KITZINGEN

Nach Haschkeks: War die Angeklagte fahrunfähig?

Was tun, wenn sich der Polizeibericht nicht mit den Einschätzungen des Arztes deckt? Ein solcher Fall wurde nun am Kitzinger Amtsgericht verhandelt.
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Wie sich eine 25-Jährige bei einer Verkehrskontrolle verhalten hat, kam einem Polizisten merkwürdig vor. Er vermutete, dass die junge Frau unter Drogen stand und ordnete einen Test an. Und der Bluttest bestätigte den Verdacht des Beamten: Es stellte sich heraus, dass die 25-Jährige am Abend davor Cannabis konsumiert hatte.

Doch die Wahrnehmungen des Polizisten stimmten am Ende nicht ganz mit der Einschätzung des Arztes überein. Vor Gericht musste nun geklärt werden, inwieweit die Angeklagte im November vergangenen Jahres fahrunfähig gewesen war oder nicht. Fahrlässige Trunkenheit im Verkehr aufgrund von Cannabiskonsum lautete die Anklage. „Ich weiß, dass es ein Fehler war, dass ich Haschkekse gegessen habe“, räumte die angeklagte Steuerfachangestellte gleich zu Beginn ein. An dem Abend davor sei sie bei einer Freundin gewesen und habe höchstens zwei Cannabis-Kekse gegessen.

Am nächsten Morgen hinters Steuer gesetzt

Danach sei sie müde geworden und eingeschlafen. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, habe sie sich wieder fit gefühlt und stieg ins Auto. „Ich dachte, das sei wie bei Alkohol, dass das aus dem Blut geht“, sagte die 25-Jährige.

Auf der Fahrt nach Hause wurde sie von einer Polizeistreife angehalten. Weil die Angeklagte übernächtigt aussah, sei sie kontrolliert worden, sagte ein Polizist vor Gericht aus. Ihr Verhalten kam dem Beamten ebenfalls seltsam vor: Die Frau sei bereits unsicher aus dem Auto gestiegen, habe sich an ihrem Fahrzeug festhalten müssen, gerötete Augen gehabt und verzögert auf Fragen reagiert.

Verdacht des Polizisten: Alkoholkonsum

„Zuerst dachte ich, sie ist betrunken“, sagte der Polizist. Als der Alkoholtest aber negativ war, vermutete er etwas anderes. Als er die Angeklagte fragte, ob sie eventuell Drogen konsumiert habe, sei die Stimmung komplett gekippt. Sie sei plötzlich nervös geworden, habe nur noch patzige Antworten gegeben und sämtliche Tests vor Ort verweigert. Auch sei ihre Stimmung stark schwankend gewesen – von aufgeregt bis hin zu abwesend und gleichgültig.

Daraufhin wurde sie zur Blutentnahme auf die Dienststelle gebracht. Zum Arzt sei sie dann wieder normal gewesen. „Vielleicht lag das auch an mir und sie konnte mich einfach nicht leiden“ , vermutete der Polizist. Dass der Umgang nicht besonders freundlich gewesen sei, räumte auch die Angeklagte ein. Sie sei nervös gewesen, weil der Beamte so ruppig mit ihr umgegangen sei. Aber sie habe sich auf keinen Fall so verhalten wie es im Polizeibericht stand, betonte sie.

Arzt hatte anderen Eindruck

Die Einschätzungen des Arztes deckten sich ebenfalls nicht mit den Wahrnehmungen des Polizisten. Die junge Frau habe einen sicheren Gang gehabt, habe deutlich sprechen können, sei bei vollem Bewusstsein gewesen, habe eine unauffällige Stimmungslage gehabt und nur den leichten Anschein des Drogenkonsums gemacht, lautete es im Bericht des Arztes. Für den Verteidiger der Angeklagten stellte sich daher die Frage, wie der Beamte diesen Widerspruch erkläre könne? „Der Arzt macht seine Feststellung wir unsere“, sagte dieser.

Ob das Verhalten der Angeklagten ausschließlich drogenbedingt auffällig war, bezweifelte auch ein Sachverständiger nach der Aussage des Beamten. Er habe den Eindruck, dass ihr Verhalten situationsbedingt gewesen sei. Die Angeklagte wies zwar einen relativ hohen THC-Gehalt von sechs Nanogramm im Blut auf, woraus man allerdings überhaupt nichts schlussfolgern könne. „Trotz eines hohes Werts, kann Cannabis sehr unterschiedlich wirken“, erklärte der Rechtsmediziner.

Der Richter schlug der Angeklagten und der Staatsanwältin folgendes vor: Das Verfahren wird eingestellt und es gibt keine Punkte in Flensburg für die Angeklagte, wenn sie 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt und auf eine Entschädigung für das laut Amtsrichter zu lange Fahrverbot von fünf Monaten verzichtet. Beide Seiten stimmten dem zu, das Verfahren wurde eingestellt.

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