KITZINGEN

Naturschutzwacht: Erfolgreiches Kitzinger Modell

Das gibt es nur im Landkreis Kitzingen – und das nun schon seit 30 Jahren: Jetzt feierte die Naturschutzwacht nach dem Kitzinger Modell 30-jähriges Bestehen.
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Ganz in Grün: Landrätin Tamara Bischof mit den Naturschutzwächtern des Kitzinger Modells, die schon seit 25 und 30 Jahren ehrenamtlich im Dienst sind. Foto: Foto: Robert Haass

Das gibt es nur im Landkreis Kitzingen – und das nun schon seit 30 Jahren: Am Dienstagabend feierte die Naturschutzwacht nach dem Kitzinger Modell im Landratsamt ihr 30-jähriges Jubiläum. Und es gibt immerhin 17 Männer, die seit der ersten Stunde dabei sind. Der Kreisobmann des Bauernverbands Alois Kraus sprach von „einer mutigen und im Nachhinein richtigen Entscheidung“.

Vorschlag des BBV

Erich Schmitt, damals Kreisobmann des Bauernverbands im Landkreis Kitzingen, machte vor 30 Jahren den Vorschlag, in jedem Ort, in jeder Gemarkung, einen Landwirt einzusetzen, der das Tätigkeitsfeld des amtlichen Naturschutzwächters übernimmt. Die Vorteile: Der örtliche Landwirt kennt sich gut aus und ist regelmäßig in der Flur unterwegs; Naturschutz wird von der Basis aus entwickelt; vorbeugende Aufklärung vor Ort, Verständnis für Ge- und Verbote werden geweckt, Zuwiderhandlungen können von vornherein unterbunden werden.

Heftig diskutiert

Das Modell war natürlich nicht unumstritten, wurde damals auch heftig diskutiert, denn: Die amtlichen Naturschutzwächter nach dem bayerischen Naturschutzgesetz haben doch weitgehendere Befugnisse. Deshalb auch wurden, so Landrätin Tamara Bischof, im Jahr 2006 drei dieser Naturschutzwächter vor allem für den Bereich am Main quasi als Ergänzung bestellt. Denn der Freizeitdruck dort ist so hoch, dass besondere Kenntnisse über die gesetzlichen Vorgaben und die Personalienfeststellung nötig sind.

Das Modell läuft gut

Aus Sicht des Landkreises, sagte Bischof, läuft das Kitzinger Modell in vielen Gemarkungen sehr gut: Sauberere Fluren, rückläufige illegale Heckenbeseitigungen, weniger Herbizid über die Äcker hinaus, aber auch neue Pflegelandwirte zur Unterstützung des Landschaftspflegeverbands sind sichtbare Ergebnisse der Arbeit der gut 100 Wächter.

Gespräche sind wichtig

Oder wie es Kraus ausdrücke: Mal ein Reifen hier, mal da Müll an einem Wirtschaftsweg einsammeln, nichts Großes, es würde aber fehlen, wenn es das nicht geben würde. Am wichtigsten ist für den Ortsobmann aber das persönliche Gespräch: „Mit der richtigen Person am richtigen Ort zur richtigen Zeit kann das viel bewirken.“ Und Kraus appellierte an die Mitlandwirte: „Es liegt an uns, das Kitzinger Modell in Zukunft weiter zu fahren, wir müssen unsere Arbeit ernst nehmen.“

Schäden vermeiden

Wie wichtig die Arbeit vor Ort ist, zeigte der anschließende Vortrag des Biberberaters Henning Wiedenroth. Denn nur wenn die untere Naturschutzbehörden frühzeitig von der Besiedlung durch einen Biber erfährt, können auch Maßnahmen ergriffen werden. Denn nicht überall ist das Nagetier willkommen, kann es problemlos seine Bauten errichten. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass keine Schäden entstehen“, sagte Hannelore Schoppelrey von der Naturschutzbehörde.

Problemfall Biber

Rund 100 Biber gibt es zwischenzeitlich wieder im Landkreis, wo möglich wird das Tier geduldet, was aber nicht überall geht. Etwa wenn es zu Schäden an Straßen, zu Überflutungen auf Äckern oder ähnlichem kommt. Dann ist die Biberberatung gefragt um mit unterschiedlichen Lösungen die Konflikte zu beheben oder zumindest zu mindern. Das reicht von der Vermeidung von Schäden, etwa durch Höhenregulierung der Dämme des durchschnittlich 25 Kilogramm schweren Tieres oder die Errichtung von Elektrozäunen. Für Betriebe kann es in einer zweiten Stufe auch Entschädigungen durch den allerdings nicht allzu üppig ausgestatteten bayerischen Biberfond kommen. Und als letzte Möglichkeit, wenn gar nichts mehr anderes geht, ist auch die Tötung des Bibers möglich – erst ein mal im Landkreis geschehen.

Keine Wahl

Eine aufkeimende Diskussion über den Umgang mit dem Biber beendete Landrätin Tamara Bischof recht schnell mit dem Hinweis auf den Schutzstatus des Tieres: „Solange der Biber auf der roten Liste steht, bleibt uns keine Wahl - wir sind da nur ausführende Behörde.“ Am Ende der Veranstaltung ehrte die Landrätin eine ganze Reihe Naturschutzwächtern.

Die Geehrten

Zehn Jahre: Werner Beck (Sulzfeld), Willi Bohlender (Neusetz), Matthias Böhm (Ilmenau), Alfred Böhnlein (Dimbach), Michael Eckhof (Prichsenstadt), Hans Friederich (Buchbrunn), Ludwig Geitz (Herrnsheim), Klaus Hörlin (Wässerndorf), Alois Kraus (Biebelried), Waldemar Leibold (Fahr), Walter Lindner (Neuses a. Berg), Rainer Ott (Unterickelsheim), Roland Ritzau (Altenschönbach), Helmut Schmidt (Mönchsondheim), Josef Schwanfelder (Düllstadt), Reinhold Walter (Iffigheim), Leo Weiglein (Geesdorf), Erwin Wunder (Segnitz); 20 Jahre: Ludwig Albert (Wiesentheid), Harald Dennerlein (Wiesenbronn), Martin Fröhlich (Effeldorf), Josef Helbig (Sommerach), Karl Kilian (Nenzenheim), Karl Kramer (Mainbernheim), Karl Mandel (Hellmitzheim), Bernhard Pfriem (Schwarzenau), Rudolf Schaller (Haag), Hans Schleyer (Repperndorf), Udo Weber (Dettelbach); 25 Jahre: Josef Barthelme (Obervolkach), Peter Dorsch (Brück), Bernhard Günther (Etwashausen), Georg Hufnagel (Rimbach), Christian Söder (Mainsondheim); 30 Jahre: Karl-Heinz Bernard (Volkach), Richard Dornberger (Bimbach), Albert Grebner (Järkendorf), Eberhard Gündert (Astheim), Berndt Heilmann (Schnepfenbach), Otto Keidel (Neuses a. Sand), Martin Klein (Feuerbach), Theo Klein (Atzhausen), Richard Mahr (Ebersbrunn), Gotthard Maliske (Greuth), Friedrich Preeg (Marktbreit), Herbert Rühl (Wasserberndorf), Günter Schwab (Kitzingen), Wolfgang Schwab (Birklingen), Willi Stierhof (Dornheim), Ernst Weickert (Laub), Manfred Zwanziger (Abtswind).

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