FRÖHSTOCKHEIM/WÜRZBURG

Mutmaßlicher Mörder nicht schuldfähig

Sechs Monate nach dem Mord an einer 62-Jährigen in Fröhstockheim (Lkr. Kitzingen) ist klar: Der mutmaßliche Täter - ihr Sohn - kommt in eine Klinik.
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Hat der Sohn die 62-Jährige getötet?
Das Haus in Fröhstockheim, in dem die 62-jährige Frau Anfang März entdeckt worden war. Foto: Harald Meyer

Der Mann, der Anfang März (wenige Stunden nach der Tat) festgenommen wurde, kam zunächst wegen Verdachts des Mordes in Untersuchungshaft. Er ist aber nicht mehr dort, sondern in einer Klinik, die psychisch Kranke betreut – und soll dort auch bleiben, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht. „Es liegt ein Antrag auf Unterbringung vor,“ sagte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, Sprecher der Ermittlungsbehörde, am Donnerstag auf Anfrage.

Raufeisen bezeichnete den Tatverdächtigen als einen Menschen aus dem „engsten familiären Umfeld der Toten“, ohne seine Identität zu nennen. Sowohl aus dem Umfeld der Getöteten als auch aus Ermittlerkreisen wurde aber bereits in den Tagen nach der Tat bestätigt, dass es sich bei dem 29-Jährigen um den Sohn der ermordeten Frau handle.

  • Hat der Sohn die 62-Jährige getötet? (12. Juni 2016)
  • Nach mutmaßlichem Mord an Frau: Tatverdächtiger gefasst (3. März 2016)
  • Polizei findet tote Frau und fasst Verdächtigen (2. März 2016)

Hinweise auf einen bedenklichen gesundheitlichen Zustand des Mannes hatten sich bereits aus Schilderungen von Zeugen um Umfeld der Bluttat ergeben. Der 29-Jährige, der mit seiner Mutter in Fröhstockheim in einem Haus gewohnt haben soll, hatte sich bereits vor der Bluttat verdächtig gemacht.

Er soll auffallend vor dem Haus hin und her gelaufen sein. Er habe auch bei Nachbarn geklingelt und gefragt, ob ihr Haus sicher sei. Am Morgen der Tat will ein Nachbar aus dem Haus Geräusche gehört haben.

Stunden vor der Entdeckung der toten Frau in ihrem Haus in Fröhstockheim fiel in einem Bus, der Richtung Würzburg fuhr, der junge Mann auf. Er hatte ungewöhnlich bunte Kleidung an und trug eine ungewöhnlich große Menge an Geldscheinen in der Hand herum.

Deshalb wurde auch im Würzburger Hauptbahnhof eine Streife der Bundespolizei auf ihn aufmerksam. Sie kontrollierte ihn, musste den Mann aber wieder ziehen lassen. Stunden später wurde die Leiche der 62-Jährigen gefunden. Rasch stellten die Polizisten eine Verbindung her. Recherchen ergaben, dass der Sohn nach der Polizeikontrolle in einen Zug nach Frankfurt gestiegen war. Dort ließ er sich am Vormittag widerstandslos festnehmen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts. Eine Obduktion bestätigte, dass „nach einer ersten Einschätzung Gewalteinwirkung zum Tod der Frau geführt haben dürfte“.

Bereits am Wochenende vor dem gewaltsamen Tod der Frau war der Sohn laut einer Pressemeldung in Würzburg aufgefallen – durch aggressives Verhalten gegenüber der Polizei. Seine Mutter musste ihn abholen, bestätigte eine enge Vertraute der Frau. Zuvor war der 29-Jährige ohne ersichtlichen Grund am Würzburger Mainkai auf einen Streifenwagen zugelaufen. Er schlug gegen die Scheibe, öffnete die Tür.

Er zeigte zunächst seinen Personalausweis. Dann rannte er weg, wurde eingeholt, verhielt sich aggressiv und musste gefesselt werden. Die Polizeibeamten stellten eine Alkoholisierung von 1,24 Promille sowie den Konsum von Betäubungsmitteln fest. Der Mann wurde damals zur Ausnüchterung mitgenommen.

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