KITZINGEN

Nah am Wasser gebaut und dennoch weit entfernt vonTränen

Serie "Kitzinger Baustellen" Teil 2: Aus dem ehemaligen BayWa-Gelände wird ein schmuckes Wohngebiet.
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Blickt optimistisch in die nähere Bauzukunft Kitzingens: Wolfgang Rosentritt.
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Natürlich hatte er anfangs ein mulmiges Gefühl. Aber das hat sich längst gelegt. Wolfgang Rosentritt weiß, dass sich die Investitionen gelohnt haben. Das Projekt „Schöner Wohnen am Main“ wird ein Erfolg. 30 von 31 Wohnungen sind verkauft.

Im Oktober 2016 hat der Bauingenieur aus Gerolzhofen das Projekt angeboten bekommen. „Vier Wochen später war ich beim Notar.“ Was ihn gereizt hat? Genau das, was auch die Käufer reizt: Die unverbaubare Lage am Main, der Blick zum Schwanberg. Und die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen.

Zunächst einmal musste allerdings das BayWa-Lagerhaus mit seinen Nebenstellen abgerissen werden. Ein Risiko. Schlummern irgendwelche Überraschungen im Erdreich? Gibt es Materialien, deren Entsorgung teuer zu stehen kommt? „Die Voruntersuchungen waren gut“, erinnert sich der 37-Jährige. Und so haben sich die Überraschungen in Grenzen gehalten. Einen zweistelligen Millionenbetrag hat Wolfgang Rosentritt in das Projekt investiert. „Die Kalkulationskosten sind einigermaßen fest“, erklärt er. Die Fragen lauteten eher: Wie gut lassen sich die Wohnungen in Kitzingen verkaufen? Und zu welchem Preis?

Die Antworten sind längst klar. Ein halbes Jahr vor Fertigstellung ist nur noch eine Wohnung in der Glauberstraße mit der Hausnummer 7 übrig. Zwei weitere, deutlich kleinere Gebäude sollen nebenan entstehen. Drei Geschosse plus Dachgeschoss und eine ebenerdige Garage sind vorgesehen. Dort will Rosentritt weitere 14 Wohnungen anbieten. Der Baubeginn steht noch nicht fest. Erst sollen 60 Prozent dieser Wohnungen verkauft sein.

Mit den bisher erzielten Verkaufspreisen ist der 37-Jährige zufrieden. Seine Erfahrung: Kitzingen hat sich zu einem beliebten Umfeld für Investoren und Wohnungskäufer entwickelt. Im Gegensatz dazu ist der Immobilienmarkt in Würzburg nach Rosentritts Einschätzung überhitzt. Neue Projekte? Sind dort kaum noch zu realisieren. Die Folge: Anleger und Eigeninteressenten schauen sich in den umliegenden Kleinzentren um. Gesucht sind zentrumsnahe Standorte. Mit der Folge, dass auch dort die Preise steigen.

Bei etwas mehr als 3000 Euro pro Quadratmeter liegt der Verkaufspreis für „Schöner Wohnen am Main“. Im Vergleich zu Würzburg immer noch ein Schnäppchen. Etwa 2000 Euro pro Quadratmeter mehr müssen dort investiert werden. Tatsächlich hat es ein paar Interessenten aus dem Würzburger Raum nach Kitzingen gezogen. Die meisten kommen jedoch aus dem Kitzinger Einzugsbereich. Etwa 60 Prozent der Käufer werden ihre Immobilie gleich nutzen, die anderen 40 Prozent sind Investoren, die ihre Wohnungen erst einmal weiter vermieten. „Das hat mich schon überrascht“, bekennt Rosentritt. Mit so vielen Investoren hatte er nicht gerechnet. Seine Erklärung fasst er in einem Wort zusammen: Nachhaltigkeit. Direkt am Wasser sind Wohnungen nicht nur am attraktivsten – sondern auch am teuersten. „Und daran wird sich nichts ändern“, prophezeit er.

Weil das Gebäude im Überschwemmungsgebiet liegt, musste das Architekturbüro Oechsner jedoch Vorsichtsmaßnahmen einplanen. Im Erdgeschoss sind lediglich Keller und Stellplätze untergebracht, die Wände sind so konzipiert, dass mögliches Schwemmgut wie Bäume keine gravierenden Schaden hinterlassen. Gleichzeitig ist eine Holzpellet-Anlage im Erdgeschoss untergebracht, die das Gebäude mit Wärme versorgt. „Das ist aus regenerativen Überlegungen vernünftig“, sagt Rosentritt. „Gleichzeitig mussten wir dafür sorgen, dass ins Erdgeschoss kein Wasser eindringen kann.“ Der eigentliche Wohnbereich beginnt im ersten Stock und zieht sich bis in den sechsten Stock, mit Blick auf den Steigerwald, hinauf. Von 63 bis hin zu 170 Quadratmeter sind die Wohnungen geschnitten. Dennoch: Familien haben sich kaum für die Wohnungen interessiert. „Es sind vor allem Menschen um die 50 plus, die gekauft haben“, erklärt Rosentritt.

Bis Ende August soll die Glauberstraße 7 fertiggestellt sein. Mitte des Jahres fangen die Planungen für die zwei Gebäude mit den Nr. 3 und 5 an – sollten 60 Prozent der Wohnungen bis dahin verkauft sein. Bis Ende 2019 könnte das Mammutprojekt am Main dann abgeschlossen sein – zumindest für die Betrachter von außen. Wolfgang Rosentritt weiß, dass er noch ein wenig warten muss, bis er einen endgültigen Strich unter das Projekt machen kann. „Vom Einkauf bis zum Ablauf der Gewährleistung werden neun Jahre vergangen sein“, sagt er.

Daten: Die Wohnfläche beträgt im Ganzen zirka 4600 m2 auf einer Grundfläche von 5450 m2. Alle Eigentumswohnungen sind barrierefrei über einen Aufzug zu erreichen und verfügen über einen Balkon. Auch Garagen und Stellplätze sowie je ein zugewiesener Kellerraum sind inbegriffen.

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