WÜRZBURG/LANDKREIS

Neuer Leiter der Kreuzbergwallfahrt

So Gott will feiert Heribert Bulla, der Wallfahrtsleiter der Würzburger Kreuzbergwallfahrt, im Dezember seinen 70. Geburtstag. Zeit, die Verantwortung abzugeben.
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Seine letzte Kreuzbergwallfahrt: Heribert Bulla (links) und Landrat Eberhard Nuß am Mittwochnachmittag kurz vor Würzburg. Foto: Foto: Elfriede Streitenberger
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„Mit 70 habe ich einfach ein Alter erreicht, in dem man aufhören kann.“
Heribert Bulla, bisheriger Wallfahrtsleiter
„Kirche und Glauben finden zunehmend auf der Straße statt.“
Michael Seufert, künftiger Wallfahrtsleiter

Dass er den Staffelstab weitergeben will, hatte Heribert Bulla dem Vorstand der Würzburger Kreuzbruderschaft schon im Oktober 2015 mitgeteilt. Es sollte genug Zeit bleiben, nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen. Den hat man mit Michael Seufert (49) aus Rottendorf gefunden. Die Teilnehmer der diesjährigen Kreuzbergwallfahrt erfuhren vom Entschluss ihres Wallfahrtsleiters erst bei Bullas traditioneller Schlussansprache in Reimform am letzten Wallfahrtstag auf dem Weg von Gramschatz nach Rimpar. Die Redaktion sprach mit beiden schon vor ihrem Aufbruch zum Kreuzberg.

FRAGE Herr Bulla, wie lange haben Sie das Amt des Wallfahrtsleiters ausgeübt?

Heribert Bulla: Im Jahr 2001 habe ich die Nachfolge von Hans Riepel angetreten. Somit waren es sechzehn Jahre als Wallfahrtsleiter.

Wie hat sich die Wallfahrt in dieser Zeit verändert?

Bulla: Die Wallfahrt führt ja bereits seit 1647 von Würzburg zum Kreuzberg. Während meiner Amtszeit als Wallfahrtsleiter gab es in erster Linie organisatorische Veränderungen. Alleine war es einfach nicht mehr zu bewältigen. Deshalb wurde mir mit Hubert Hornung ein Wallfahrtssekretär zur Seite gestellt. Für mich ein absoluter Glücksfall und eine deutliche Entlastung. Hubert kannte ich schon aus der Vereinsarbeit in Lengfeld. Auch da funktionierte unsere Zusammenarbeit bereits bestens.

Was war die größte Herausforderung?

Bulla: Eine besondere Hausforderung war die Neuorganisation der zuvor eher unübersichtlichen Quartiervergabe bei der Ankunft am Kreuzberg. Die Quartierbestätigungen für die Übernachtungen im Kloster übersendet Hubert Hornung seither per Mail längst vor der Wallfahrt, so dass vor Ort nur noch die Schlüsselausgabe erfolgt.

Gibt es einen persönlichen Grund für den Rückzug vom Amt des Wallfahrtsleiters?

Bulla: Mit 70 habe ich einfach ein Alter erreicht, in dem man aufhören kann. Ein weiterer Grund sind meine körperlichen Probleme. Zuletzt hat eine Meniskus- und Knorpeloperation meine Entscheidung nur noch bestätigt. Deshalb wird für mich die Wallfahrt 2016 die letzte gewesen sein und ich werde mich auch komplett von der Wallfahrt zurückziehen. Sollte ich dem Vorstand aber noch helfen können oder meine Unterstützung gefragt sein, werde ich sicher nicht Nein sagen.

Umschreiben Sie doch bitte mal die Aufgaben des Wallfahrtsleiters.

Bulla: Die Aufgaben während des gesamten Jahres sind vielfältig, vorrangig jedoch organisatorisch. Sie betreffen in enger Zusammenarbeit mit dem Wallfahrtssekretär die eigenverantwortliche Quartiervergabe am Kreuzberg und in Arnstein, die Quartiersuche in Euerdorf und Burkardroth mit den dortigen örtlichen Helfern. Besprechungen mit den Busfahrern, der wirtschaftlichen und geistlichen Leitung am Kreuzberg, Besuch des jährlichen Wallfahrtsleitertreffens am Kreuzberg, die Abstimmung mit den Verantwortlichen an den Pausenstationen in Wülfershausen, Premich und Waldberg. Begrüßung, Durchsagen und Verabschiedung während der Wallfahrt. Bei mir kam noch die Verantwortung für die technische Ausrüstung wie Mikrofone und Lautsprecher hinzu. Wer sich künftig für den technischen Part begeistern lässt, muss man sehen.

Fragen an den Nachfolger

Herr Seufert, wie fiel die Wahl die Nachfolge als Wallfahrtsleiter auf Sie?

Michael Seufert: Meine erste Kreuzbergwallfahrt war 1988 und seit 1990 gehöre ich der Kreuzbruderschaft an. Einblicke in die Arbeit und Abläufe innerhalb des Vorstands aber waren für mich vor allem in den letzten fünf Jahren möglich, seit ich dem erweiterten Vorstand angehöre. Hier bin ich für die Umsetzung und Betreuung des Internetauftritts der Bruderschaft zuständig. Als Heribert Bulla innerhalb der Vorstandschaft im Herbst 2015 seinen Rückzug nach der Wallfahrt 2016 bekannt gab, wurde meine Name als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht. Da ich aus der Vorstandschaft viel Zuspruch bekam, habe ich mich bei der Vorstandssitzung Anfang 2016 bereit erklärt, das Amt des Wallfahrtsleiters zu übernehmen.

Welche Herausforderungen sehen Sie mit der Amtsübernahme auf sich und die Bruderschaft zukommen?

Seufert: In einer Gesellschaft, die mehr und mehr dazu neigt im Unverbindlichen zu bleiben, sich zu nichts zu verpflichten, wird es immer schwieriger Personen zu finden, die Verantwortung übernehmen wollen. Für die Zukunft vertraue ich aber auch weiterhin auf die Verbreitung des viel zitierten „Wallfahrtsvirus“.

Welche Schwerpunkte sehen Sie in Zukunft für sich, die Bruderschaft und die Wallfahrt?

Seufert: Bruderschaft und Wallfahrt gibt es ja immerhin schon seit 1647. Das ist doch eindrucksvolle Bestätigung dafür, dass man sich trotz steter gesellschaftlicher Veränderungen um den Fortbestand keine Sorgen machen muss. Jedoch ist man gut beraten, dabei an gewissen Eckpunkten und Werten festzuhalten. Steigende oder konstante Teilnehmerzahlen bei der Wallfahrt sind ja eigentlich ein Widerspruch zu den jährlich steigenden Kirchenaustritten. Dass sich bei unserer Wallfahrt zum Kreuzberg nicht nur Katholiken angesprochen fühlen, zeigt für mich aber auch, dass die Bruderschaft auf dem richtigen Weg ist. Kirche und Glauben findet nicht mehr ausschließlich in Gotteshäusern statt, sondern zunehmend auf der Straße.

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