Kitzingen

Nachwuchsorganisten ziehen alle Register

Mal tanzen die Töne leise und beschwingt durch den Raum, mal marschieren sie jubilierend und festlich, mal überfluten sie ihn dramatisch, dröhnend und laut: Die Orgel bietet eine Vielfalt und Klangfülle wie kaum ein anderes Instrument. Diese Vielfalt hat es Constanze Baier, Annette Dürr, Aneka Nowak, Markus Pfeuffer und Hugo Linhart angetan.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Orgelspiel ist ihre Leidenschaft – und darin investieren sie viel Zeit: Die Orgelschüler Hugo Linhart, Annette Dürr, Markus Pfeuffer, Aneka Nowak und (hinten) Constanze Baier haben bei der Orgelmusik zur Marktzeit in der St. Johanneskirche in Kitzingen ein Konzert gegeben.
+1 Bild

Mal tanzen die Töne leise und beschwingt durch den Raum, mal marschieren sie jubilierend und festlich, mal überfluten sie ihn dramatisch, dröhnend und laut: Die Orgel bietet eine Vielfalt und Klangfülle wie kaum ein anderes Instrument. Diese Vielfalt hat es Constanze Baier, Annette Dürr, Aneka Nowak, Markus Pfeuffer und Hugo Linhart angetan.

Fünf junge Menschen. Unterschiedliches Alter, unterschiedliche Heimatorte, unterschiedliche Charaktere. Doch sie teilen eine Leidenschaft – und die gehört einem ganz besonderen Instrument. Sie alle sind Orgelschüler, lernen beim Kitzinger Dekanatskantor Christian Stegmann oder bei Konrad Bürkle, Dekanatskirchenmusiker aus Ochsenfurt, das schwierige Instrument zu spielen. Bei der Orgelmusik zur Marktzeit in der St. Johannes-Kirche in Kitzingen konnten sie unter Beweis stellen, was sie bereits können. Und tatsächlich: Verstecken müssen sie sich mit ihrer Musik nicht, im Gegenteil.

„Unser Organist ist schon älter“, erzählt Markus Pfeuffer aus Oellingen. Alle Gottesdienste abzudecken, sei ihm nicht immer möglich. Weil Markus Keyboard gespielt hat, wurde er eines Tages gefragt, ob er nicht spielen könne – und als er am Instrument saß, hat er schnell Feuer gefangen. Zwei Jahre hat er inzwischen schon Orgelunterricht und untermalte mit seinen gerade mal 14 Jahren schon viele Gottesdienste. Die Atmosphäre gefällt ihm, vor allem in den Weihnachtsgottesdiensten, wenn die Kirche voll ist und die ganze Gemeinde „Stille Nacht“ oder „O du fröhliche“ mitsingt. „Das ist ein ganz besonderes Gefühl.“

Anfangs nur eingesprungen

Aneka Nowak aus Ochsenfurt spielt bereits ein Jahr länger Orgel als Markus und wird wie er von Konrad Bürkle unterrichtet. Als vor drei Jahren eine Aushilfe gesucht wurde, klingelte bei der Familie das Telefon – eigentlich sollte ihre Mutter einspringen. Da die aber keine Zeit hatte, setzte sich kurzerhand Aneka an das Instrument, wobei ihr zugute kam, dass sie schon seit langem Klavier spielt. Damit war die Basis gelegt.

„Es ist sehr hilfreich, wenn man Klavierspielen kann“, sagt Christian Stegmann. Er ist nicht nur Kantor in St. Johannes und Regionalkantor, sondern auch Orgelsachverständiger des Bistums Würzburg für die Dekanate Ochsenfurt und Kitzingen. Er kennt die Orgeln in der Region und die weisen teilweise gravierende Unterschiede auf.

Eine Orgel ist nicht nur ein sehr großes, sondern auch ein kompliziertes Instrument. Wer die Disposition der umfassenden Vleugels-Orgel in St. Johannes durchliest, stößt auf Worte wie Koppel Super III/II, Preadestant 8‘, Vox humana 16?, Doppelgedackt 8?, Salicional 8?, auf die Crescendo-Walze, auf 2560 Setzer. All das sagt dem musikalischen Laien nichts und vielen, die ein anderes Instrument spielen, auch recht wenig. Die Orgelschüler aber müssen wissen, wie das jeweilige Instrument klingt, was es kann, welche Register sie ziehen, welche Pedale sie drücken müssen.

Dass man nicht auf jeder Heimatorgel alles spielen kann, macht das Lernen nicht einfacher. Die Sulzfelder Orgel zum Beispiel, die Heimatorgel von Annette Dürr, hat elf Register. Die in St. Johannes, an der sie beim Konzert ein Lied aus „24 Pieces en style libre“ von Luis Vierne spielte, umfasst 54. Annette ist mit 14 Jahren in den Jugendchor von Christian Stegmann gekommen. „Ich fand es immer so cool, wie er Orgel spielt.“ Der Kantor steckte sie mit seiner Leidenschaft für das Instrument an. „Bevor ich mit dem Unterricht anfangen konnte, musste ich erst mal Klavier lernen.“ Anfangs sei es dann auch schwierig gewesen, sich vom Sulzfelder Instrument auf ein anderes umzustellen, doch mittlerweile klappt es sehr gut.

Dass sie ein „fremdes“ Instrument spielen, ist für die meisten Organisten Alltag. In vielen Gemeinden gibt es den einen, festen Organisten nicht mehr. Man wechselt sich ab, spielt häufig in verschiedenen Kirchen.

Die Vleugels-Orgel in St. Johannes ist die Heimatorgel von Constanze Baier aus Kitzingen. Sie hat schon mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu spielen. „Aus einer Samstagabendlaune heraus“ hat sie sich nach einigen Jahren auch an die Orgel gewagt. „Das macht mir wahnsinnig viel Spaß.“ Musik spielt im Leben der Elftklässlerin eine sehr große Rolle. Neben Klavier und Orgel spielt sie Posaune, außerdem nimmt sie Gesangsunterricht. Momentan absolviert sie den C-Kurs, will demnächst die D-Prüfung zur Ausbildung als nebenamtlicher Kirchenmusiker ablegen. Bis zu zwei Stunden übt sie täglich, das können sich viele ihrer Bekannten gar nicht vorstellen. Doch wenn Constanze über Musik spricht, strahlen ihre Augen, das Lächeln mag gar nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen. „Es ist toll, die Lieder im Gottesdienst zu begleiten.“ Die Musik zum Beruf zu machen, das kann sich Constanze sehr gut vorstellen, sie strebt ein Musikstudium an.

Bis in die kleinste Nische

„Constanze ist eher eine Literaturspielerin“, erklärt Kantor Stegmann, während der Würzburger Hugo Linhart gerne improvisiert. Seit eineinhalb Jahren spielt er Orgel. Auf die Idee ist er gekommen, weil er im Dom in Würzburg singt. Bei der Orgelmusik zur Marktzeit in Kitzingen füllt er mit seiner Improvisation zum Kilianslied mit lautem, dröhnendem, dramatischem Spiel das große Gotteshaus bis in die kleinste Nische.

Einmal pro Woche werden die jungen Organisten in der Regel unterrichtet, jeweils fünf Schüler haben Christian Stegmann und Konrad Bürkle derzeit. Sie sind nicht alle so jung wie die fünf Teilnehmer des Konzerts, manch einer entschließt sich erst viel später für Orgelunterricht. Wer Interesse hat, das vielfältige Instrument zu lernen, kann sich bei Christian Stegmann melden (christian.stegmann@bistum-wuerzburg.de)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren