KITZINGEN

Mit Küchenmessern gegen Betreuer

Aggressionen und Ausraster sind ständige Begleiter eines 17-Jährigen. Ein Messerangriff auf einen Betreuer hat ihn vor den Jugendrichter und in den Arrest gebracht.
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Symbolbild

Aggressionen und Ausraster sind ständige Begleiter eines 17-Jährigen. Im Griff hat er sich trotz jahrelanger Betreuung und Medikamenten nicht. Der Angriff mit Küchenmessern auf einen seiner Betreuer hat ihn jetzt vor den Jugendrichter und in den Arrest gebracht.

Kein Grund für Zweifel

Auch wenn der 17-Jährige die Messerattacke bestritt, das Gericht überzeugte er nicht. Richter Wolfgang Hülle sah keinen Grund, an den Aussagen des angegriffenen Betreuers zu zweifeln. Der junge Mann muss für ein Wochenende in Arrest, 24 Stunden soziale Hilfsdienste ableisten und sich mindestens ein halbes Jahr lang in eine ambulante psychiatrische Behandlung begeben.

Eher geringer Anlass

Die Aussagen des 26-jährigen Schreinermeister und Betreuers bestätigten das, was in der Anklage stand. Danach ist es in einer Wohnung im Landkreis, in der schwer erziehbare Jugendliche mit ihren Betreuern (Pädagogen und Handwerker) leben, im März zu dem Zwischenfall gekommen – aus eher geringem Anlass.

Verstoß gegen klare Regeln

Warum sich die Sache am Ende so hochgeschaukelt hat, ob fehlendes pädagogisches Gespür des Schreinermeisters mit ein Grund waren, blieb offen. Klar war: An einem Nachmittag im März hatte der 17-Jährige das Fernsehgerät eingeschaltet, was nicht erlaubt war. „Wir haben da genaue Regeln“, sagte der Schreinermeister. Die wollte der durchsetzen. Also ging er ins Wohnzimmer und schaltet das TV-Gerät ab.

Ich steche dich ab

Der 17-Jährige, der beim Essen am Wohnzimmertisch saß, reagiert ungehalten. Die Fernbedienung flog in Richtung Betreuer. Der wiederum hob den Tisch an und ließ ihn wieder fallen – um sich Gehör zu verschaffen. Dass dabei der Teller in zwei Teile ging, machte den 17-Jährigen wütend. „Ich stech dich ab“, soll er gesagt haben oder auch „jetzt bring ich dich um“.

Danach lief er in die Küche und machte sich am Besteckkasten zu schaffen. Der Betreuer folgte ihm. Als er bemerkte, dass der junge Mann drei Messer in den Hand hatte, nahm er ihn in den Würgegriff. Er brachte ihn zu Boden, wich den Stichversuchen aus und versuchte, mit dem Handy die Polizei zu holen. Die Gelegenheit nutzte der 17-Jährige und biss dem Mann in die Hand.

Damit war die Anklage zusammen: Bedrohung, versuchte gefährlichen Körperverletzung (Messerangriff) und noch eine vorsätzliche (Biss) dazu.

Die andere Version

Davon wollte der Angeklagte nicht wissen. Klar hat es den Streit ums Fernsehen gegeben, sagte er. Auch die Fernbedienung kam irgendwie in Bewegung. Dann aber sei er in die Küche gelaufen – mit den Worten „lass' mich in Ruhe“ – und wollte sich Besteck für das Essen holen. Plötzlich sei der Betreuer da gewesen. Das Besteck habe er sofort weg geworfen. Der Mann habe ihm die Luft abgedrückt. Um sich aus dem Würgegriff zu befreien, habe er zugebissen. Soweit die Notwehrversion des 17-Jährigen, mit der er nicht durchkam.

Dazu hat beigetragen, dass der junge Mann schön öfter ähnlich aufgefallen ist. Der 17-Jährige mit der „ausgeprägten Impulsstörung“ hat so gut wie alle Formen der ambulanten und stationären Rundumbetreuung hinter sich – einschließlich einer Eins-zu-Eins-Betreuung in Finnland. Und die Betreuung geht weiter. Diesmal allerdings unterbrochen durch ein Wochenende hinter Gittern, wenn das Urteil rechtskräftig wird.

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