lieblinge gehe ich nirgendwohin.“

Kontakt: walther-silke@t-online.de

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Mehr Bilder: www.inFranken.de



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