SCHALLFELD/BRÜNNAU

Neuer Radweg wird wieder herausgerissen

Der finanzielle Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, sagt Arnold Bedenk, Landwirt aus Schallfeld. Kaum fertiggestellt, müssen 65 Meter eines Radwegs wieder herausgerissen werden.
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Arnold Bedenk kritisiert als Gemeinderatsmitglied und Steuerzahler den geplanten Bau eines Stauraumkanals neben der B286 zwischen Schallfeld und Brünnau. Dafür muss der neue Radweg bis zur unteren Kreuzung auf einer Länge von 65 Metern herausgerissen werden. Foto: Foto: Norbert Vollmann

Dass angesichts zunehmender Starkregenfälle das Wasser irgendwo und irgendwie beim heuer anstehenden Ausbau der B286 nahe der Grenze zum Nachbarlandkreis Kitzingen bei Schallfeld von der Bundesstraße abgeführt werden muss, stellt Arnold Bedenk gar nicht in Frage. Als Mitglied im Lülsfelder Gemeinderat und als Steuerzahler, wie er betont, „stößt es ihm aber auf“, dass für den Bau des zu diesem Zweck geplanten Stauraumkanals der neue Radweg auf einer Länge von 65 Metern herausgerissen und nach der Verrohrung wieder neu gebaut werden muss.

Der finanzielle Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, so der Landwirt aus Schallfeld. Als Privatmann wäre eine derartige Vorgehensweise undenkbar.

Dabei hätte es seines Erachtens eine sinnvolle und umsetzbare Alternative gegeben, um das Wasser kontrolliert und langsamer dem sogenannten Vorfluter, sprich dem nächsten Bach, zuzuführen.

Arnold Bedenk meint damit den parallel zum Radweg bis zur Unterführung in Höhe von Brünnau entlang verlaufenden Erdgraben. Ihn hätte man stattdessen ausbaggern und die Fließgeschwindigkeit des Wassers durch den Einbau von Hindernissen wie etwa Steinen oder Kaskaden entschleunigen können. Damit wäre annähernd der gleiche Effekt zu erzielen wie mit dem Stauraumkanal, jedoch bei deutlich geringeren Kosten, ist sich Bedenk sicher.

Er beklagt deshalb, „dass hier nicht rechtzeitig vorher miteinander gesprochen wurde, sondern erst, als der Bau des Kanals feststand.“

Auch ein Vorort-Termin mit einer Mitarbeiterin des Staatlichen Bauamtes aus Schweinfurt konnte ihn nicht von der Notwendigkeit des Stauraumkanals in der geplanten Form überzeugen. Dies, zumal künftig zwar verstärkt mit Starkregenfällen zu rechnen sei, die in diesem Bereich anfallenden Wassermengen aber begrenzt wären. Er, so Bedenk, und andere könnten sich nicht erinnern, dass die Bundesstraße an dieser Stelle seit ihrer Verkehrsübergabe im Herbst 1963 jemals überschwemmt worden sei. Schließlich werde hier auch nur die Fahrbahndecke saniert und nicht verbreitert, so dass keine weitere Bodenversiegelung erfolge, betont das Gemeinderatsmitglied weiter.

Für Arnold Bedenk bleibt es dabei: „Kosten und Nutzen klaffen mir zu stark auseinander.“ Und er fügt hinzu: „Man muss als Gemeinderatsmitglied und Steuerzahler auch einmal kritisch denken dürfen.“

Denn zu den Kosten für den Ausbau des Radwegs, die Verlegung der Betonrohre und die anschließende Aufbringung des neuen Radwegs käme der künftige Aufwand für die dauerhafte Wartung und Pflege des Kanals, damit dieser nicht versandet und damit verstopft.

Das Wasser aus dem Kanal fließt in der anschließenden Senke in den aus Quellen gespeisten und von Westen nach Osten fließenden Bach, der wiederum im Bereich der Straße von Brünnau nach Schallfeld in die dort vorbeiführende Schwarzach mündet. Zur Erinnerung: Die Kosten des erst im Herbst 2012 seiner Bestimmung übergebenen neuen und 1148 Meter langen Radwegs im Bereich der Gemeinde Lülsfeld von Schallfeld bis zur Landkreisgrenze bei Brünnau beliefen sich inklusive Grunderwerb anteilig auf gut 200 000 Euro. Dazu gab es eine finanzielle Förderung von 80 000 Euro und damit in einer Höhe von knapp 40 Prozent.

Der Bau des Rad- und Fußwegs ging damals einher mit der Erneuerung der Staatsstraße von Schallfeld nach Brünnau. Er ist an der besagten Stelle drei Meter breit und für das Befahren mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen ausgebaut.

Der im Staatlichen Bauamt in Schweinfurt für den Ausbau der B286 zuständige Abteilungsleiter Rüdiger Köhler bestätigt, es sei richtig, dass keine zusätzliche Fläche versiegelt werde. Das Bauamt sei aber verpflichtet, Verbesserungen an der Entwässerung der Bundesstraße vorzunehmen.

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten werde in diesem Bereich das Straßenwasser künftig nicht mehr über die Böschung abfließen, sondern über eine Schlitzrinne direkt an der Fahrbahn gefasst. Anders als bisher laufe das Wasser dadurch viel schneller zum Vorfluter, sodass künftig das Risiko bestehe, dass dieser die ungedrosselte Wassermenge nicht aufnehmen könne.

Um dies zu vermeiden, sei der besagte Stauraumkanal notwendig, unterstreicht der für den Straßenbau im Landkreis Schweinfurt zuständige Bauoberrat.

Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich den Angaben von Rüdiger Köhler zufolge insgesamt auf rund 110 000 Euro. Rund ein Viertel davon entfalle auf den Rad- und Gehweg.

Dieser ist auf eine Länge von rund 65 Metern betroffen. 32 Meter davon betreffen den Stauraum, die restlichen 33 Meter die Rohrleitung vom Stauraum bis zum bestehenden Vorfluter, sprich zum erwähnten Bach.

Wesentliche Kosten für die Wartung werden seitens des Bauamtes nicht erwartet. Rüdiger Köhler: „Wir gehen davon aus, dass sich die Wartung analog 'normaler' Rohrleitungen verhält und im Rahmen der üblichen Unterhaltsarbeiten der Straßenmeisterei durchgeführt wird.“

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