IPHOFEN

Netsuke unter einem Kranich-Himmel

Ein Himmel voller Kraniche: Das Knauf-Museum in Iphofen stellt japananische Figuren aus dem Siebold-Besitz aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Netsuke-Figuren sind sehr detailreich geschnitzt. Foto: Gerhard Krämer
+1 Bild

Ein Himmel voller Kraniche. Es ist nicht verwunderlich, gleich an Japan zu denken. In diesem Fall hat es tatsächlich etwas mit diesem Land zu tun. Doch in die Ferne muss man nicht reisen, Iphofen liegt viel näher, genauer gesagt das Knauf-Museum. Dort darf der Besucher in ein kleines Stück Japan eintauchen,

Klein ist ein gutes Stichwort, spricht doch Museumsleiter Markus Mergenthaler von einem Jahr der Kleinigkeiten im Museum. Was aber nur die Größe der Ausstellungsobjekte betrifft. Zeigt schon die Hauptausstellung „Alltag-Luxus-Schutz“ kleine Schmuckstücke aus dem Alten Ägypten – darin reihen sich die japanischen Netsuke (gesprochen: Nets‘ke) gut ein.

Netsuke sind japanische Miniatur-Schnitzereien, die einst als Gegengewicht zur Befestigung eines am Gürtel des taschenlosen Kimono hängenden Behältnisses (Sagemono) dienten – sozusagen ein „japanischer Knauf“, wie es Cornelia Morper in ihrem Beitrag im zur Ausstellung erscheinenden Begleitband beschreibt. Die Besonderheit der im Knauf-Museum gezeigten Figuren: Sie stammen aus der Münchner Sammlung des Würzburger Arztes, Japan- und Naturforschers Philipp Franz von Siebold (1796-1866), der vor 150 Jahren starb.

Mergenthaler freut sich zudem, auch persönliche Gegenstände Siebolds, wie zum Beispiel dessen Taschenmikroskop und Kompass, zeigen zu können.

Zusammen mit Farbholzschnitten des 19. Jahrhunderts mit japanischen Schönheiten präsentiert das Museum die Netsuke unter einem Kranich-Himmel. Dazu haben sich in vielen Stunden akribischer Arbeit Museumsmitarbeiter zum Falten getroffen. Die Kraniche sind nämlich aus Origami-Papier. An der Decke hängend bilden sie eine Welle und bringen Bewegung in den Raum. Sie beschirmen die filigranen Netsuke-Figuren, deren letzte Details bei dieser Ausstellung mit einer bereitliegenden Lupe erforscht werden können.

Bis zum Aufkommen der Anzüge, als der Kimono beim Mann als Alltagskleidungstück außer Gebrauch geriet, stellte Japan Netsuke-Figuren her, also ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert bis etwa in die 1880er Jahre. Geschnitzt wurden sie aus vielerlei Materialien – vom Wurzelholz bis Elfenbein. Viele nachgemachte Netsuke-Figuren sind auf dem Markt, bei den gezeigten Stücken handelt es sich aber aufgrund der Zeit, denn Siebold hatte sie ja aus Japan mitgebracht, um Originale.

Vom 3. Juli bis 6. November ist die Ausstellung „Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten“ zu sehen.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.