KITZINGEN

Nachwehen eines Kümmert-Konzerts

Mitten im Landkreis-Faschingsumzug tauchte er auf: Andreas Kümmert. Zwar nicht live und in Farbe, dafür aber als eigener Wagen: Es war eine Anklage gegen das Ordnungsamt.
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Motivwagen als Protestaktion: Der Andreas-Kümmert-Fanclub prangerte beim Landkreis-Faschingsumzug am Dienstag an, dass ein Benefizkonzert vergangenen Sommer um 22 Uhr zu Ende sein sollte. Foto: Foto: Hartmut Hess

Mitten im Landkreis-Faschingsumzug am Dienstagnachmittag in Kitzingen tauchte er auf: Andreas Kümmert. Zwar nicht live und in Farbe, dafür aber als eigener Wagen: „Wen kümmert's“ stand da in großen Buchstaben. Dazu eine schriftliche Anklage gegen das Ordnungsamt sowie ein paar Plakate mit dem Konterfei des aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart) stammenden Gewinners der Casting-Show „The Voice of Germany“.

Der Wagen war so etwas wie eine Protestaktion und bezog sich auf eine Geschichte aus dem vergangenen Sommer: Im August hatte der stimmgewaltige Sänger am Gasthaus Mainlust in Kitzingen ein Open-Air-Konzert gegeben. Organisiert wurde der Auftritt vom Andreas-Kümmert-Fanclub, der sich monatlich in dem Gasthaus trifft und dem rund 35 Mitglieder angehören.

Die 22-Uhr-Sperrstunde

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es seinerzeit Ärger gegeben. Marion Warschecha, deren Sohn Florian die Gaststätte am Kitzinger Floßhafen betreibt, war beim Ordnungsamt im Kitzinger Rathaus vorstellig geworden, um zu erreichen, dass das Konzert von 19 bis 22.30 Uhr stattfinden kann.

Was einfach klingt, wurde zu einer komplizierten Angelegenheit. Das Problem: Normalerweise ist um 22 Uhr Sperrstunde. Was auch für ein Open-Air gilt. Eine halbe Stunde über der Zeit – das kann schnell zum Politikum werden. Das Ansinnen, über die Sperrstunde zu gehen, sei bei der Stadt auf taube Ohren gestoßen, so Marion Warschecha. Nach eigener Aussage sprach sie mehrfach im Ordnungsamt vor. Mit dem lapidaren Hinweis auf die Stadtverordnung und die 22-Uhr-Regelung wurde ihr jedoch nicht gestattet, bis halb elf die Musik laufen zu lassen. Am Ende ging die Kitzingerin noch einen Schritt weiter und nutzte die Bürgersprechstunde von Oberbürgermeister Siegfried Müller.

Für den OB war die Sache nach dem Gespräch erledigt. Warum jetzt der Faschingswagen aufgetaucht sei, könne er nicht verstehen. Auch Frank Winterstein, Leiter des Ordnungsamtes, betont, dass man sich seinerzeit geeinigt habe: Es hätte zwar „einigen Klärungsbedarf“ gegeben, der sich „etwas schwierig gestaltet“ habe, am Ende sei „die Veranstaltung mit Hinweis auf die allgemeine Nachtruhe genehmigt“ (22 Uhr) worden.

Wen kümmert's?

Beim 35-köpfigen Fanclub sieht man das etwas anders. Dort ist man immer noch sauer – was schließlich zu dem Faschingswagen und der Teilnahme an dem Umzug führte.

Dass man mehrere Tage vergeblich für ein solches Open-Air kämpfen musste, könne nicht sein. Bei der Stadt, so der Vorwurf, habe sich keiner so recht um ihr Anliegen geschert – deshalb auch das doppeldeutige Motto des Wagens: „Wen kümmert's?“

Zumal man als Fanclub aufgetreten sei und Andreas Kümmert „nicht irgendwer“ sei. Außerdem habe es sich um ein reines Benefizkonzert gehandelt. Dafür habe man zu viele Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen, so Warschecha. Ihr ist inzwischen klar, warum die einstige Stadt der Musikkneipen heute in diese Richtung ein trauriges Bild abgebe.

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