Ochsenfurt
Gericht

Mit Kürbissen die Straße blockiert

Die beiden Jugendlichen, die nachts Kürbisse auf die Straße zwischen Marktbreit und Ochsenfurt gelegt hatten, kommen mit einem blauen Auge davon. Das Verfahren wurde eingestellt, sie müssen nur Sozialstunden ableisten.
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Sechs große Kürbisse sind Ende Oktober 2012 nicht für Halloween ausgehöhlt worden, sondern zwischen Marktbreit und Ochsenfurt auf der Staatsstraße 2418 bei Dunkelheit "unter die Räder gekommen": Deswegen standen gestern zwei 16 und 14 Jahre alte Schüler aus Ochsenfurt in Würzburg vor dem Jugendrichter, angeklagt wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
An einem Pkw, dessen Fahrer vor den auf der Straße aufgereihten runden Hindernissen nicht mehr rechtzeitig anhalten und auch nicht ausweichen konnte, ist beim Plattmachen der Kürbisse ein Sachschaden von 2000 Euro entstanden: Die sogenannte Unterboden-Schürze war gebrochen.
Durch Einschalten eines Kfz-Gutachters und eines Rechtsanwalts hat sich die Forderung zum mittleren Entsetzen von Jugendrichter Bernd Krieger inzwischen auf etwa 6000 Euro hochgeschaukelt.
Und von der Haftpflicht-Versicherung, so ein Schüler-Vater, gibt's in dem Fall natürlich nichts.

Kürbisse waren zu schwer

Auslöser für den gefährlichen "Scherz" soll gewesen sein, dass es mächtig gespritzt hatte, als einige Tage vorher ein Auto an der Stelle über einen weitaus kleineren Kürbis gefahren und den richtig zermatscht hatte. Da soll der Ältere von beiden auf die Idee gekommen sein, sich mal anzuschauen, wie größere Kürbisse, die zum Verkauf am Straßenrand lagen, darauf reagieren.
Bei der Polizei gab er später noch an, dass beide die Kürbisse auf die Fahrbahn rollten, weil sie zum Tragen zu schwer waren. In der gestrigen Verhandlung ruderte er, was den zweiten Angeklagten betrifft, deutlich zurück. Ob der sich überhaupt an der Kürbis-Sperre beteiligt hat, wisse er nicht, könne sich jedenfalls nicht erinnern.
Der "zweite Mann" gab an, dass er einen Kürbis zwar hochgehoben, aber gleich wieder hingelegt habe, weil der so schwer war. Mehr sei nicht gewesen. Ein bisschen fühle er sich aber schon mitschuldig, weil er nicht einfach wegging und auch nichts dagegen sagte, als der Kumpel das Hindernis aufbaute.
"Wer hier lügt, gehört der Katz", sagte Jugendrichter Krieger in einer Sprache, die seine Kunden verstehen, als er den Eindruck hatte, dass der eine den anderen bewusst schont, aber es schien dann doch wirklich so gewesen zu sein, wie von den Angeklagten behauptet. Deren Freundschaft ist übrigens seit jenem Oktober-Abend mit dem Kürbis-Crash so gut wie beendet. Beide waren nach dem Unfall zunächst Richtung Mainufer geflohen, sind dann aber "zum Gucken", weil mehrere Blaulichter zu sehen waren, an den Tatort zurückgekehrt und haben sich dort als "Zeugen" notieren lassen.

Es hätte Tote geben können

Staatsanwältin und Richter gaben sich viel Mühe, den beiden Schülern am Donnerstag deutlich zu machen, wie viel Glück sie gehabt haben: "Was wäre gewesen, wenn ein Pkw-Fahrer beim Ausweichen einen anderen gerammt, wenn sich sein Fahrzeug vielleicht bei einem ungeschickten Ausweichmanöver überschlagen hätte? Es hätte Tote geben können." Die Hinweise auf denkbar schlimme Folgen kamen erkennbar "unten" an.
Eine Verurteilung hätte für beide Schüler sieben Punkte in Flensburg bedeutet und einen Eintrag im Strafregister. Die Möglichkeit, den Führerschein zu erwerben, wäre zunächst einmal auf Jahre hinaus verbaut gewesen. Daher wurde das Verfahren, wie von der Jugendgerichtshilfe angeregt, eingestellt und das bedeutet: keine Punkte. Dafür müssen beide, der die Kürbisse auf die Fahrbahn schleppte und derjenige, der nur dabei stand, in den Schulferien 40 Stunden soziale Hilfsdienste ableisten.
Die Einstellung des Verfahrens bedeute, so Jugendrichter Krieger an die Angeklagten, die auf große Entfernung bereits als "reuige, arme Sünder" zu erkennen waren: "Ihr könnt auf Knien in Würzburg zum Käppele hinauf rutschen und euch für die Chance bedanken, dass ihr nach der Schule mit weißer Weste ins Berufsleben gehen könnt".
Einer der Väter hat bereits die Hälfte der Schadenssumme bezahlt, mit der Ausbildungsversicherung, die eigentlich den Führerschein finanzieren sollte.

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