MAINBERNHEIM

Nach Großbrand: Keine Zeit zum Verzagen

Tag 5 nach dem großen Brand: Der Zykloopenhof im Mainbernheimer Brunnenwasenweg (Lkr. Kitzingen) liegt in Trümmern. Aber Famile Zäh gibt nicht auf.
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Die Hilfsbereitschaft von Freunden und Verwandten ist groß in diesen Tagen. Hier bauen einige Männer gerade eine provisorische Anlegestelle für die Pferde.
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Tag 5 nach dem großen Brand. Der Zykloopenhof im Mainbernheimer Brunnenwasenweg liegt in Trümmern. Absperrband flattert im Wind vor verkohlten Fassadenresten, verkokeltem Holz und Türmen von Schutt. Die rund 30 Pferde, die im Gehöft leben, sind mittlerweile in provisorischen Zelten untergebracht und stehen auf der Koppel. Und Besitzer Johannes Zäh? Der schließt heute eine Versicherung ab. „Für die vielen Helfer, die zu uns auf den Hof kommen“, sagt der 33-Jährige.

In der Tat ist die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, dem Freundeskreis und den Geschäftspartnern des Reiterhofes mit seinem Pferdeshop groß in diesen Tagen. Gleich am Montag waren rund 50 Leute vor Ort, die eilig georderte Unterstellmöglichkeiten für die Pferde aufbauten, deren Besitzer ihre Tiere auf dem Zykloopenhof am Mainbernheimer Stadtrand versorgen und versorgen lassen.


Und jeden Tag lassen sich andere Unermüdliche auf dem Hof blicken, packen mit an. Vom großen Stall, der einst Kühe beherbergte und vor einigen Jahren mit Buchten für die Pferde umgebaut wurde, ist nichts mehr da. Ebenso wenig wie von der Photovoltaikanlage auf dem Dach, Teile der Ausläufe und vom Shop, in dem Johannes Zäh mit Ehefrau Nadine erst im vergangenen Jahr den „Paso-Shop“ mit Utensilien rund um die Tiere einrichtete.

„Ich bin froh, dass wir noch leben“, sagt sie, immer noch aufgewühlt von den Ereignissen am Sonntag, als sie das Feuer entdeckte und ihren Mann und die auf dem Hof lebende Schwiegermutter alarmierte. Da hatte ein Autofahrer gegen 14.15 Uhr schon Rauch von der B 8 aus gesehen und die Feuerwehr gerufen. Rasch waren mehrere Streifen der Kitzinger Polizei, der örtlichen Wehren, des Rettungsdienstes samt Notarzt und Notfallseelsorger und des THW vor Ort. Neben der rettungs- und sanitätsdienstlichen Hilfeleistung war auch die Verpflegung der Einsatzkräfte Aufgabe der 34 Rotkreuzler. Beim Eintreffen der Wehr brannte die Scheune lichterloh.

Die Floriansjünger kamen am Sonntag keinen Moment zu früh. Der Carport zwischen Scheune und Wohnhaus ist ebenso verbrannt, darunter steht noch der Torso eines Autos. Die Eingangstüre zum Haus ist ebenfalls mit dem Feuer in Berührung gekommen. Es hätte nicht mehr lange gedauert, dann wäre den Zähs auch das Dach über dem Kopf abgefackelt.

Erst am Dienstagabend zog die Wehr aus Mainbernheim ihren Löschwagen ab. Den ganzen Tag zuvor waren immer wieder Glutnester gefunden worden, hie und da fing es an zu glimmen. Acht Mann hatten die Brandwache in der Nacht auf Montag übernommen.

Funktionieren – das ist derzeit die Prämisse der Zähs. Da ist keine Zeit zum Selbstmitleid, wenn Tiere versorgt und die Helfer koordiniert werden müssen. Und noch keine Zeit zum Verarbeiten des Schocks. Funktioniert hat am Sonntag auch Johannes Zäh. Glücklicherweise standen die meisten Pferde draußen auf den Koppeln. Nur eines nicht. Das befreite Zäh, todesmutig darf man sagen.

Von diesem Einsatz wird er noch eine Weile gezeichnet sein. Die komplette rechte Seite seines Gesichts und Körpers wurde angesengt, den Arm trägt er im Verband. „Ich sehe doch aus wie ein knuspriges Schäufele“, scherzt der Landwirt und im Hauptberuf Kitzinger Stadtgärtner. Galgenhumor, wie man ihn wohl braucht, um angesichts einer nahezu vernichteten Existenz wieder Mut zu schöpfen.

Der Schaden geht in den hohen sechsstelligen Bereich, noch müssen sich die Versicherungen ein Bild vom Ausmaß machen. Die Kriminalpolizei hat die Brandstelle am Donnerstagnachmittag frei gegeben. Die Ursache wurde noch nicht gefunden. Am Mittwoch waren die Beamten mit einem Spürhund auf dem Hof unterwegs. „Wir ermitteln nach wie vor in alle Richtungen“, erklärt man in der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Würzburg.

Die Zähs hatten in den vergangenen Jahren viel Geld in ihren Pferdehof und den Shop investiert und diesen sukzessive mit immenser Eigenleistung aufgebaut. Mit dabei ein ganzer Tross an Freunden und Familienmitgliedern, die eine enge Gemeinschaft bilden und teils selbstlos mit anpacken. „Gerade hatten wir das Dach saniert, die Geschäfte begannen gut zu laufen. Jetzt das“, seufzt Nadine Zäh.

Doch keine Zeit zum Verzagen. Was die Zähs und ihre Freunde und Verwandten in den vergangenen Tagen schon alles wieder angepackt haben, immens. „Die Grundversorgung aller Pferde, egal in welchem Trakt des Hofes, ist gesichert“, sagt Nadine Zäh. Das gilt auch für die Tiere in den verpachteten Stallungen, die ebenfalls in Trümmern liegen und deren Pächter auch um jede Hilfe dankbar sind.

Hilfe, die kommt derzeit auch durch zahlreiche Sachspenden, oft in Form von Heu. „Wir danken für alles, bitten aber darum, diese Zuwendungen mit uns zu koordinieren. Wir haben teils keine trockenen Lagermöglichkeiten“, erklären die Beiden.

Freunde von Johannes Zäh wollen ein Benefizkonzert für den Hof in Mainbernheim organisieren. Voraussichtlich am 17. und 18. Juni, freitags mit dem Duo Le.cker, samstags mit Bands aus dem Heavy Metal-Bereich.

 

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