KITZINGEN

Neues Leben in Marshall Heights

Martina Meyer und Stefan Schweser sind zehn Jahre nach dem Abschied der Amerikaner in ein Reiheneckhaus in der ehemaligen US-Wohnsiedlung Marshall Heights eingezogen.
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Die „Pioniere“ Stefan Schweser und Martina Meyer sind die ersten Eigentümer, die in ein Reiheneckhaus in den Marshall Heights eingezogen sind. Damit kehrt in der seit 2006 leerstehenden ehemaligen US-Wohnsiedlung wieder Leben ein. Das Bild zeigt die beiden 48-Jährigen vor ihren Reihenhaus mit der Nummer 385 A. Foto: Fotos: Siegfried Sebelka –
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Martina Meyer und Stefan Schweser haben am Mittwoch in Kitzingen ein Stück Geschichte geschrieben. Fast genau zehn Jahre nach dem Abschied der Amerikaner im Jahr 2006 sind die beiden 48-Jährigen offiziell in ein Reiheneckhaus in der ehemaligen US-Wohnsiedlung Marshall Heights eingezogen. Der Termin zum Einzug in eines der Texashäuser am Mittwochmittag war so etwas wie die Geburtsstunde eines neuen Kitzinger Stadtteils.

Der Immobilienmakler Georg Wittmann ist seit drei Jahren Eigentümer der ehemaligen US-Wohnsiedlung mit über 700 Wohnungen in Wohnblocks, Doppel- und Reihenhäusern an der Bundesstraße 8. Er hatte zum Termin eingeladen und war überzeugt: „Bis Ende des Jahres sind alle 103 Texashäuser verkauft.“

Sicher machen ihn einmal die Verkaufszahlen: 26 Kaufverträge sind bereits notariell beurkundet, etwa genau so viele auf dem Weg zum Notar. Und: „Es gibt Interessenten ohne Ende.“ Das sagte Wittmann beim Sektempfang am Mittwoch und verwies gleichzeitig auf die Zufriedenheit der Kunden. Dazu gehören die „Pioniere“ Martina Meyer und Stefan Schweser. Die gehen davon aus, dass sie bald Nachbarn bekommen werden. Der Logistikmanager und seine Lebensgefährtin leben schon seit Anfang Juni auf dem insgesamt 32 Hektar großen Gelände.

Sie haben vorher in der Kaltensondheimer Straße gewohnt. Als Wittmann den Zuschlag für Marshall Heights bekommen hatte, war ihnen klar: „Das ist was für uns.“ Schweser und seine Partnerin haben die Wohnanlage aus den Zeiten der Amerikaner gekannt.

„Wir wussten, dass die Häuser in Ordnung sind“, sagten sie. Und tatsächlich haben sie neben dem Kaufpreis, den Schweser zwar nicht nennen wollte, der Zahl von 130 000 Euro aber auch nicht widersprach, kaum etwas investieren müssen. Neuer Boden, Farbe, Strom- und Wasserzähler, Elektrik überprüfen – das war's. Was noch nicht funktioniert, ist die Heizung. Da ist das neue Blockheizkraftwerk aber kurz vor der Fertigstellung. Auch von außen ist das Haus in Ordnung, eine Wärmedämmung ist da und funktioniert, sagte Schweser.

„Wir haben die Entscheidung keine Minute bereut, für das Geld gibt es in Kitzingen nichts Vergleichbares“, so Schweser. Die beiden waren sich schnell einig, dass Marshall Heights ihr neues Zuhause wird. Weil sie am Tag der offenen Tür im April 2015, als Tausende die Siedlung stürmten, in den USA waren, gab ihnen Wittmann eine Sonderführung.

Danach war die Entscheidung gefallen. Warum es gerade das Reiheneckhaus mit der Nummer 385 A wurde, hat mit der Idylle und einem Reh zu tun. „Als wir uns das Haus ansahen, stand gleich neben der Terrasse ein Reh“, erzählte Meyer. Damit war die Entscheidung gefallen. Jetzt sind sie die ersten Bewohner eines Gebiets, das zu einem eigenen Kitzinger Stadtteil heranwachsen wird.

Davon zeigte sich auch Oberbürgermeister Siegfried Müller beim Einzug sicher. Er gratulierte den ersten Bewohnern und dankte Wittmann für sein Engagement. Der OB erinnerte auch daran, dass es viele Diskussionen und unterschiedliche Meinungen auf dem Weg zum neuen Stadtteil gab.

Im Februar 2015 hatte Wittmann am Ende eines Bieterverfahrens mit seiner Firma Objektentwicklung Wittmann UG den Zuschlag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für die ehemalige US-Wohnsiedlung bekommen. Damals hatte Georg Wittmann die Marshall Heights als eine Jahrhundertchance für Kitzingen bezeichnet. Dass das viele in Kitzingen so sehen, wurde bei einem Tag der offenen Tür deutlich, als Tausende sich in der Wohnanlage umschauten.

Dem Zuschlag an Wittmann folgten drei Jahre Auseinandersetzungen und Verhandlungen. Zunächst ging es um die Frage des Bestandsschutzes der über 700 Wohnungen in den 103 Texashäuser und den 30 Wohnblocks. Den bestätigte Bayerns Innenmister Joachim Herrmann persönlich. Dann folgten die Verhandlungen um den Erschließungsvertrag, der unter anderem regelt, zu welchen Bedingungen die Stadt die Straßen und Kanäle übernimmt. Nach langen Diskussionen rauften sich Eigentümer und Stadt zusammen. Der Kitzinger Stadtrat stimmte im April 2016 dem Erschließungsvertrag zu, schaffte Rechtssicherheit und machte so den Weg für die Nutzung der 103 Texashäuser und fünf Wohnblocks im südwestlichen Bereich (an der Gabelsberger Straße) frei. Damit kam Wittmann am Zug.

Bevor es soweit war, wurde Jahre lang diskutiert. Nach dem Abzug der Amerikaner war eine Fachhochschule auf dem Gelände ebenso einmal Thema wie der Neubau der Klinik Kitzinger Land. Als die Bima den Verkauf vorantrieb, war zunächst auch die Stadt Kitzingen im Spiel. Die lehnte aber per Stadtratsbeschluss im März 2013 das Erstzugriffsrecht ab. Konsequenz war das Bieterverfahren, bei dem Wittmann das Rennen machte.

Die Marshall Heights

Die Beschreibung: Die Wohnsiedlung ist eines von drei großen Arealen in Kitzingen, die bis Mitte 2006 von der US-Army genutzt wurden und Anfang 2007 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übergeben wurden. Nach einem Bieterverfahren wurde im Februar 2014 der Kitzinger Immobilienkaufmann Georg Wittmann Eigentümer.

Die Lage: Direkt an der Bundesstraße 8 am Ortseingang Kitzingen aus Richtung Würzburg.

Die Größe: Rund 32 Hektar mit insgesamt 89 Gebäuden, darunter zwei Schulen, ein Kindergarten, ein Einkaufsmarkt und eine Bowlingbahn.

Die Wohnungen: 736 Wohneinheiten in 30 Mehrfamilienwohnblocks (teilweise in den 90er Jahren saniert) und in 103 nach US-Standard gebauten Reihen- und Doppelhäusern (die sogenannten Texashäuser), in die jetzt wieder Leben kommt.

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