KITZINGEN

LaBrassBanda in Kitzingen: Die Band über Freundschaft und eine Zerreißprobe

Ob vor 70 Japanern in Tokio oder vor 40 000 Fans auf Festivals: LaBrassBanda hat Spaß. Am 12. Juli spielt die Band in Kitzingen.
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Einmal um die Welt gereist und am 12. Juli in Kitzingen: La BrassBanda. Foto: Foto: Steph Wimmer
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Korbinian Weber spielt Trompete. Das ist an und für sich nichts Ungewöhnliches. Doch Korbinian Weber spielt bei einer der angesagtesten Bands Deutschlands. Er stand in München, Berlin, aber auch in Hongkong, Honolulu und Tokio auf Bühnen. Am 12. Juli kommt er mit seinen Kumpels von „La BrassBanda“ nach Kitzingen.

Wie kommt eine bayerische Band in Tokio an?

Korbinian Weber: Wir haben im Rahmen unserer Welttournee 2017 vor ungefähr 70 Leute in Tokio gespielt. Am Anfang haben die schon komisch geschaut, dieses Genre haben sie natürlich nicht gekannt. Und noch dazu diese großen Männer, barfuß und in Lederhosen. Das muss für die Japaner ein skurriles Bild gewesen sein.

Und für Euch?

Es dauert in der Regel zehn Minuten und dann ist es uns völlig egal, wo wir spielen.

Die Sprache spielt keine Rolle?

Ob Bayerisch oder Spanisch: Die Japaner hätten uns so oder so nicht verstanden. War irgendwann auch egal. Bei „Alarm“ haben sie jedenfalls lautstark mitgesungen. Das war schon lustig. Auf die Sprache werden wir komischerweise nur in Bayern angesprochen. Sonst gehts um die Musik.

Sie spielen Trompete. Warum dieses Instrument?

Der große Bruder von meinem Kumpel fing damals ein Instrument zu spielen an. Und das war eine Trompete. Ich war damals sechs Jahre alt und wollte das auch. Ein Nachbar hatte gerade aufgehört, eine Trompete war plötzlich für mich da. Es kam einiges zusammen. Ich hatte relativ schnell Glück, die ersten Auftritte mit acht Jahren. Ich habe viel gespielt, meine Passion gefunden.

Was ist das Besondere am Trompete spielen?

Bei jedem Blasinstrument legst du deine Seele in den Atem. Und klar: Mit der Trompete lässt sich prima eine bestimmte Stimmung vermitteln.

Sie sind seit 2013 Mitglied von „LaBrassBanda“. Wie kam der Kontakt zustande?

Der Gründer der Band und Sänger Stefan Dettl und ich sind nur 60 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen, in der Nähe des Chiemsees. Bei Auftritten haben wir uns kennengelernt, auch mal gegenseitig ausgeholfen, wenn ein Bandmitglied krank war. Wir alle kennen uns über solche Connections oder übers Studium.

Sie sind alle studierte Musiker?

Ja, die anderen haben Jazz studiert, ich Klassik.

Und warum ist nichts aus der klassischen Karriere geworden?

Tatsächlich wollte ich als Jugendlicher Teil eines klassischen Orchesters werden, bei den Münchner Symphonikern zum Beispiel. Aber es ist doch so: Das Publikum im Saal ist im Schnitt deutlich über 60 Jahre, man spielt in Frack und mit Fliege, reißt sich zwei Stunden lang den Arsch auf und am Schluss bekommt nur der Dirigent den Applaus. Da bin ich dann doch lieber einen anderen Weg gegangen.

Nämlich zu „LaBrassBanda“. Schon mal bereut?

Überhaupt nicht. Wir sind alle sehr glücklich, wie es in den letzten Jahren gelaufen ist. Die ersten Konzerte hatten wir im Ausland, in England oder Bosnien. Erst dann sind auch die Clubs in Bayern auf uns aufmerksam geworden. Wir hatten schon unfassbares Glück. Das kann man sich vorher gar nicht ausmalen.

Und die Welttournee im letzten Jahr war der Höhepunkt?

Auf jeden Fall. Anstrengend, aber auch sehr schön. Wir sind in 40 Tagen einmal um die Welt gekommen. Einen Urlaub würde keiner so machen, aber wir wollten unbedingt so viele Länder sehen. Alle zwei Tage am Flughafen zu warten, immer wieder neue Zeitzonen zu erleben. Das war natürlich auch anstrengend.

Und für die Band so etwas wie eine Zerreißprobe?

Man muss sich gut verstehen, um so eine Tournee mit guter Laune zu beenden. 200 Tage am Stück zusammen. Natürlich rauscht es da auch mal, aber der Ärger ist immer wieder schnell verflogen. Frust oder Groll dürfen sich nicht ansammeln. Sonst wird es schwierig.

Und bei Euch wird es nicht schwierig, weil Ihr euch so lange und so gut kennt?

Ich denke schon. Wir gehen auch privat zusammen zu Konzerten, verbringen auch außerhalb der Tour Zeit miteinander. Wir schauen Fußball zusammen, treffen uns zu Grillpartys. Wir sind Freunde.

Und als Freunde spielt es sich leichter auf der Bühne?

Es ist für uns ganz wesentlich, dass die Stimmung innerhalb der Band passt. Musik besteht aus Emotionen.

Und wenn diese nicht passen?

Natürlich gibt es auch Tage, wo einer nicht so gut drauf ist, weil er müde ist oder krank. Das ist ganz normal. Der wird dann unterstützt von den anderen. Das ist ein schönes Miteinander und ich bin überzeugt, dass die Leute beim Konzert das auch im Unterbewusstsein merken, ob wir Spaß haben oder nicht.

Wenn Ihr Spaß habt, dann hat auch das Publikum Spaß? Ist es so einfach?

Ich denke schon. Hat das Publikum keinen Spaß, dann machen wir auf der Bühne so lange rum, bis es richtig mitgeht.

In Kitzingen spielt Ihr open-air. Ist es im Zelt leichter, Stimmung zu erzeugen?

Leichter würde ich nicht sagen, aber es ist anders. Ob drinnen oder draußen: Wir versuchen, überall eine gute Stimmung zu zaubern. Wir bringen jedenfalls unsere eigene Anlage mit und die ist festivaltauglich.

Ihr spielt auf Festivals vor 40 000 Fans. Ist man vor so vielen Leuten immer noch ein wenig nervös?

Nervös bin ich immer, egal vor wie viel Leuten ich spiele. Wenn ich irgendwann nicht mehr nervös bin vor einem Konzert, dann muss ich den Beruf wechseln. Die Anspannung gehört dazu. Bin ich nicht mehr angespannt, ist mir das Konzert egal, sind mir die Leute, die Eintritt bezahlt haben, wurscht. Und dann kann ich auch gleich was anderes machen.

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