EBRACH

Nationalpark: "Ein neuer Agrarminister könnte schon was tun"

Cem Özdemir, Bundsvorsitzender der Grünen, machte sich für einen Nationalpark Steigerwald stark. Eine Stunde war er bei seiner Franken-Tour am Baumwipfelpfad bei Ebrach.
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Cem Özdemir lässt sich von Georg Sperber die Entwicklung im Ebracher Forst erklären. „Kartenhalterin“ war Manuela Rottmann, Bundestagskandidatin der Grünen für den Landkreis Haßberge. Foto: Foto: Norbert Finster

Für einen Spitzenpolitiker mitten im Wahlkampf war er extrem pünktlich. Fast auf die Minute genau stieg Cem Özdemir auf dem Parkplatz am Radstein nahe dem Baumwipfelpfad bei Ebrach aus dem Auto.

Der Bundesvorsitzende der Grünen und Spitzenkandidat war nach seinem Besuch in der Abtei Münsterschwarzach (wir berichteten) auf Einladung von Benedikt Schmitt, Vorsitzender des Vereins Nationalpark Nordsteigerwald sowie der Grünen-Kreisverbände Haßberge und Bamberg in den Steigerwald gekommen, um den Unterstützern eines Nationalparks und den regionalen Bundestagskandidatinnen der Grünen, Manuela Rottmann (Kreis Haßberge) und Lisa Badum (Bamberg), einen Besuch abzustatten.

Vor allem Benedikt Schmitt sowie Georg Sperber und der Bamberger Ex-Landrat Günter Denzler, die Urväter der Nationalparkidee, informierten den locker in Jeans und blauem Hemd daherkommenden Spitzenpolitiker über die Auseinandersetzungen, die jetzt schon seit rund zehn Jahren im Steigerwald laufen.

Etwa über das vom Landratsamt Bamberg initiierte Großschutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald bei Ebrach“, das auf der Grundlage von Paragraf 29 des bayerischen Naturschutzgesetzes entstand und von der Regierung Oberfranken wieder aufgehoben wurde. Gegen diese Aufhebung klagen Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz inzwischen in letzter Instanz beim Bundesverwaltungsgerichtshof.

Georg Sperber, bis 1998 Leiter des Forstamts Ebrach, wies auf die Einzigartigkeit der Buchenbestände hin, die zu einem Gutteil ihm selbst aufgrund seines Einsatzes gegen Fichtenmonokulturen zu verdanken sind. Welche großen Flächen einst zu Fichtenbeständen werden sollten, zeigte Sperber anhand einer Karte.

Wald-Ethiker Sperber kritisierte, dass am nahen Baumwipfelpfad (den Özdemir nicht zu sehen bekam) einzig und allein über den genutzten Wald informiert werde. Und Benedikt Schmitt ergänzte, dass die einzigartige Landschaft des Steigerwalds viel zu wenig beworben werde. Cem Özdemir hörte interessiert zu, zeigte durch einige Zwischenbemerkungen, dass er durchaus mit dem Thema Nationalpark Steigerwald vertraut ist.

Aber als Bundespolitiker wolle er sich nicht einmischen. Was er dann doch tat: „Wer den Nationalpark will, muss die Grünen wählen, danach können Sie ja wieder zu Ihrer Ursprungspartei zurückkehren.“ Und ernsthafter: Er kenne keine Region mit Nationalpark, in der Menschen hinterher wieder zum alten Zustand zurückwollten. Zu sehen sei das aktuell am Nationalpark Schwarzwald.

Anstoß für ihn, in den Steigerwald zu kommen, war die Diskussion um den Nationalpark, erklärte Özdemir auf einem kurzen Spaziergang am Radstein. „Ein neuer Agrarminister könnte schon was tun“, meinte der Grüne auf die Frage, was denn die Bundespolitik leisten könne in einer Angelegenheit, die Ländersache ist.

Am Ende des Spaziergangs gab sich Oberschwarzachs Bürgermeister Manfred Schötz als Anhänger nicht des Nationalparks, sondern des Trittsteinkonzepts des Forstbetriebs Ebrach zu erkennen. Dazu Özdemir direkt an Schötz: „Gut, dass wir in Deutschland über solche Meinungsverschiedenheiten reden könne. Da gibt es andere Länder.“

Nach knapp einer Stunde verließ der sympathisch und souverän wirkende Spitzenpolitiker den Steigerwald ebenso pünktlich, wie er gekommen war. Die Stunde im Wald sei für ihn eine schöne Zeit zwischen all den Wahlkampfterminen gewesen. Özdemir ging nicht, ohne den Anhängern des Nationalparks ein Versprechen zu geben: „Zur Einweihung werde ich da sein.“

Nächte Station der Franken-Tour war Ansbach, wo das Bürgergespräch „Cem-Session“ wartete.

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